27.06.2012, 16.45 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Neues im TiC: Wenn Liebe durch die Tastatur geht…

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In zwei getrennten Welten, virtuell ein Liebespaar: Petra Koßmann und André Klem liefern im neuesten TiC-Stück "Gut gegen Nordwind" eine großartige Vorstellung ab. - Foto: Martin Mazur

„Wie Telefonsex. Nur ohne Sex. Und ohne Telefon“ – so lautet ein Satz aus den unzähligen E-Mails, die Emmi und Leo austauschen. Die beiden werden ein Liebespaar, ihr „Verkehr“ ist allerdings anders der von Liebenden sonst üblicherweise: Emmi und Leo „verkehren“ ausschließlich via E-Mail! Liebe virtuell – gibt’s das, geht das? Antworten geben Petra Koßmann und André Klem, die beiden großartigen Darsteller des neuen TiC-Sommerstückes „Gut gegen Nordwind“. Inszeniert von Ralf Budde feierte es am vergangenen Sonntag, 24. Juni 2012, an der Borner Straße Premiere: Starker Text, der auf der Bühne noch eine Dimension hinzu gewinnt – das TiC hat mit seinem neuesten Stück einen weiteren Theater-Coup gelandet.

Der Bestsellerstoff aus der Feder von Daniel Glattauer scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt „bühnengeeignet“: Emmi Rothner und Leo Leike, die durch einen Vertipper online über einander stolpern, agieren von Anfang bis Ende ausschließlich per E-Mail – von üblicher Theater-Aktion kann da keine Rede! Aber: Gerade da hilft die Bühne. Petra Koßmann und André Klem stehen nun einmal auf derselben Bühne, tauschen aber keinen Blick: So kennt man das nicht als Theaterzuschauer – und spürt gerade dadurch: Etwas ist anders.

Per Enter-Taste mit Gläschen Rotwein anstoßen

Sprachwissenschaftler Leo lebt allein und hat ein ungeklärtes Verhältnis zu seiner Ex Marlene; Emmi ist Webdesignerin, clever – und: verheiratet. Und zwar sogar „glücklich“, wie sie sagt. Das schöne Bühnenbild von Iljas Enkaschew ist denn auch zweigeteilt: Links, die „virtuelle Welt“ von Emmi, die es sich in ihrem Wohnzimmer bequem macht, das verspielt mit Blümchentapeten dekoriert ist; rechts hockt Leo in seiner sachlich-ordentlichen Küche am Laptop. Schritt für Schritt tasten sich die beiden aneinander heran, wobei: Das „Herantasten“ beschränkt sich auf die Tastatur. Selbst beim Höhepunkt des Stücks, als Leo und Emmi „gemeinsam“ein nächtliches Glas Rotwein genießen, stoßen sie per „Enter“-Taste an!

„Liebe 2.0“ – online ist nicht irreal!

Das ist verrückt, das ist intim und das ist real – auf der TiC-Bühne, auf der Klem und Koßmann im Halbdunkel buchstäblich aufeinander zugehen, wird das noch einmal ganz anders deutlich. Gerade hier im TiC-Studio, wo Tim Bendzko mit seinem aktuellen Hit aus dem Lautsprecher ständig klagt, dass er „die Worte nicht findet“ – und eben damit Bände spricht? Online ist wohl doch nicht unbedingt irreal… Aber dennoch, auch im TiC bestätigt sich: Eine gute Portion Skepsis gegenüber „E-Love“, Facebook & Co. bleibt. Obwohl: Zwar „postet“ Leo: „Unsere Unterhaltung betrachte ich als Marlene-Verarbeitungs-Therapie.“ Das klingt aber mehr nach virtuellem Macho-Gehabe wie sich spätestens dann zeigt, als Leo am Boden liegend den Flatscreen liebkost. Insofern gilt auch für die „Liebe 2.0“ im TiC: Ob Träumen, Necken oder Eifersucht – in „Gut gegen Nordwind“ es geht zu wie im „wahren Leben“!

Karten für das TiC-Sommerstück 2012 gibt es unter der Telefonnummer 0202-47 22 11 oder aber auch direkt im Internet unter der Adresse www.tic-theater.de.

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