26.10.2011, 09.41 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

1 Kommentar

Frust im „Dörper Outback“: „Berg-Volk“ hat Nase voll vom Verkehr

Artikelfoto

Haben eine Unterschriften-Aktion gestartet, damit der Verkehr in ihrer Hofschaft eingedämmt wird: die genervten Bewohner der Cronenberger Ortslage Berg.

Haben eine Unterschriften-Aktion gestartet, damit der Verkehr in ihrer Hofschaft eingedämmt wird: die genervten Bewohner der Cronenberger Ortslage Berg.

Haben eine Unterschriften-Aktion gestartet, damit der Verkehr in ihrer Hofschaft eingedämmt wird: die genervten Bewohner der Cronenberger Ortslage Berg.

Was in Australien das Northern Territory oder Western Australia, ist in Cronenberg unter anderem die Ortslage Berg – die Hofschaft mit ihren etwa 40 Bewohnern geht als „Dörper Outback“ problemlos durch. In dem so idyllischen, entlegenen Cronenberger Süd-Ostzipfel oberhalb des Morsbachtales rumort es jedoch: Die „Berg-Bewohner“ haben die Nase voll – der Durchgangsverkehr sei kaum noch erträglich, die einzige Straße in einem maroden Zustand, die Straßenbeleuchtung schlecht und dass ihre Hofschaft nicht vom Räumdienst bedient wird, stößt nach zwei harten Wintern auch sauer auf am Berg. Hauptziel der Unterschriften-Sammlung, die das streitbare „Berg-Völkchen“ jetzt startete, ist aber vor allem eines: Der Straßenzug „Oberheidt/Bergstraße/Berg“ soll Anliegerstraße werden.

„Das ist eine Katastrophe hier“, berichteten etwa 15 Anwohner beim Ortstermin mit der CW: Vor allem seit Eröffnung des Brückenparks Müngsten nehme der Verkehr immer mehr zu, auch durch Navigationssysteme würden viele über die schmale Straße durch die Hofschaft geleitet – ganz abgesehen von den Sudbergern, welche den Schleichweg ohnehin als Abkürzung Richtung Solingen und Remscheid nutzten – „das wird immer schlimmer“, heißt es am Berg. Sogar Geldtransporter, Krankenwagen und Lkw-Züge hätten sich schon in der Hofschaft verirrt.

Geradezu dramatisch, berichten die Hofschafter, sei es im letzten Winter gewesen: Immer und immer wieder hätten sich unkundige Fahrer an der steilen Straße festgefahren. Am Anfang habe man die Autos ja noch gerne mit freigeschaufelt, „aber dann habe ich mir gesagt, jetzt helfe ich nicht mehr – die sind ja selbst Schuld“, so ein entnervter Anwohner. Dass der Räumdienst ihre Straße mit bedient, wäre aus Sicht der Bergler kein großes Problem – schließlich führen die Räumfahrzeuge ohnehin durch ihre Hofschaft, allerdings mit hochgezogenem Schild: „Das können die doch auch unten lassen“, fordern die Anwohner.

Hauptaugenmerk des „rebellischen“ Berg-Volks bleibt dabei jedoch: Ihre Straße muss für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Dazu macht Anja Süther, beim städtischen Ressort Straßen und Verkehr für den Stadtteil Cronenberg zuständig, indes keinerlei Hoffnung: Die Ortslage Berg sei in puncto Unfälle völlig unauffällig und auch eine einwöchige Verkehrszählung im August 2010 habe nichts erbracht, woraus ein Handlungsbedarf abzuleiten wäre:  Nur durchschnittlich 197 Fahrzeuge am Tag hätten im Messzeitraum die Ortslage befahren – das sei weit unter dem Limit für eine verkehrsberuhigte Straße. Das, so Anja Süther, liegt bei 1.500 Fahrzeugen am Tag. Wo folglich kein Handlungsbedarf , da auch keine Kontrollen; und wo keine Kontrollen, da nutze auch ein Durchfahrtverbot nichts: „Wenn nicht kontrolliert wird, wirkt das nicht“, erteilt Anja Süther dem Anwohner-Wunsch eine Absage.

Dennoch: In der kommenden Woche trifft sich die städtische Verkehrsexpertin mit den Anwohnern und der Polizei zu einem Ortstermin Gleichzeitig haben CDU und SPD zur nächsten Sitzung der Cronenberger Bezirksvertretung, Mitte November, einen Prüfauftrag zur Verkehrssituation in der Ortslage Berg eingebracht. Wer derweil die Initiative der Berg’ler unterstützen möchte, findet die Unterschriftenlisten in Gaetano’s Kiosk am Oberheidt, im Salon Martiné (Cronenhof) sowie bei Blumen Koch. Mehr Infos gibt’s auch per E-Mail unter l.baumann@piratenpartei.nrw.de.

Den Artikel teilen:

Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Martin
    26.10.2011, 19:04 Uhr   |   Direktlink

    Die Ortslage Berg, aber auch weiter oberhalb des Waldes, in der Straße Oberheidt, ist es eng und steil. Der Weg ist also alles andere als eine ideale Straße. Aber einfach sperren bringt hier nichts, denn eine echte Alternative gibt es nicht. Die nächste etwas bessere Verbindung ins Morsbachtal ist am Nettenberg, die nächste „richtige“ Sttraße am Hallenbad oder sogar die Hastener Straße. Wer also am „Berg“ herfährt, will nicht mal eben wegen 1-2 Minuten etwas Verbotenes tun, sondern es geht einfach nicht anders.
    Auch wenn es sicher keine kurzfristige Lösung ist: Vielleicht wäre es einmal überlegenswert, die Attraktivität der Verbindung über Hintersudberg ins Morsbachtal zu steigern. Nadelöhr ist die Ortschaft Hintersudberg. Würde man vor der Ortschaft Hintersudberg die Hintersudberger Straße nach links abknicken lassen und so nördlich am Ort vorbeiführen, hätte man eine Verbindung ins Morsbachtal, die Bebauung allenfalls tangieren würde. Der „Landschaftsverbrauch“ wäre aufgrund der Führung recht nah an der Ortschaft auch vertretbar. Damit wäre die Verbindung für den Verkehr Richtung Müngsten und Remscheid-Morsbach schon attraktiver als über „Berg“. Wenn man dann noch ein bisschen die Kurven im Wald entschärfen würde und unten das Linksabbiegen erleichtern würde, wäre die Atrraktivität der „Umleitung“ noch höher.
    Sicher keine Sofort-Lösung, aber nach meiner Meinung eine interessante Option, um die Sudberger „Talanbindung“ zu verbessern.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Veröffentlichte Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bitte achten Sie bei Ihrer Meinungsäußerung unbedingt auf einen respektvollen Umgang anderen gegenüber. Beleidigungen, werbliche Einträge sowie Kommentare ohne Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht.