19.02.2013, 20.09 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Tatenlose Ämter: Skandalöses Katzen-Leid im Unterdahl

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Grausiges Bild: Wurde diese Katze im Unterdahl von hungernden Artgenossen gefressen? Tierärztin Dr. Ingrid Aretz hält das angesichts der Not der Tiere für möglich.

Als erfahrene Tierärztin, so darf unterstellt werden, ist Dr. Ingrid Aretz einiges an Tier-Leid gewohnt. In diesem Fall verschlägt es aber selbst der Cronenberger Veterinärmedizinerin die Sprache: Buchstäblich vor der eigenen Haustür im beschaulichen Unterdahl vegetieren etwa 25 Katzen vor sich hin. Eine Familie versorgte die wild lebenden Tiere nach Worten von Ingrid Aretz bislang; nach dem Tod seiner Frau habe der Ehemann die Fütterung in diesem Winter jedoch offensichtlich eingestellt, berichtet die Dörper Tierärztin – die Folge: Die Katzen befinden sich in einem bedauernswerten Zustand, eines der Tiere wurde bereits skelettiert aufgefunden – womöglich von hungernden Artgenossen aufgefressen, vermutet Ingrid Aretz.

Grausame Zustände, die nicht nur Tierliebhabern ans Herz gehen; Zustände aber, auf welche Ingrid Aretz die (vermeintlich) zuständigen Ämter bereits seit Jahren hinweist: Bereits im Jahre 2010 wurde das Veterinäramt über schon damals unzumutbare Bedingungen durch die bis zu 40 halbwilden Katzen informiert. Obwohl in der Nachbarschaft zunehmend Ärger auch über die hygienischen Missstände aufkeimte, obwohl Ingrid Aretz bei einem Teil der sich ungehemmt vermehrenden Tiere „Katzen-Aids“ diagnostizierte, schoben sich Ordnungsamt und Veterinäramt gegenseitig die Verantwortung zu, um schließlich garnichts zu tun.

Veterinäramt: „Keine Gefahr für Sicherheit und Ordnung“

Zwar nahm man Kontakt zu der fütternden Familie auf; handeln könne man jedoch nicht, teilte das Bergische Veterinäramt dem Tierschutzverein im Juli 2011 in einem Schreiben mit, das der CW vorliegt. Begründung: Die Verantwortlichkeit der Unterdahler Familie sei vor Gericht nur schwer klärbar, es bestehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und daher auch keine Rechtsgrundlage für ein Eingreifen der Ordnungsbehörde. Aber: Der Tierschutzverein könne die Katzen ja einfangen und kastrieren lassen – „das würde von meiner Dienststelle nicht zu beanstanden sein“, heißt es in dem Brief des Amtes weiter.

„Ich habe mir die Zähne ausgebissen“, blickt Ingrid Aretz auf das vergebliche Hin-und-Her mit den Behörden zurück, mangels Unterstützung griff die Tierärztin zur Eigeninitiative: Gemeinsam mit Nachbarn und Mitarbeitern fing sie 24 der Katzen mit Lebendfallen ein, kastrierte und versorgte die Tiere und setzte sie anschließend wieder aus – bei den Kosten in Höhe von etwa 2.000 Euro wurde sie durch Spenden unterstützt. „Danach hatten wir etwa zwei Jahre einigermaßen Ruhe“, berichtet Ingrid Aretz gegenüber der CW; vor Rosenmontag allerdings wurden Anwohner und sie auf den jämmerlichen Zustand der Katzen aufmerksam, zudem wurde das skelettierte Tier aufgefunden. Wie schon 2010/11 schaltete die Dörper Tierärztin erneut die Ämter ein; wie schon seinerzeit hieß es auch diesmal unisono: „Nicht zuständig!“

„Man kann die Tiere doch nicht vor Kompetenz-Gerangel sterben lassen…“

„Da bin ich auch einmal etwas lauter geworden“, berichtet Ingrid Aretz von dem neuerlichen Kampf gegen die „Ämter-Windmühlen“: „Man kann die Tiere doch vor lauter Kompetenz-Gerangel nicht sterben lassen!“ Wieder griff Aretz zur Selbsthilfe: Unterstützt von Anwohnern wie Ingrid Frechenhäuser-Mainz füttert sie die Tiere seit Karneval. Da das allerdings kein Dauerzustand sein kann, ist die nächste Hilfsaktion bereits in Vorbereitung: Erneut wollen Ingrid Aretz, Ingrid Frechenhäuser-Mainz und Mitstreiter die Katzen einfangen – einige müssten wohl eingeschläfert werden, weil sie schon zu sehr geschunden sind, glaubt Ingrid Aretz, etwa 15 Tiere seien aber wohl zu retten. Für diese Katzen sucht Ingrid Aretz nun Unterstützer: Ob Futter-Spender oder Personen, die eine Katze „aufnehmen“, sprich versorgen würden – jede Mithilfe bei der Rettung der leidenden Tiere vom Unterdahl ist willkommen. Wer helfen möchte, kann sich gerne per Telefon 0202-478 11 00 oder E-Mail info @cronenberger-woche.de mit der CW in Verbindung setzen – wir leiten die Hilfsangebote gerne weiter!

Nun doch? Veterinäramt sondiert und prüft Vor-Ort-Termin

Zum Schluss: Nachdem sich neben der CW nun auch der WDR einschaltete, kommen neue Signale vom Bergischen Veterinäramt: In ein bis zwei Tagen werde man alle Hinweise zu dem Fall sondiert haben und eine Vor-Ort-Besichtigung durchführen, ließ Amtsleiter Michael Kuhrt gegenüber der CW wissen: Sollte der Halter der Katzen nachweislich seine Pflichten vernachlässigt haben, würde dieser aufgefordert Maßnahmen zu ergreifen. Andernfalls würden ihm die Tiere weggenommen werden können. Zeichnet sich zumindest für einige der Tiere doch noch eine Lösung ab?

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. vom Schemm
    21.02.2013, 12:23 Uhr   |   Direktlink

    Es sollte doch wohl möglich sein, dass sich die Anwohner zusammenschließen, und man im Wechsel täglich die Katzen einmal füttert.

  2. Nadine
    21.02.2013, 17:22 Uhr   |   Direktlink

    Von unserem Veterinäramt habe ich nichts anderes erwartet! Ich habe vor einem Jahr dort angerufen, weil ich ein Pferd melden wollte, welches sich in einem schlimmen Zustand befindet. Sehr gelangweilt sagte man mir, ich solle einen ausführlichen Bericht schreiben und dann würde man mal schauen….bis heute ist nichts passiert….

  3. Carmen
    26.02.2013, 16:38 Uhr   |   Direktlink

    Die Veterinärämter kümmern sich nur um Massentierhaltung, das da genug zu holen ist, ansonsten haben sie mit Tieren nichts zu tun. Ob das in Bergisch-Gladbach, Köln oder anderswo ist… Da scheinen Tierärzte (die den Namen nicht verdient haben) sich ein schönes Leben auf Steuerzahlerkosten zu machen… die Tiere sind ihnen allerdings herzlich egal… nix Neues für Tierschützer :o((( Hoffentlich machen Sie denen bald mal die Ämter dicht und es kümmern sich Leute drum, denen Tiere NICHT sch…egal sind.

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