20.04.2012, 10.15 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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„Der Rosenkrieg“ im TiC: „Mit Pauken und Pasteten“

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Jonathan und Barbara zetteln im TiC-Theater einen "Rosenkrieg" an.

Ein Blick in die Klatschspalten der Tageszeitung genügt, um zu wissen: Trennungen können gehörig ins Geld gehen. Wer sich das neue Stück „Der Rosenkrieg“ im TiC-Theater anschaut, der erlebt die verschärfte Version von all dem, was entzweite Eheleute einander so antun können. Bis hin zur Erkenntnis: Manchmal enden Ehen auch tödlich… Regisseurin Julia Penner hat mit der Geschichte um Barbara und Jonathan Rose einen Erfolgsroman inszeniert, der durch die Verfilmung mit Kathleen Turner und Michael Douglas zum Kinohit wurde. Die TiC-Adaption beweist: Der spektakuläre Schlagabtausch passt auch auf die Bühne; die berühmten Gemeinheiten des Ehepaars Rose bleiben den Zuschauern auch in der Borner Straße erhalten und wirken „live“ sogar noch einmal ein gutes Stück drastischer – die Premierengäste freute es!

Dass Barbara nichts mehr für ihren Mann empfindet: Schon als Zeitpunkt dieser Ansage wählt Isabelle Rotter im feuerroten Kleid (Kostüme: Wiebke Fichte) sehr „feinfühlig“ den Moment aus, in dem ihr Jonathan (toll gespielt von Dennis Wilkesmann) aus dem Krankenhaus zurückkehrt – dem Tod nur um Haaresbreite entkommen… wie er glaubt. Schon hier zeigen die Hauptdarsteller klare Kante: Statt sich auch nur im mindesten etwas Mitgefühl abzuringen, als Wilkesmann mit schöner Leichenbittermiene auch noch sein Testament vorliest, erzählt Isabelle Rotter cool und unbewegt, dass auf halber Strecke zum Krankenbesuch der Gedanke an sein Ableben sie übermannt hat – und zwar: aus Vorfreude! Nur folgerichtig lässt Barbara die Katze aus dem Sack: „Ich liebe dich nicht mehr.“

Apropos Katze: Die Haustiere der beiden werden im Verlauf des nun beginnenden Rosenkriegs auf nicht ganz gesundheitsfördernde Weise einbezogen. Nachdem klar ist, dass die Scheidung unvermeidlich ist und die Schlachten ums Haus und die Kinder beginnen, will jeder der Kombattanten nur noch eines: den anderen da treffen, wo es am meisten weh tut – vor Katz und Hund wird da weder Halt gemacht noch vor Jonathans heiß geliebter Filmfigurensammlung („Nein!! Nicht Captain Kirk!“).

Zielsichere Schützenhilfe, um noch einmal im Militär-Jargon zu bleiben, erhalten beide dabei von ihren Rechtsanwälten, von denen jeder dem durch ihn vertretenen Streithahn an Bosheit ganz ebenbürtig ist – nur raffinierter. Joachim Rettig gibt dabei Jonathans Staranwalt Goldstein so sachlich und trocken, dass man als Klient gar nicht erst auf die Idee kommt, zu protestieren gegen seine Geschäftstüchtigkeit: Jonathans Bemerkung „Ich bin nicht arm“ kontert der gewiefte Fuchs nur mit einem unauffälligen „Noch nicht…“ Sein Gegenstück ist Beril Erogullari als Barbaras ebenso kostspielige Anwältin Thurmont; und wenn sie sich breit lächelnd mit Klangschale und Räucherstäbchen um die harmonische Stimmung kümmert: Dann lässt das ihre Hinterhältigkeit beim Pläneschmieden nur erst so richtig strahlen.

Nicht jede der gemeinsam ersonnenen Intrigen des doppelten Gespanns „Ehepartner – Rechtsbeistand“ ist natürlich geeignet dazu, auf der Bühne in letzter Konsequenz durchexerziert zu werden. Aber hier sichert die Regie dem Publikum mit viel Mut und Einfallsreichtum den Genuss, die kleinen und großen Schurkereien hautnah zu erleben – von der Pinkel-Attacke bis zum Pasteten-Panschen. Schlau ist auch das Bühnenbild gestaltet: Iljas Enkaschew hat eigens eine Treppe ins „zweite Stockwerk“ gebaut, das fürs Publikum zwar außerhalb des Blickfeldes liegt, aber unzweifelhaft existiert – das wird spätestens dann klar, wenn von oben die Fetzen, pardon: Geschirr und sonstige Gegenstände fliegen… Wenn dann Jonathans mit Hingabe gepflegter Fuhrpark unsanfte Bekanntschaft mit Barbaras Vorschlaghammer macht, würde zwar ein Autowrack pro Vorstellung vermutlich das TiC-Budget sprengen – aber auch unüberhörbares grausiges Krachen vor der Tür lässt da kaum etwas vermissen. Und wie am Ende Isabelle Rotter die Szene umsetzt, in der Barbara sich vor ihrem mittlerweile axtschwingenden Gatten auf den Kronleuchter flüchtet, soll hier nicht verraten werden – nur so viel: Es wird akrobatisch…

Nichts bei Höhenangst und nichts für Zartbesaitete: „Der Rosenkrieg“ im TiC enttäuscht wohl keinen Fan von Buch und Film – und wer noch glaubte, Wörter wie „Kampf“ und „Schlachten“ hätten nur übertragene Bedeutung, wenn es um Ehekrisen geht: Der kann an diesem Abend noch so einiges lernen… Karten für den TiC-Rosenkrieg gibt es unter Telefon 02 02/47 22 11 oder aber auch direkt im Internet unter www.tic-theater.de.

Martin Hagemeyer

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