19.06.2012, 10.48 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Mitten em Dorpe, mitten im Leben: Zentrum Emmaus eröffnet

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Die Baustellenabsperrungen sind weg, alles ist "blitzeblank" - am morgigen 30. Juni 2012 wird das Zentrum Emmaus feierlich eingeweiht.

Wer sich an der Emmauskirche in der Ortsmitte einen Augenblick die Zeit nimmt, die Passanten zu beobachten, erkennt: Der Umbau der 155 Jahre alten evangelischen Kirche beschäftigt die Cronenberger – viele werfen einen Blick zur Seite auf die Baustelle, immer wieder bleiben Interessierte am Bauzaun stehen, um den neuen gläsernen Verbindungsbau intensiver unter die Lupe zu nehmen, der das Gemeindehaus mit der Emmauskirche verbindet. Bald müssen sie alle nicht mehr draußen bleiben: Am 30. Juni 2012 wird das neue Gemeindezentrum feierlich eingeweiht und auch, wenn aktuell noch die Handwerker das Sagen haben, steht nach einem Blick ins Innere fest: Das neue „Zentrum Emmaus“, wie das Gemeindezentrum offiziell heißen wird, ist ein Schmuckstück geworden.

Was lange währte, wird damit Ende des Monats richtig gut: Genau vor zehn Jahren gab es die ersten Ideen zum Umbau der Emmauskirche in ein Gemeindezentrum, anschließend galt es zunächst einmal den Gürtel enger zu schnallen. Zwar war es schmerzlich, aber auch die Aufgabe der beiden Gemeindehäuser und schließlich der Verkauf des reformierten Pfarrhauses in der Karl-Greis-Straße konsolidierten die Gemeindefinanzen und machten den Weg frei. Im Sommer letzten Jahres ging die Gemeinde das Projekt an, im Oktober 2011 wurde Richtfest gefeiert, nun steht Evangelisch-Cronenberg vor der Vollendung des 1,3-Millionen-Euro-Vorhabens.

200.000 Euro teurer als veranschlagt

Verzögerungen bei der Genehmigung, aber auch „Überraschungen“, die Umbauarbeiten an einem über 150 Jahre alten Gemäuer mit sich bringen können, sorgten dafür, dass das Zentrum Emmaus in der Endabrechnung rund 200.000 Euro teurer als veranschlagt ausfallen wird. Das Gesicht von Finanzkirchmeister Winfried Straube ist dennoch nicht von Tränensäcken gezeichnet, sondern wirkt beim Gang durch die neuen Räumlichkeiten zufrieden. Sicher, jeder Euro tut weh („Wir wollen ja nicht ein schönes Haus haben, aber dafür kein Geld mehr für die Gemeinde!“), aber: Finanzchef Straube scheint trotz der Mehrkosten von dem neuen Zentrum angetan. Schwarzer Steinboden und Fensterrahmen kontrastieren mit dem Rot der Theke des künftigen Eine-Welt-Ladens und der Sandsteinmauer der Emmauskirche – es ist richtig schick geworden, im neuen Glas-Foyer.

Auch wenn das Geld (bislang) für nur eine Leuchte aus der Werkstatt des Lichtdesigners Dinnebier reichte, im Herzen des Zentrums ist der Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft vollauf gelungen: Strahlend-weiße Wände, Kirchenfenster und nicht zuletzt die Kanzel sorgen dafür, dass der würdige Charakter des Gotteshauses nicht verloren gegangen ist; moderne Beleuchtung, eine raffinierte Decken-Heizung, ein durch weiße Wand-Elemente abgetrennter, früherer Altarraum sowie eine Küche, Sanitärräume und Aufzug garantieren, dass die Kirche den Anforderungen an ein modernes Zentrum für verschiedenste Veranstaltungen gerecht werden wird.

„Café Emmaus“ eröffnet mit Gemeindezentrum

Hingucker und vielleicht – neben dem Glas-Foyer – das architektonische „Prunkstück“ ist ein Kubus, der in die frühere Empore gebaut wurde: Leuchtend-rot setzt er sich vom früheren Kirchenschiff ab – akustisch perfekt abgeschirmt, über die Kirchturm-Treppe gesondert erreichbar und mit eigener Küche ausgestattet, wird hier in Zukunft die Gemeindejugend ein richtiges Wohlfühl-Zuhause haben. Dazu gesellen sich moderne Räume für Sitzungen und Treffen der Gemeinde-Kreise im ersten Stock des Glas-Foyers sowie für das Gemeindeamt, Jugenddiakon Schmidt, Kirchenmusiker Ribbe und die Diakonie im alten Gemeindehaus – „wir freuen uns, dass wir mit der Eröffnung unseres Gemeindezentrums nun auch in der Ortsmitte Cronenbergs präsenter denn je sein werden“, blickt Winfried Straube auf den Eröffnungstag.

