02.08.2013, 09.55 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Rigi-Kulm: Gastronomie-Institution schließt im Spätsommer

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Mit einem tränenden Auge: Ulrike Gietenbruch und ihr Sohn Jens Gietenbruch schließen Ende September ihr beliebtes Haus am Jung-Stilling-Weg.

Das Café-Restaurant „Rigi Kulm“ ist seit Generationen ein Begriff für gute (Wuppertaler) Gastlichkeit: Das Traditionshaus, welches sich seit 1910 im Besitz der Familie Gietenbruch befindet, war in den vergangenen über 100 Jahren beliebtes Ziel für Generationen von Ausflügern, die es aus allen Himmelsrichtungen auf die grüne Südhöhe zog. Ob zum stärkenden Start eines Spaziergangs über den Jung-Stilling-Weg, die Zeppelinalle und/oder durchs Burgholz oder zum erholsamen Ausklang, ob zur Familien- oder Weihnachtsfeier und Vereinsversammlung – das „Rigi“ mit seiner gutbürgerlichen Küche, Kaffee und Kuchen, dem großen Biergarten im Schatten des Küllenhahner Fernmeldeturms und den verschiedenen Versammlungsräumen war und ist eine stadtweit bekannte gastronomische Adresse. Für künftige Südhöhen-Touren werden sich Ausflügler ab Spätsommer ein neues (gastronomisches) Ziel suchen müssen: Am 29. September 2013 wird der letzte Öffnungstag des Cafe-Restaurants „Rigi-Kulm“ sein – Ulrike Gietenbruch und ihr Sohn Jens geben das Traditionshaus auf.

Gründer-Tochter brachte den Namen aus der Schweiz mit

Begründet wurde die Familientradition durch Wilhelm Gietenbruch, zu ihrem bekannten Namen kam die Gaststätte durch Tochter Helene: Von einem Aufenthalt in der Schweiz brachte sie nicht nur Gastronomie-Kenntnisse, sondern auch den Namen „Rigi-Kulm“ mit zurück. Rigi Kulm ist die Spitze des Rigi-Bergmassivs am Vierwaldstädter See, von dem man einen herrlichen Blick ins Umland hat – das passte auch zum väterlichen Haus auf einem der höchsten Punkte des heutigen Wuppertal, von dem man einen Top-Blick auf Elberfeld hat, zumindest bis zum Bau der Siedlung Carl-Schurz-Straße. 1943 wurde das beliebte Ausflugslokal durch Bomben in Schutt und Asche gelegt, das „Rigi Kulm“ lief aber als Provisorium weiter – „eher schlecht als recht“, wie die Chronik des Familienbetriebs berichtet. Mit dem Wirtschaftswunder bekamen die Wuppertaler wieder das Geld für Ausflüge und auch die Einkehr ins „Rigi“ ins Portemonnaie, und damit erlebte auch der Familenbetrieb seinen Aufschwung: 1965 konnte das frisch renovierte, neue Rigi-Kulm eingeweiht werden.

Kulinarisches Ziel, Ort für Familienfeiern und Heimat vieler Vereine

In der Folge wurde das Café-Restaurant wieder zu der gastronomischen Institution, die es schon vor dem Zweiten Weltkrieg war – kein Wunder, das auch der benachbarte Fernsehturm im Volksmund nur „Rigi“ genannt wird und der Resturant-Name „Rigi Kulm“ sogar eine beim Patentamt eingetragene Marke ist. 1978 übernahmen Karl-Heinz („Charly“) und Ehefrau Ulrike Gietenbruch das Haus in dritter Familiengeneration. Bis in die Gegenwart ist das Café-Restaurant mit seinen hausgemachten Kuchen oder den wechselnden saisonalen Gerichten eine gefragte kulinarische Adresse und mit seinen diversen Räumlichkeiten die Heimat diverser Vereine, das Jahr 2010 markiert indes einen (traurigen) Bruch in der Geschichte des Familienbetriebs: Mit „Charly“ Gietenbruch starb der beliebte Rigi-Wirt, seitdem führen Witwe Ulrike und Sohn Jens Gietenbruch die Geschicke des Hauses.

Vergeblich Nachfolger gesucht: „Keiner wollte das machen!“

Nach 48 Jahren hinter und vor dem großen Tresen des geräumigen Restaurant-Saales mit seinen vielen historischen Ansichten vom alten „Sommerlokal“, von Cronenberg und Wuppertal oder auch dem Wandbild von Künstler Klaus J. Burandt ist es für Ulrike Gietenbruch nun aber genug, mit 66 Jahren will sie in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Schon Ehemann Karl-Heinz habe ihr noch im Krankenhaus gesagt, dass sie den Familienbetrieb aufgeben und mehr an sich denken solle: „Eigentlich freue ich mich – irgendwann ist immer mal ein Ende“, sagt Ulrike Gietenbruch, die Tränchen in ihren Augen verraten indes, dass ihr die Entscheidung und der Abschied von den Gästen und Vereinen nicht leicht fällt. Zumal das bevorstehende Ende der Familientradition auch das Ende für das Traditionshaus bedeuten wird: „Wir haben über mehrere Jahre versucht einen Nachfolger zu finden“, berichten Ulrike und Jens Gietenbruch – vergeblich: „Wir hätten alles gemacht und unseren Nachfolger auch eingearbeitet, aber keiner wollte das machen!“

Konsequenz: Das Gebäude des Café-Restaurants wird abgerissen, auf dem Grundstück am Jung-Stilling-Weg werden Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen entstehen. An einem werden sich die künftigen Bewohner dabei jedoch sicherlich ebenso erfreuen wie über 100 Jahre lang die „Rigi“-Gäste – an der Top-Aussicht, die dem Ausflugslokal einst seinen Namen gab…

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