08.11.2011, 09.01 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Bestes „vom Besten“! TiC-Hommage an unsterblichen Loriot

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Schlüpfen in die Kult-Rollen der Blömanns, Lindemanns, Müller-Lüdenscheids & Co.: Tobias Unverzagt, Elisabeth Walde, Carsten Müller und Hans-Willi Lukas (v.l.) lassen Loriots unvergessliche Sketche auf der TiC-Bühne absolut authentisch wieder lebendig werden.

Der Anlass ist ein trauriger, dennoch hatte das Publikum am Samstagabend viel Vergnügen: Mit Dauer-Applaus belohnten die Premierenbesucher Regisseur Ralf Budde und seine Mitwirkenden für ihren „Best of Loriot“. Die Zusammenstellung von Sketchen aus der Feder des Großmeisters des deutschen Humors hat das TiC-Theater aus Anlass des Todes von Vicco von Bülow kurzfristig in seinen Spielplan aufgenommen. Ralf Budde, der bereits die bisherigen Loriot-Erfolge im TiC, den letzten davon im Jahre 2006, auf die Bühne brachte, setzt auch das „Revival“ in Szene.

Und wieder zeichnet Budde die Kultfiguren wie das Ehepaar Blömann, die Herren Lindemann und Blühmel oder Müller-Lüdenscheid und Dr. Kloebner ganz im Sinne ihres „Vaters“ nach, allerdings nicht ohne eigene Ausrufezeichen zu setzen – ganz im Loriotschen Sinne, selbstverständlich! Ob es nun tatsächlich ein „Best of“ ist, mag der Zuschauer entscheiden – ob das Frühstücksei, die Nudel, das Skat-Spiel, die Parkuhr, das Klavier, die Badewanne, Weihnachten, und, und, und – der feinsinnigen Szenen hat Loriot schließlich viele geschrieben!

Dass seine Sketche auch genau 35 Jahre, nachdem die erste Loriot-Reihe im Fernsehen ausgestrahlt wurde, noch immer Spaß machen, beweist: Loriots Humor hat kein Verfallsdatum. Aber auch ein Blick ins TiC-Premierenpublikum verriet, dass Loriots komödiantisch-satirisches Erbe unsterblich ist: Die meisten erlebten den TV-Hit sicher schon ab 1976 vor dem Fernseher, unter den TiC-Besuchern waren jedoch auch „Spätergeborene“. Wie Ann-Kathrin Meger und Freund Roman Stein: „Wir sind eltern-geprägt“, berichtete das 23 beziehungsweise 26 Jahre alte Paar: „Weihnachten ist Loriot Standard!“

Falls der „Best of Loriot“ für die künftigen Vohwinkler ein bisschen wie Weihnachten war, dann handelte es sich um „ein frohes Fest“: „Sehr schön“, befanden Kathrin Meger und Roman Stein zur Pause. Während Kathrin Meger zwischen der Benimmschule zum kultivierten Verhalten bei Tisch und dem Lottogewinn haderte, war der Sketch-Favorit für Roman Stein klar: „Für mich als Mann ist es der Feierabend-Sketch“ („Ich will nur hier sitzen“), so der 26-Jährige. Nebenbei: In ein paar Wochen zieht Roman Stein mit seiner Freundin zusammen… – Feierabende a la Loriot bleiben ihm gewiss erspart!

Apropos „erspart“: Die TiC-Darsteller Elisabeth Walde und Anita Zlotos sowie Hans-Willi Lukas, Carsten Müller und Tobias Unverzagt ersparen dem Publikum nichts vom Loriotschen Witz; das Quintett lässt die guten, alten Zeiten vor der Mattscheibe auf der TiC-Bühne wieder lebendig werden. Und sie legen fulminant los: Zum Auftakt serviert Ralf Budde den „Benimmunterricht“ – ein Genuss, Tobias Unverzagt als Herrn Blühmel zu erleben! Gleiches gilt für Unverzagt als dritten Mann in der Skatrunde, während Carsten Müller seine Sternstunden als der legendäre Lottogewinner Erwin Lindemann oder als Bundestagsabgeordneter Karl-Heinz Stiegler erlebt. Kompliment an Ralf Budde für den Einfall, den Worthülsen-Drescher wie eine Puppe auf die Bühne und wieder abtragen zu lassen! Gleichsam ist es dieser Sketch, wie auch die vor Frasen nur so triefenden Polit-Talks (Tobias Unverzagt, Carsten Müller, Hans-Willi Lukas), die vor Augen führen: Loriots Realsatire hat nichts an Aktualität eingebüßt!

Ähnliches gilt für Loriots „Einsichten“ zur Ehe: Ob das Schweigen vor dem kaputten Fernseher (wunderbar: Anita Zlotos und Hans-Willi Lukas), der Frühstücksei-Sketch (nicht zu weich, nicht zu hart: Elisabeth Walde und Carsten Müller) oder die Eheberatung der Blömanns (grandios: Anita Zlotos und Carsten Müller) – der Loriotsche Spiegel hat nichts an Reflexionskraft verloren und das TiC-Quintett spiegelt Loriots Charakterstudien erstklassig wider! Gratulation auch an Elisabeth Walde: Wie sie im Fernsehansagerinnen-Sketch die „Th“-Hürden nimmt und sich gekonnt verhaspelt, steht sie Evelyn Hamann kaum nach!

Und zum Dessert hält Ralf Budde noch ein besonderes Bonbon bereit: Budde serviert nicht den Kosakenzipfel, der wird zuvor schon „vertilgt“; nein, als „Sahnehäubchen“ des TiC-„Best of“ gibt’s Ente! Im Kult-Sketch „Zwei Herren im Bade“ lassen Carsten Müller und Hans-Willi Lukas sie zu Wasser – freudige „Ah’s“ waren im Publikum zu vernehmen, als die Wanne auf die Bühne geschoben wurde. Wie das Leben so spielt: Im Frühjahr hatte das TiC aus Platzmangel die Loriot-Wanne aus seinem Fundus gestrichen, sodass Iljas Enkaschew (Bühnenbild) nun eine neue bauen musste. Die Herren Dr. Kloebner und Müller-Lüdenscheid wird’s freuen: Enkaschew’s Neu-Wanne bietet wesentlich mehr Platz zum Abtauchen – „Ach was“, möchte man da mit Loriot meinen…

Möchten Sie in die wunderbare Welt des Loriotschen Humors eintauchen? – Karten für das herrlich gelungene „Best of“ im TiC sind unter Telefon 47 22 11 oder online unter www.tic-theater.de erhältlich.

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