10.10.2013, 12.30 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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25 Jahre Spell88: „Das ist ein Geschenk – Mensch, danke!“

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"Mister Spell88": Kantor Martin Ribbe freut sich auf ein Wiedersehen mit vielen Mitstreitern aus den vergangenen 25 Jahren des Cronenberger Jugendchores.

Um die 120 Menschen werden sich am kommenden Samstag, 12. Oktober 2013, im Zentrum Emmaus treffen. Sie kommen aus Hamburg, aus Kanada, aus Italien und der ganzen Republik herbei nach Cronenberg, denn hier haben alle eine Wurzel: der Jugendchor Spell88 der Evangelischen Gemeinde Cronenberg. Vor 25 Jahren rief Kantor Martin Ribbe das Ensemble ins Leben, als „Mister Spell“ nun anlässlich des Jubiläums alle bisherigen Spell-Mitglieder zum Wiedersehen rief, sagten aktuelle und frühere „Speller“ aus allen Himmelsrichtungen zu. Ihre Freude daran werden auch alle Musik-Liebhaber haben: Um 19.30 Uhr versammeln sich die Jubiläumsgäste, um unter der Leitung von Martin Ribbe in der Reformierten Kirche ein großes Jubiläumskonzert zu geben.

„Das ist ein Geschenk“, sagt Martin Ribbe und meint damit nicht nur, dass sich so viele aus der Spell-Familie zum 25-Jährigen in Cronenberg treffen. Als Geschenk empfindet der Kantor der Dörper Gemeinde ganz viel im Zusammenhang mit dem Jugendchor: Dass sich im vergangenen Vierteljahrhundert immer wieder neue junge Menschen fanden, um bei Spell auf der Bühne oder hinter den Kulissen (ohne Gagen) mitzumachen; dass die Gemeinde ihn und seine kirchenmusikalische Arbeit bis heute stets voll unterstützt („Das Vertrauen ist einmalig im Kirchenkreis“) oder dass sich in Zeiten der knappen Gemeindefinanzen ein Förderverein ((FKJC) gründete, um auch die Kirchenmusik zu erhalten – „Mensch, danke!“, sagt Martin Ribbe da ganz schlicht allen, die mit ihm in den vergangenen 25 Jahren Teil von Spell88 waren – so oder so…

Spell88: Eine Klavier-Spende gab den Anstoß

Ein Geschenk stand indes auch am Anfang von Spell: Nachdem er 1985 seine Stelle als Kantor angetreten hatte, rief Martin Ribbe zum bestehenden Kirchenchor zunächst den Kinderchor „Regenbogenkinder“ ins Leben. Dann stiftete die Firma Stahlwille der Gemeinde ein Klavier („Das habe ich immer noch“) – der Anstoß zur Gründung einer Band, um auch moderne Kirchenlieder singen und spielen zu können („Das will ja stilgerecht begleitet werden!“). Auf einen Aufruf hin meldeten sich Claudia und Thomas Orth, Andre Brust sowie Susanne Walter („Das war der harte Kern“), zwei Lautsprecher wurden angeschafft und „die Mutter“ aller Spell-Bands stand. Ein Schlagzeuger hatte sich zwar nicht gefunden, aber ein E-Schlagzeug tat es zunächst ja auch.

Im damals neuen Familiengottesdienst des neuen Pastors Ulrich Weidner erlebte die neue Band ihre „Feuertaufe“ – „und es war toll, alle haben sich gefreut“, erinnert sich Martin Ribbe an die Spell-Wurzeln 1985/86 zurück. Dann kam eins zum anderen, sprich ein Mischpult, weitere Musiker, Scheinwerfer oder auch Techniker hinzu; beim Kirchentag 1987 in Frankfurt am Main wagte „Raduga“ (russisch: „Regenbogen“), wie die Gruppe damals noch hieß, ihren ersten großen Auftritt: „Das hat Spaß gemacht“, blickt Martin Ribbe zurück – „jetzt machen wir was Größeres“, lautete danach die Devise. Was, das hatte der Kantor bereits im Kopf: 1983 hatte er als Student auf dem Kirchentag in Hannover eine Aufführung des Musicals „Godspell“ gesehen: „Ich seh‘ mich noch da stehen“, erinnert sich Martin Ribbe: „Das willst du auch einmal machen!“

