Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

11.07.2014, 20.11 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Rigi-Kulm-Center: “Ja, aber bitte mit Drogeriemarkt!”

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Auch Mit-Eigentümer Jürgen Urbinger (vo. re.) wohnte dem Info-Abend bei. Ende 2015, so hofft der Remscheider, können die künftigen Einkaufsmärkte auf dem Areal seines Rigi-Kulm-Centers eröffnen.

Seit Ende der 1990er Jahre liegt das Rigi-Kulm-Center in einem relativen Dornröschenschlaf: Nach dem Wegzug des dort florierenden Aldi-Marktes an die Ecke Theishahner Straße verabschiedeten sich in der Folge auch ein Getränkehandel und eine Bäckerei vom Gelände des einstigen „Cola-Abfüllwerks“. Seitdem versucht Eigentümer Jürgen Urbinger (Brüder Urbinger Verwaltungs GmbH) dem Areal zwischen Cronenberger und Küllenhahner Straße neues Leben einzuhauchen – bislang vergeblich.

Nun sieht es danach aus, dass das Rigi-Kulm-Center kommendes Jahr wieder eine erste Einkaufsadresse am Hahnerberg sein könnte: Wie im Rahmen eines gemeinsamen Infoabends der Bezirksvertretungen Elberfeld und Cronenberg klar wurde, will Eigentümer Urbinger auf dem 1,7 Hektar großen Areal einen Vollsortiment-Supermarkt mit Bäckerei sowie einen Discounter ansiedeln. Zudem könnten ein kleineres Geschäft mit Blumen und Gartenbedarf, eine Packstation oder auch ein Bankautomat und ein Café entstehen. Im recht gut gefüllten Veranstaltungsraum des Schulzentrums Süd erläuterten Vertreter der Stadt, eines Gutachters und die planenden Architekten das Projekt. Abgesehen von einigen direkten Anwohnern, die befürchten, dass es mit Umsetzung des Vorhabens mit der derzeitigen Ruhe vorbei sein würde, war die Zustimmung grundsätzlich groß: Als „sehr vernünftig“, ja als „wunderbar“, bezeichnete ein Zuhörer die Pläne, ein Bewohner vom Wolfshahn meinte: „Wenn wir eine Versorgung vor Ort haben, müssen wir nicht mehr nach Remscheid oder in die Stadt.“

Lärmschutzwände und Anlieferverbot von 22 bis 6 Uhr

Geäußerte Bedenken waren ganz überwiegend konstruktiv und bezogen sich auf Details: So wollten Zuhörer wissen, wie verhindern werden soll, dass die Zufahrtsmöglichkeiten von der Küllenhahner und der Cronenberger Straße als Abkürzung genutzt werden. Die Planer entgegneten, dass der Schleichweg tagsüber wegen des zu erwartenden Parkverkehrs unattraktiv wäre, nach Ladenschluss soll das Areal gesperrt werden. Weiteres Anliegen war der Lärmschutz: Zu Wohnhäusern an der westlichen Grenze (Küllenhahner Straße) sollen transparente Schutzwände errichtet werden. Eine Warenanlieferung wird zudem zwischen 22 und 6 Uhr verboten sein. In Richtung Jung-Stilling-Weg sehen die Pläne den Discounter-Bau als Lärmschutzwall vor.

Forderung: Verkehrskonzept überdenken

Kontroverser wurde der zu erwartende Verkehrsanstieg diskutiert: Vor dem Hintergrund der Schulwege zum Schulzentrum und der Grundschule oder auch weil der Jung-Stilling-Weg keinen Bürgersteig aufweist, regten Michael Ludwig, Vorsitzender des Bürgervereins Küllenhahn, und weitere Zuhörer Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an. Für die Küllenhahner Straße wurde am Rigi-Kulm-Center ein Zebrastreifen vorgeschlagen. Bezweifelt wurde, ob die von der Stadt geplante Linksabbiegespur zum Einkaufszentrum überhaupt machbar ist. Angesichts der Situation am Otto-Hausmann-Ring, wo es nach Ansiedlung von Einkaufsmärkten zu Unfällen kam, wurde appelliert, die Verkehrslage an der Küllenhahner Straße richtig einzuschätzen: „Da Kinder dort pendeln, haben Sie eine große Verantwortung“, unterstrich ein Zuhörer an die Adresse der Stadt.

Auch zu einer weiteren Anregung herrschte weitgehend Einigkeit: Einen weiteren Discounter brauche man nicht. Viel sinnvoller sei ein Drogeriemarkt. Jürgen Urbinger berichtete auf CW-Nachfrage, dass es für einen Drogeriemarkt Interessenten gebe. Die Stadt habe das jedoch abgelehnt: „Genau das, was uns fehlt, bekommen wir nicht – wer hat das denn gemacht“, wurde kritisiert. Um das Einkaufszentrum Cronenberger Ortsmitte zu schützen, erläuterte Mirjam Kerkhoff von der Stadt.

Zum Schutz der Ortsmitte: Kein Drogeriemarkt möglich?

Dafür gab es kein Verständnis: In der Umgebung habe es doch bis vor Jahren vier Schlecker-Märkte gegeben, hieß es, das habe doch der Ortsmitte auch nicht geschadet. Hans Jürgen Vitenius, neuer Elberfelder Bezirksbürgermeister, bat darum, dass der Bürger-Wunsch nach einem Drogeriemarkt aufgenommen wird; die Bezirksbürgermeisterinnen Ursula Abé (Cronenberg) und Claudia Hardt (Elberfeld), da noch im Amt, sagten dies zu. Allerdings machte Mirjam Kerkhoff wenig Hoffnung auf eine Rücknahme des städtischen Neins. Das sei eine politische Entscheidung, an die sich die Verwaltung zu halten habe: „Wenn Bürgerbeteiligung ernst genommen wird, muss man die Wünsche aufnehmen“, entgegnete ein Zuhörer: „Sonst ist das hier alles ja so sinnlos wie ein Kropf.“

Zeitplan: Ende 2015 Eröffnung

Nach der Beratung in den politischen Gremien werden die Pläne im Herbst ausgelegt. Anfang 2015 soll laut Fahrplan dann grünes Licht für die Ansiedlungen auf dem Areal des Rigi-Kulm-Centers gegeben werden können. Jürgen Urbinger hofft, dass pünktlich zum Weihnachtsgeschäft Ende November 2015 Eröffnung gefeiert werden kann. Wer genau sich zwischen Cronenberger und Küllenhahner Straße ansiedeln möchte, wollte Urbinger nicht verraten. Außer Lidl und Aldi sei man aber mit allen Anbietern im Gespräch. Der Vollsortiment-Supermarkt wird eine Verkaufsfläche von maximal 1.800 Quadratmeter haben, auf einer eingezogenen, offenen Podestetage ist ein Café mit Sitzplätzen angedacht. Der (noch) geplante Discounter soll über eine Maximalverkaufsfläche von 1.000 Quadratmetern verfügen, das Rigi-Center wird etwa 160 Stellplätze bieten.