07.02.2012, 08.47 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Kinderarzt: Bezirksvertretung beantragt „Unterversorgung“

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Dr. Joachim Wittensteins Erläuterungen zum Thema "Kinderarzt in Cronenberg" hatten den Charakter eines Zustandsberichts des Gesundheitssystems - Diagnose: Durchgeplant, aber auf jeden Fall nicht "kerngesund"!

Seit Aufgabe einer Praxis an der Berghauser Straße im Jahr 2010 gibt es im zentralen Cronenberg keinen Kinderarzt mehr, die nächste Anlaufstelle für Kinder- und Jugendmedizin liegt an der Grenze zur Südstadt, an der Cronenberger Straße. „Zu wenig“, meint die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg und setzte ein demonstratives Zeichen: In ihrer letzten Sitzung im Dezember 2011 fasste das Stadtteilparlament einstimmig den Beschluss, etwas gegen konstatierten Mangel zu tun: „Wir vermissen schmerzlich eine Kinderarzt-Praxis in Cronenberg“, fasste Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky dazu die Meinungslage in der BV zusammen.

Jetzt legte die Bezirksvertretung nach: Ende Januar ging ein Schreiben nach Düsseldorf raus, in dem der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen gebeten wird, die Unterversorgung für den Bereich „Kinderärzte“ im Stadtbezirk Cronenberg festzustellen. Hintergrund ist eine Gesetzesänderung, die zum 1.1.2012 in Kraft trat: Wie Dr. Joachim Wittenstein, Vorsitzender der Wuppertaler Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KAV), der BV berichtete, macht es diese gesetzliche Änderung zwar grundsätzlich möglich, gegen regionale Unterversorgungen in der medizinischen Betreuung vorzugehen. Allerdings machte Wittenstein wenig Hoffnungen, dass die Änderung einen erhofften Effekt auch für Cronenberg haben könnte.

Denn: Die Gesetzesänderung wurde vor allem gegen die ärztliche Unterversorgung im ländlichen Raum konzipiert, erläuterte der Wuppertaler KAV-Vorsitzende – ein Stadtbezirk habe keine guten Karten. Zumal, so Wittenstein, die Kinderarzt-Versorgung für das gesamte Stadtgebiet sogar übererfüllt sei. Die Erklärung des KAV-Vertreters ließ tief Blicken in „die Untiefen“ des Gesundheitssystems: 25 Kinderarzt-Praxen sehe „das Budget“ als „ausreichend“ für Wuppertal vor, es gebe tatsächlich aber 30 Praxen in der Stadt – Quintessenz: Auch wenn es in Cronenberg nur noch einen Kinderarzt gibt, laut Plan könne daher von Unterversorgung keine Rede sein, so Wittenstein. „Ich bedaure die Zentralisierung der Arzt-Praxen. Aber der Plan in Wuppertal wird erst wieder aufgehoben, wenn fünf Praxen weg sind“ – Folge der „Planwirtschaft“: „Mit Praxen wird gehandelt wie mit Taxi-Lizenzen“, erklärte Joachim Wittenstein und der Laie im Sitzungssaal schlackerte mit den Ohren ob dieser haarsträubenden Reglementierung.

Trotz der nicht eben hoffnungsvoll stimmenden Erläuterung – die Bezirksvertretung will zumindest versuchen, das Unmögliche möglich zu machen: Fahrtstrecken von circa 20 Kilometern zu weiteren Praxen in Elberfeld und Barmen seien Eltern mit kranken Kindern nicht zuzumuten, heißt es in dem Schreiben von Bezirksbürgermeister von Wenczowsky: Ein bedarfsdeckendes Versorgungsangebot sei in Cronenberg nicht sichergestellt. „Ich glaube nicht, dass das Gesetz für Städte greift“, äußerte sich Joachim Wittenstein zwar skeptisch, gab jedoch zugleich Anlass für zumindest ein Fünkchen Hoffnung: „Vielleicht treten Sie mit Ihrer Initiative ja etwas los.“ Man darf also auf die Antwort aus der Landeshauptstadt gespannt sein…

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Norbert Metz
    08.02.2012, 06:46 Uhr   |   Direktlink

    Steigende Kassenbeiträge bei gleichzeitig verminderten Leistungen, die Betroffenen sind wieder einmal die Kinder. Armes Deutschland !

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