Und noch’n Aufruf: Das erste Musical „Godspell“

1988 rief Ribbe einmal mehr auf und einmal mehr kamen sie, etwa 20 junge Menschen. Karin Sträter, damaliges Mitglied im Tanzensemble der Wuppertaler Bühnen, übernahm die Choreografie, Knut Jötten und Achim Berger fanden sich für die Technik und – endlich – gesellte sich auch ein „echter“ Schlagzeuger hinzu – „dann ging alles seinen Weg“. Anfang Juni 1989 brachte Spell88, wie sich der Jugendchor in Anlehnung an sein erstes Musical und den Beginn der Arbeit dazu zwischenzeitlich nennt, seinen „Erstling“ auf die Bühne. Das „gesegnete Martin-Luther-Haus“, wie Martin Ribbe das mittlerweile verkaufte Gemeindehaus nennt („Mit Bühne – das waren die schönsten Zeiten“), erlebte zwei ausverkaufte Premieren, die Besucher feierten „Godspell“ – „wir mussten Zugaben noch und noch spielen“.

Im Anschluss ging’s erstmals auf Tournee, so auch zum Kirchentag nach West-Berlin. Kurz vor dem Mauerfall führten Martin Ribbe und Spell88 ihr Musical in der „tiefsten Provinz“ der geteilten Stadt, einer Kirchengemeinde am Tegeler See, auf: „Ich dachte zunächst, wohin sind wir denn hier verfrachtet worden“, weiß der Spell88-Leiter noch. Dieser Eindruck trog: So viele Zuhörer strömten herbei, dass Ribbe & Co. „Godspell“ gleich zweimal hintereinander aufführen mussten – keine Frage: „Es geht weiter!“, lautete nach dem erfolgreichen Abschluss des Godspell-Projekts die Devise.

25 Jahre Spell88: Elf Musicals, Gospels, Jazz, Kinder & Karrieren

Und es ging weiter: Insgesamt elf Musicals brachten Martin Ribbe und Spell88 in den vergangenen 25 Jahren auf die Bühne, zuletzt am 17. November 2012 „Sister Soul“. Etwa 340 Jugendliche haben in dieser Zeit bei Spell88 mitgemacht und sind wieder gegangen, um etwas ganz anderes zu machen oder nach dem Sprungbrett Spell88 weiter künstlerisch tätig zu sein, wie Mark Wagenbach, der heute wissenschaftlicher Leiter der Pina-Bausch-Foundation ist, oder wie Benedict Schäffer, Tabea Fresemann oder Lara Sienczak, die zum TiC-Theater wechselten. In 25 Jahren Spell88 wurden Freundschaften gestiftet, es bahnten sich Ehen an, Kinder wurden geboren – Martin Ribbes eigene drei Kinder sind nicht die einzigen Spell88-Kinder, die heute bei dem Jugendchor „mitmischen“. Und die Spell-Familie hat in den vergangenen 25 Jahren auch Mitglieder für immer verloren – so Martin Ribbes Ehefrau („Sie hat immer alles mitgetragen“), die den Spell-Bass spielte und 2001 nach schwerer Krankheit starb.

Stefan Göllner (Layout) und Frank Klingenhöfer, der seit etwa zehn Jahren für Technik und Organisation verantwortlich zeichnet („Gefühlt ist er seit Anfang an dabei!“), sind Urgesteine von Spell88, die große Konstante ist Martin Ribbe. Und er möchte es bleiben: Für die jüngste Produktion „Sister Soul“ ist zwar erst Halbzeit, der Herzblut-Kirchenmusiker hat ein nächstes Herzblut-Projekt aber schon im Kopf: „Whistle down the wind“ von Andrew Lloyd Webber – „das auf jeden Fall“, benennt Martin Ribbe als ein Spell-Projekt der Zukunft. Wobei: Spell88 ist ja nicht gleich Musical-Gruppe, betont der Kantor; Taizé-Abende, Christmas-Jazz oder auch Gospels gehen ebenso auf das Repertoire-Konto des Jugendchores. Und auch hierzu hat Martin Ribbe sicher auch noch einiges im Kopf, so wie man ihn kennt…

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