Am 30. Juni werden die Besucher auch erstmals im neuen „Café Emmaus“ Platz nehmen können – wenn alles fertig ist, wird man bei schönem Wetter auch vor dem Glas-Foyer und auf der Rückseite Kaffee und Kuchen genießen können. Neben dem Café und den verschiedensten Veranstaltungen rückt das Zentrum Emmaus durch eine weitere Einrichtung mitten ins Leben Cronenbergs: Ein Demenz-Café wird ab Anfang 2013 (zunächst) einmal in der Woche öffnen und pflegenden Angehörigen damit die Möglichkeit geben, etwas Zeit für sich zu haben.

Eröffnung ist für den 30. Juni 2012 geplant

Die Eröffnung des Zentrums Emmaus am 30. Juni 2012 beginnt um 11 Uhr mit einer Andacht, im Anschluss an einen Festakt lädt ein Gemeindefest dann bis 15 Uhr dazu ein, das 1,3-Millionen-Projekt zu besichtigen. Wer dazu am Eröffnungstag keine Gelegenheit hat, kann das Zentrum Emmaus anschließend eine ganze Festwoche lang besuchen: Angefangen mit einem Senioren-Tag am Sonntag, 1. Juli 2012, lädt das Gemeindezentrum bis zum 7. Juli an jedem Tag mit Lesungen, aber vor allem mit viel Musik zum „Reinschauen“ ein. Folgendes ist im Rahmen der Festwoche geplant:

2. Juli 2012, 19.30 Uhr: Abendmusik mit Gedichten und Lesungen (NCC, Bläserkreis)
3. Juli 2012, 16.00 Uhr: Musik zur Kaffeezeit (Regenbogenkinder)
4. Juli 2012, 20.00 Uhr: Abendgebet mit Liedern aus Taizé (NCC)
5. Juli 2012, 16.00 Uhr: Offenes Singen
6. Juli 2012, 19.30 Uhr: Konzert in der Reihe „Musik auf dem CronenBerg“
7. Juli 2012, 20.00 Uhr: Jazz-Konzert mit Rod Mason & his Hot Five

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Heinrich
    19.06.2012, 17:44 Uhr   |   Direktlink

    Wieder eine entwidmete Kirche mehr: Wirklich schade.

  2. Martin
    19.06.2012, 21:15 Uhr   |   Direktlink

    @Heinrich

    Klar, es ist keine Kirche mehr im eigentlichen Sinne. Aber so dient sie sicherlich mehr der Gemeinde als wenn man sie ganz abgeben müsste.
    Dass man sich 2003 endlich entschieden hat, die überkommene Trennung lutherisch/reformiert aufzugaben, finde ich richtig. Das war dem Normal-Protestanten doch nicht mehr zu vermitteln. Und dass man nun so eine Möglichkeit gefunden hat, in Zeiten knapper Kassen beide Gebäude für Gemeindezwecke zu erhalten, finde ich großartig.

  3. Markus
    20.06.2012, 10:54 Uhr   |   Direktlink

    Es bleibt schade, daß so Gotteshäuser zu fast reinen Unterhaltungsräumlichkeiten umfunktioniert werden. Darin steckt mehr als ein Grund doch sehr nachdenklich zu werden. Die „Zeiten knapper Kassen“ sind sicher ursächlich bei den vielen Kirchenaustritten zu suchen. Ob man die Menschen für GOTT zurückgewinnen kann indem man Kirchen zu „Eventtheatern“ umgestaltet? Sicher nicht.

  4. Michael Fromm
    20.06.2012, 13:03 Uhr   |   Direktlink

    Aber… es wird sicher eine schöne Begegnungsstätte mitten im Dorf… und die Glocken läuten wieder… wunderbar!

  5. Markus
    20.06.2012, 15:11 Uhr   |   Direktlink

    Wenn die Begegnungsstätte eine Kirche ist und das Glockengeläut zum Gottesdienst ruft und wir dabei nicht vergessen, daß GOTT der eigentliche Grund und das letzte Ziel unseres Lebens ist – wunderbar, in der Tat..
    Allerdings: Glockenläuten zum nächsten „Eventtheater“ – nein danke!

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