01.02.2014, 19.18 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Straße zum Kinderhospiz: Kein Cent von Stadt und Land

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Eine einzige Schlaglochpiste: Über diese "Straße" zum künftigen Kinderhospiz werden keine Krankentransporte mit schwer kranken Kindern fahren können. Ähnlich sieht die Fahrbahn übrigens auch in der (städtischen) Straße "An der Kaisereiche" aus, die in den Forstwirtschaftsweg zum Hospiz mündet.

Für CW-Leser ist das keine Neuigkeit: Die Solidarität mit dem Projekt Kinderhospiz Burgholz ist riesig! Wie die CW zuletzt Mitte Januar in ihrem Bericht zur Neujahrsaktion in den City-Arkaden vermeldete, liegt der Spendenstand für das Vorhaben an der Kaisereiche auf Küllenhahn aktuell bei stolzen 5,8 Millionen Euro.

Ihren Anteil haben dazu auch die Menschen in unserem Erscheinungsgebiet beigetragen: Es wird bei Geburtstagen gesammelt, Marmelade eingekocht, bei Beerdigungen wird darum gebeten, zugunsten des Kinderhospizes auf Blumengaben zu verzichten, der Cronenberger Männerchor veranstaltete bislang zwei Bergische Chornächte für die Kinderhospiz-Stiftung Bergisches Land, zweimal wurde auch im Rahmen von „Cronenberg hilft!“ gesammelt, es gab eine Sponsoren-Wanderung der Dörper Bürgervereine dafür, aktuell wurden Cronenberger Kiwis gegen eine Hospiz-Spende abgegeben und, und, und…

Dem Ideenreichtum der Unterstützung aus der Bevölkerung sind also kaum Grenzen gesetzt, aber was machen eigentlich Stadt, Land oder auch Bund für das Kinderhospiz? Offensichtlich nicht viel, die Solidarität der öffentlichen Hand für eine Einrichtung, die ab Spätherbst 2014 unheilbar schwerst erkrankte Kinder aufnehmen wird, beschränkt sich auf lobende Worte und eine – so heißt es allenthalben – wohlwollende Behandlung des Projekts durch die zuständigen Behörden nach dem Motto: „Wir machen den Weg frei!“

Grundstück, Umbau, Einrichtung und auch noch 300.000 Euro für die Straße!

Apropos, den Weg frei machen: Die Hospiz-Stiftung musste nicht nur das ehemalige Kinderheim-Grundstück kaufen, welches die Stadt kaum anders hätte nutzen können, sondern vielmehr sogar für viel Geld hätte zurückbauen müssen; auch muss die Stiftung nicht nur die Baukosten in Höhe von fünf Millionen Euro komplett selbst aufbringen; wie die CW jetzt erfuhr, müssen die Hospiz-Bauer sogar im wahrsten Sinne selbst den Weg zu der künftigen Einrichtung frei machen: 300.000 Euro soll die Stiftung für die notwendige Sanierung der maroden Straße zum Kinderhospiz zahlen.

Im Hinblick auf Wuppertal als Standort des erklärten bergischen Leuchtturmprojekts leuchtet diese „sparsame“ (Finanz-)Unterstützung vielleicht ein: Einer klammen Stadt, die gerade händeringend auf die Haushaltsbewilligung wartet, kann man schließlich nicht ins Portemonnaie greifen. Vor dem Hintergrund aber, dass der Rat erst vor wenigen Wochen einen Nachschlag von satten 35 Millionen Euro für den Umbau Döppersberg bewilligte, hat es zumindest ein „Geschmäckle“, dass noch nicht einmal ein Euro für das vergleichsweise „Peanuts“-Projekt „Kinderhospiz-Straße“ im Stadt-Haushalt „drin“ sein soll.

Stadt-Kämmerer Slawig: „Mehr Unterstützung geht nicht!“

Das betont jedenfalls Stadt-Kämmerer Dr. Johannes Slawig: „Wir sind der Stiftung beim Verkauf des Grundstückes so weit wie möglich entgegen gekommen – bei aller Unterstützung, mehr geht nicht!“ Dass die Hospiz-Stiftzung die Kosten für die Straße zu tragen habe, bezeichnet Johannes Slawig gegenüber der CW als „keine Überraschung“: „Das ist bei Vertragsabschluss so vereinbart worden“, unterstreicht der Stadt-Kämmerer: „Das im Nachhinein neu zu verhandeln, ist nicht möglich und die Stadt ist auch nicht in der Lage, die Kosten für den Wegebau zu übernehmen.“

Abgesehen davon, so Slawig weiter, sei die Stadt auch gar nicht Ansprechpartner, sondern vielmehr der Landesbetrieb Wald und Holz. Wie Stephan Schütte, der Leiter Staatswald des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, bestätigt, handelt es sich bei der Zuwegung zum Kinderhospiz-Gelände an der Kaisereiche formal um einen Forstwirtschaftsweg: „Wir unterstützen das Kinderhospiz, wo wir können“, stößt Schütte ins selbe Horn wie der Stadt-Kämmerer: „Aber können keine Zufahrt für das Kinderhospiz bauen.“ Zumal sich die Hospiz-Stiftung ja längst vertraglich zur Übernahme der Zuwegungskosten bereit erklärt habe.

Doch noch Unterstützung? Landesbetrieb sendet Gesprächssignal

Gleichzeitig sendet der oberste Staats-Förster in der Region aber auch ein Signal der Gesprächsbereitschaft: Man könne sich gerne zu einem Vor-Ort-Termin treffen, wenn dies von der Stiftung gewünscht wäre – „ich bin der Letzte, der sich einem solchen Treffen verschließen würde“, so Stephan Schütte abschließend gegenüber der CW. Zumal sich Stadt und Land vornehm zurückhalten, ist die Kinderhospiz-Stiftung Bergisches Land umso mehr auf private Unterstützung angewiesen. Spenden für das Kinderhospiz sind daher herzlich auf das Konto 979 997 bei der Stadtsparkasse Wuppertal (BLZ 330 500 00) willkommen.

Mehr Infos zum Kinderhospiz gibt’s online unter www.kinderhospiz-burgholz.de.

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