06.03.2012, 07.27 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Erste Premiere 2012: „Top-Thrill“ im TiC

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Bereiten einen hochspannenden Abend im TiC-Theater: Robert Wagner, Torsten Kress, Andreas Wirth, Björn Tappert, Lara Sienczak und Lily Frank - die Mitwirkenden des packenden Thrillers "Warte, bis es dunkel ist". - Foto: Martin Mazur

Auch wenn’s im TiC-Studio langsam ein wenig warm geworden war und es also durchaus gut tat, in der Pause von „Warte bis es dunkel ist“ etwas frische Luft schnappen zu können, meinte eine Premierenbesucherin in der „Halbzeit“: „Ich hätte am liebsten weitergeschaut – es ist so spannend!“ Knapper und zugleich zutreffender kann eine Kritik nicht ausfallen: Der Krimi, mit dem das Theater in Cronenberg seinen neuen Spielplan einläutete, bietet packende Unterhaltung pur! So stellt man sich einen Thriller vor, fand offensichtlich am Freitagabend, 02. März 2012, auch das Premierenpublikum: Mit rhythmischem Applaus und Füßetrampeln feierten sie den TiC-Krimi – der Nervenkitzel traf voll den Nerv der Premierenbesucher!

Auch 2012 ein Krimi zum Start ins TiC-Jahr, und auch diesmal zeichnen Sabine Misiorny und Tom Müller für die Inszenierung verantwortlich: Nachdem die Protagonisten des m&m-Theaters, sonst eher auf Humorvolles abonniert, 2011 mit dem Erfolg „Die Todesfalle“ unter Beweis stellten, dass sie auch „spannend“ können, setzen Misiorny & Müller nun „einen drauf“: Mit „Warte bis es dunkel ist“ spannen sie die Nerven der Zuschauer gehörig auf die Folter und bescheren ein Finale mit einem Feuerwerk an Wendungen und Dramatik. Das Ganze gepaart mit wunderbaren Darstellern, einem schummrigen Bühnenbild, tollen Kostümen und nicht zuletzt einer die Dramatik unterstreichenden Musik – der neue TiC-Krimi bietet in allen Belangen beste spannende Unterhaltung!

In dem US-Thriller, der 1967 unter anderem mit Audrey Hepburn verfilmt wurde, steht die junge Susy Hendrix im Mittelpunkt. Durch einen Unfall verlor sie jüngst ihr Augenlicht; während sie sich gerade, unterstützt von ihrem Mann Sam und dem kleinen Nachbarsmädchen Gloria, in den veränderten Alltag einlebt, wird Susy in ihrem Apartment zum Mittelpunkt einer Intrige dreier Gangster. Hintergrund: Sam erhielt auf einer Auslandsreise von einer Frau eine Puppe – als die Frau die Puppe bei Sam in New York abholen will, ist sie weg und die Frau später tot. Der Grund: Das Spielzeug ist mit Heroin gefüllt und das gehört Gangster Harry Roat (Robert Cramer). Er engagiert die beiden Klein-Gauner Mike (Andreas Wirth) und Carlino (Thorsten Kress); als Sam aus dem Haus ist, nutzen die Drei das aus, um mit der ahnungslosen Susy ihr böses „Puppen-Spiel“ zu treiben.

Zunächst läuft alles wie geplant: Susy glaubt dem Zusammenspiel von Sams angeblichem Freund Mike, des vermeintlichen Kommissars Carlino sowie des merkwürdigen Mr. Roat, sie befürchtet sogar, dass Sam in die Ermordung der Frau verwickelt ist und wird zum Spielball der Schurken. Doch als sich herausstellt, dass die kleine Gloria die Puppe an sich genommen hatte und sich das böse Terzett bereits am Ziel wähnt, kommt Susy dem bösen Spiel auf die Schliche. Zum Finale des doppelbödigen Thrillers kommt es zum Showdown mit dem psychopathischen Mr. Roat: Susy legt sich eine Strategie zurecht wie sie den eiskalten Killer schlagen könnte: Sie dreht alle Sicherungen in ihrem Apartment heraus, denn im völligen Dunkel glaubt sie eine Chance gegen Roat zu haben. Ihr Plan scheint aufzugehen, doch eines hat Susy nicht bedacht: die Kühlschrank-Lampe… Zum Finale überschlagen sich die Ereignisse, das Publikum erlebt eine Achterbahnfahrt der Emotionen!

Nicht nur die Thriller-Inszenierung ist „top“, Sabine Misiorny und Tom Müller setzen auch Top-Akteure in Szene: Bjoern Tappert Rolle als Ehemann Sam ist undankbar – er ist zumeist unterwegs; Thorsten Kress und Andreas Wirth hingegen mimen absolut glaubwürdig den Mix aus bösen Buben und Möchtegern-Ganoven, TiC-Newcomerin Lily Frank spielt mit großem Bravour in Körpersprache, Mimik und Sprache das Nachbarsmädchen Gloria und Robert Cramer brilliert als Bösewicht Harry Roat. Wunderbar, wie glaubhaft Robert Cramer die kontrastreiche Rolle – den cool-gediegenen Mr. Roat jr. auf der einen Seite und den brutalen, vor allem aber psychopathischen Verbrecher andererseits – zu verkörpern weiß – auch wenn er der scheinbar gefühllose Strippenzieher des bösen Spiels ist, avanciert der Anti-Held zu einem der „Lieblinge“ des TiC-Abends.

Die Lichtgestalt im Dunkel des Abends ist indes Lara Sienczak: In der Rolle der blinden Susy liefert sie nach ihren bravourösen Leistungen als „Julia“ (Romeo & Julia) und schrilles Huhn („Pinguine können keinen Käsekuchen backen“) die bereits dritte Glanztat auf der TiC-Bühne ab! Großes Kompliment wie die junge TiC-Schauspielerin Charme, Verzweiflung und zugleich kraftvolle Stärke der Susy widerspiegelt; wenn auch „unpassend“: Eine Augenweide wie Lara Sienczak es versteht, der Blindheit Susys Ausdruck zu verleihen – beeindruckend und zugleich Anerkennung an Sabine Misiorny und Tom Müller, die Lara Sienczak die Proben mit verbunden Augen absolvieren ließen; Audrey Hepburn verpasste 1968 den Oscar, Lara Sienczak würde ihn bekommen!

Den stimmigen Rahmen für den düsteren Thriller bietet das triste Apartment, das Iljas Enkaschew eingerichtet hat, für den passenden 60er-Jahre-Look sorgen die Kostüme von Noelle-Magali Wörheide und für die musikalische Betonung des Thrills im TiC garantieren die Töne aus „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinski, die Tom Müller ausgewählt hat – das alles macht aus „Warte, bis es dunkel ist“ einen Klasse-Krimi im TiC! Lust auf einen spannenden Abend erster Güte? – Karten für den neuen TiC-Krimi gibt’s unter Telefon 47 22 11 oder online unter www.tic-theater.de.

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