20.08.2012, 09.48 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Ralf Keller: Ohne Arbeit, aber mit viel Engagement

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"Alles, was Spaß macht, hält jung", diesen Satz von Schauspieler Curd Jürgens macht sich Ralf Keller bei seinem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement zu eigen. Ehrenamts-Koordinatorin Angelika Leipnitz wünscht sich, dass noch mehr Menschen im Tal ihren "Spaß" am bürgerschaftlichen Engagement finden - auch junge Wuppertaler!

Seit sechs Jahren gibt es die Servicestelle „Ehrenamt“ der Stadt Wuppertal. Über 1.000 Bürger, die meisten davon vor dem oder bereits im Ruhestand, haben seit dem bei Angelika Leipnitz im Rathaus Barmen angeklopft und sich beraten lassen, wie sie sich ehrenamtlich in der Stadt einbringen können. Einer davon ist Ralf Keller: Mit seinen 59 Jahren ist der Cronenberger zwar ein „reiferer“ Jung-Ehrenamtler, er zählt allerdings bereits seit zehn Jahren „zum alten Eisen“. 35 Jahre lang war der damalige Vetriebsleiter bei einem großen Cronenberger Werkzeug-Hersteller tätig, 2002 wurde seine Stelle „wegrationalisiert“: „Und dann steht man erst einmal da!“ Selbstverständlich bewarb sich der damals 49-Jährige auf freie Stellen, gefunden hat er jedoch bis heute nichts – sein Alter und die Überqualifizierung machten aus Ralf Keller einen schwer vermittelbaren Arbeitssuchenden, heute mehr denn je!

„Für mich war das eine Win-Win-Situation“

In ein Loch gefallen ist Ralf Keller dennoch nicht („Dafür hatte ich gar keine Zeit!“), denn der Cronenberger machte aus der Not eine Tugend. Und zwar mit Unterstützung von Angelika Leipnitz: Gemeinsam mit ebenso älteren Arbeitssuchenden rief Ralf Keller den Verein „Projekt 50 Wuppertal e.V.“ ins Leben. Ein Beweggrund dafür, sich für andere ehrenamtlich zu engagieren, war zunächst auch, sich selbst Arbeitsstrukturen und soziale Kontakte zu erhalten, und schließlich macht sich ein Ehrenamt ja auch gut im Lebenslauf. Ralf Keller dazu: „Für mich war das eine Win-Win-Situation“.

Der Untertitel des „Projekts 50“ („Verein zur Förderung brachliegender Fähigkeiten“) ist dabei Programm: „Projekt 50“ will keine Arbeitsvermittlung betreiben, vielmehr sollen Arbeitssuchende „50 plusd“ wieder „fit“ für den Arbeitsmarkt gemacht werden: „Wir wollen sie aus ihrem Tal herausholen, ihrem Alltag wieder Struktur geben und ihnen Perspektiven aufzeigen, damit sie wieder ein Selbst-Bewusstsein entwickeln und sich trauen, sich zu bewerben“, beschreibt Ralf Keller das Ziel des Vereins. Um dieses Ziel zu erreichen, bietet „Projekt 50“ nicht nur „kollegiale Beratung“, wie Ralf Keller es nennt; der Verein führt auch eigene Projekte durch. Beispiele dafür sind die Teilnahmen an „Wuppertal 24 Stunden live“ oder dem Ölbergfest mit der inzwischen vereinseigenen Wein-/Sekt-Bar, aber vor allem die Begründung des Sozialen Weihnachtsmarktes. 30 Mitglieder zählte „Projekt 50“ zeitweise, dass es zurzeit nur 18 Projektler sind, stimmt Ralf Keller keineswegs traurig: „Permanente Hauptaufgabe ist ja schließlich die Selbstauflösung“, sagt der  Cronenberger: „Es gibt immer mal jemanden, der wieder Arbeit findet.“

Ralf Keller: Nebenher auch noch Ausbildungspate und „EFI“-Pionier

Ralf Keller hat diese Hoffnung eigentlich aufgegeben, nur zwei Angebote hat er in den letzten sieben Jahren erhalten, obwohl er sich auch unter seiner Qualifikation bewarb. Und, so lacht der 59-Jährige, eigentlich hat er auch überhaupt keine Zeit mehr für „normale“ Arbeit: Schließlich engagiert sich Ralf Keller zudem im Wuppertaler „Patenprojekt Ausbildung“. Hier begleitet Keller als einer von derzeit 40 „Paten“ junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden, und bietet dazu unter anderem „Sprechstunden“ in der neuen Volkshochschule am Hahnerberg an: „Mich um die jungen Menschen zu kümmern, das ist für mich eine ganz wichtige Aufgabe geworden“, sagt Ralf Keller zu diesem „Nebenjob“. Aber damit immer noch nicht genug: „Neben her“ zählt der engagierte Cronenberger zur ersten Generation von „EFIs“ in Wuppertal.

Das Kürzel meint „Erfahrungswissen für Initiativen“; Ralf Keller ist einer der ersten, der sich zum „SeniorenTrainer“ ausbilden ließ, um mit seinen Erfahrungen im Berufsleben beziehungsweise im Ehrenamt Initiativen, Netzwerken oder Projekten zur Seite zu stehen. Wuppertaler Beispiele für Projekte, die mit EFI-Hilfe zustande kamen, sind das Bürgerfrühstück, die Nachbarschaftshilfe Uellendahl oder auch ein Projekt zur Integration Behinderter auf dem ersten Arbeitsmarkt: „Ich mit anderen für andere“, benennt Ralf Keller das EFI-Leitmotiv: „Für uns ist es wichtig, Menschen zu gewinnen, die unsere Mitmenschen bereichern wollen – das macht Spaß und man lernt täglich neu dazu!“ Apropos „neu“: Im Januar 2013 wird in einem Barmer Ladenlokal die Wuppertal Freiwilligenagentur eröffnen, die alle Initiativen wie das „Projekt 50“, das Patenprojekt Ausbildung oder auch „Meine Stunde für Wuppertal“ und die städtische Servicestelle Ehrenamt unter einem Dach vertreten wird – klar, dass sich Ralf Keller auch hier engagiert!

„Soziales Engagement macht mir Spaß!“

Drei bis zehn Stunden, weiß Koordinatorin Angelika Leipnitz, engagieren sich Wuppertaler Ehrenamtler durchschnittlich in der Woche, „aber es gibt auch Menschen wie Ralf Keller, die das fast in Vollzeit machen“. Auch wenn seine Frau manchmal meine, dass er „bekloppt“ sei, „mir geht’s damit sehr gut“, schmunzelt der „arbeitssame Arbeitslose“: „Soziales Engagement macht mir Spaß!“ Übrigens: Wer sich ebenso ehrenamtlich für das Gemeinwesen in Wuppertal einbringen möchte, kann mit Angelika Leipnitz unter Telefon 0202-563-65 01 Kontakt aufnehmen. Mehr Infos auch online unter der Adresse www.wuppertal.de/ehrenamt. Ralf Keller  ist unter Telefon 0202-47 68 88 oder online unter www.projekt50.de zu erreichen.

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