04.03.2014, 13.52 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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60 Jahre lang ins Horn gestoßen: Dörper (Ex-)Postler trafen sich

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Karl-Heinz Dickinger (2.v.r.) organisierte das große Treffen der ehemaligen und aktuellen Dörper Briefträger.

Was heute Zusteller für die Brief- und Verbundzustellung sind waren einst Postboten. Sie kannten Gott und die Welt in ihrem Verteilbezirk und mit ihnen war man mitunter so vertraut wie mit dem Lebensmittelhändler um die Ecke oder dem Wirt ein paar Schritte weiter. Aus dieser „guten alten Post-Zeit” trafen sich am 21. Februar 2014 32 Briefträger im Cronenberger Bahnhof: Aus den letzten sechs Jahrzehnten folgten frühere und auch noch aktuelle Dörper Postler dem Ruf von Karl-Heinz Dickinger, der sie aus Nah und Fern in den alten Cronenberger Bahnhof zusammengerufen hatte.

Der bekannte Dorfchronist, früher selbst ein Briefträger, wusste über die Gäste bis hin zum ehemaligen Chef sowie über unvergessene Post-Kameraden einiges in seiner Begrüßungsrede zu sagen: „Wir sind die Elite von einst“, schmunzelte Dickinger: „Damals liefen die Kunden noch mit dem Neujährchen hinter uns her, heute ist das umgekehrt.” Beim gemütlichen Abendessen erwachten dann in der illusteren Runde unzählige Dörper Post-Geschichten und -Anekdoten. Einiges zu erzählen hatte auch Werner Morsbach, der bereits 1951 in Cronenberg anfing und in den folgenden Dienst-Jahrzehnten in Sudberg wohl einige hundert Kilometer zurücklegte.

Jeder Postler durchlief den Weg von der Paketannahme über den Schalter bis zum Briefträger. Heute unvorstellbar: Einst war es wirklich noch üblich, dass dem Briefträger an der Haustür auch mal ein „Schnäpschen“ angeboten wurde. Zum „Prosten” gab’s ja auch Anlass, denn schließlich kam die Rente noch vom Postboten, der aber auch kassieren durfte und sogar kleinere Päckchen brachte. „Manchmal sah man den Briefträger vor lauter Paketen nicht mehr“, blickt Karl-Heinz Dickinger zurück: „Bei so viel, oft schwerer Arbeit, wurde dann manchem sogar die Mütze zu klein“, erklärte Dickinger und führte das anhand eines alten Exemplares praktisch vor, das er mit in den Bahnhof gebracht hatte.

Der Zusammenhalt unter den Dörper Briefträgern war bis Ende der 1980er Jahre stark, mit der Zerschlagung der Deutschen Bundespost war es dann mit der schönen Zeit vorbei. Eines ist jedoch beim Alten geblieben: Wer seine Post ausgetragen hat, darf Feierabend machen – nur gibt’s heutzutage Zeit-Konten, zudem ist mehr zu verteilen. Obwohl ja im Internet-Zeitalter weitaus weniger geschrieben wird – zumindest Kunden ohne E-Mail Adresse freuen sich auch heute noch auf Briefe…

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