10.10.2013, 16.35 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Wuppertaler-Verleihung: Ehrenamts-Preis für Ralf Keller

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Ralf Keller nach der Auszeichnung als einer von vier Wuppertalern 2013 mit OB Peter Jung im Barmer Ratssaal. Foto: Odette Karbach

In der vergangenen Woche war der Wuppertaler Ratssaal nicht nur Schauplatz von Debatten, sondern auch von Ehrungen: Am Tag der deutschen Einheit, dem 3. Oktober 2013,  lud die Stadt in ihr Parlament ein, um verdiente Wuppertaler mit der alljährlichen Vergabe des Ehrenamtspreises auszuzeichnen. Nachdem im vergangenen Jahr zwei Ärztinnen aus der Südstadt den „Wuppertaler“ erhielten (die CW berichtete), war unter den vier Preisträgern diesmal auch ein Cronenberger: Ralf Keller wurde für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement geehrt.

OB Peter Jung unterstrich in seiner Rede, dass die Stadt mit dem 1999 erstmals verliehenen Preis nicht nur Danke sagen wolle. Man wolle auch die Aspekte des Ehrenamts verdeutlichen, denn: „Es gibt soviel Ehrenamt, das sich im Stillen vollzieht und von der Öffentlichkeit nicht direkt wahrgenommen wird“, erklärte das Wuppertaler Stadt-Oberhaupt und  bezog dabei die Familienangehörigen ausdrücklich mit ein – hinter jedem Ehrenamtler stehe schließlich eine Familie, die entbehrt und unterstützt, so OB Jung weiter.

Durch Arbeitslosigkeit zum Vorzeige-Ehrenamtler geworden

Mit Ralf Keller wurde im weiteren Verlauf der Feierstunde ein Mann geehrt, der nicht ganz freiwillig zu seinem ehrenamtlichen Engagement kam: Wie die CW bereits im vergangenen Jahr berichtete, wurde Ralf Keller durch sein berufliches „Schicksal“ zum Vorzeige-Ehrenamtler. Mit 49 Jahren wurde der damalige Vertriebsleiter einer großen Cronenberger Werkzeugfirma 2002 arbeitslos. 35 Jahre lang hatte Ralf Keller bis zu diesem Zeitpunkt für seine Firma gearbeitet; nachdem seine Stelle wegrationalisiert worden war, belohnte auch der Arbeitsmarkt diese Treue nicht: Mit damals 49 Jahren zu alt und überqualifiziert erhielt Ralf Keller auf alle seine Bewerbungen nur Absagen und landete in der Langzeitarbeitslosigkeit.

Sicherlich kein überaus außergewöhnliches Schicksal; während sich bei manchem Betroffenen zum beruflichen Aus auch persönliche Probleme, mitunter sogar Krankheit gesellen, startete Ralf Keller nun durch – und zwar als Ehrenamtler: Mit Unterstützung der Ehrenamtsagentur der Stadt rief Ralf Keller das “Projekt 50 Wuppertal e.V.” ins Leben. Mit dem „Verein zur Förderung brachliegender Fähigkeiten“, so der Untertitel, betrieb der Cronenberger zunächst auch ein Stück Hilfe zur Selbsthilfe: Auch sich selbst wollte Ralf Keller durch sein Engagement Arbeitsstrukturen und soziale Kontakte erhalten. “Für mich war das eine Win-Win-Situation”, beschrieb der mittlerweile 60-Jährige im vergangenen Jahr im CW-Artikel über ihn seine Motivation.

Ralf Keller: Ein Full-Time-Ehrenamtler

Einen neuen (bezahlten) Job hat Ralf Keller zwar bis heute nicht gefunden, brach liegen seine Fähigkeiten allerdings deshalb in keinster Weise: Neben dem “Projekt 50″ und zum beispiel der Initiierung des „Sozialen Weihnachtsmarktes“ in Wuppertal engagiert sich Keller zudem im Wuppertaler “Patenprojekt Ausbildung”. Dabei begleitet der Cronenberger junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden. Überdies zählt der engagierte Cronenberger zur ersten Generation von “EFIs” in Wuppertal; als „Senioren-Trainer“ gibt er dabei “Erfahrungswissen für Initiativen” (EFI) weiter. Nicht zuletzt arbeitet Ralf Keller auch im „Zentrum für gute Taten“ an der Höhne mit, in der die Wuppertal Freiwilligenagentur mit Initiativen wie dem “Projekt 50″, dem Patenprojekt Ausbildung oder auch “Meine Stunde für Wuppertal” und die städtische Servicestelle Ehrenamt zu Hause sind. Keller ist 1. Vorsitzender des Vereins „Zentrum für gute Taten Wuppertal.“

Auch wenn er beruflich nicht wieder Fuß fassen konnte, seine Berufung hat Ralf  Keller gefunden: “Soziales Engagement macht mir Spaß!”, bekannte der „ausgezeichnete“ Wuppertaler im vergangenen Jahr gegenüber der CW – und mal ehrlich: Für einen „normalen“ Beruf hätte Keller neben seinem Ehrenamt wohl auch keine Zeit… Wer sich ehrenamtlich in Wuppertal engagieren möchte, das „Zentrum für gute Taten“ an der Höhne 43 ist unter Telefon 0202-946 20445 sowie online unter www.zentrumfuergutetaten.de erreichbar.

 

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