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29.07.2014, 15.33 Uhr   |   Odette Karbach   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

CSC-Oldies trafen sich: Als der Ball noch eingefettet wurde

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Diese sechs CSC-Veteranen trafen sich an der Bahnhofsgaststätte: Hassan Sidki, Dirk Heinrichs, Udo Hinsche, Wilfried Maus, Harry Kurtz, Harald Hahn (v.l.).

Sechs Fußballveteranen erlebten kürzlich in der Cronenberger Bahnhofs-Gaststätte ein Wiedersehen. Fünf der Anwesenden spielten gemeinsam in der Jugend beim Cronenberger SC (CSC), während der Sechste am Tisch durchaus als „Sportmuffel“ zu bezeichnen war, aber unbedingt dazugehörte: Wilfried Maus war schließlich der Mann für die dritte Halbzeit, denn die Bahnhofs-Gaststätte wurde fast 50 Jahre lang von seiner Oma Friedchen Maus geführt. Wilfried wurde hier groß und feierte viele Feste.

Beim Wiedersehen kamen alle diese Geschichten wieder auf den Tisch. „Wisst ihr noch, als…“, hieß es dabei und gemeint waren die Jahre von 1962 bis 1970, als man von der D- bis zur A-Jugend beim Cronenberger SC kickte. Udo Hinsche hatte etwas zum Anfassen aus dieser Zeit mitgebracht: ein grün-weißes Trikot. Und zwar eines aus einer scheinbar anderen Zeit: ohne Flock, aus festem Baumwollstoff – alles andere als trageangenehm. Die Baumwolle saugte Schweiß und Regen auf und hing schwer am Körper. „Aber auch der Lederball wurde bei Regen immer schwerer“, schmunzelte Harald Hahn, „den konntest du noch so einfetten“.

Die Verbindung von Udo Hinsche und Harald Hahn blieb stets beständig, auch wenn Harald Hahn dem CSC treu blieb, während Udo Hinsche zum Dorf-Rivalen SSV Sudberg wechselte. Durch seine Angetraute Renate Engels heiratete Udo Hinsche in die Gründerfamilie ein, war dann acht Jahre lang Jugendleiter und ist bis heute in Vorstand und Ältestenrat aktiv. Sohn Sven spielt bei Sudbergs Alten Herren, der jüngere Hinsche-Spross Tim, der seine aktive Zeit im LandesligaTeam unter Werner Boss beendete, arbeitet mittlerweile im Verwaltungsbereich des 1. FC Köln.

Harald Hahn (63) verkörpert ein großes Stück CSC-Geschichte. Als 24-Jähriger spielte der großgewachsene Torwart samstags in der Altherren-Mannschaft, um sonntags den Kasten der CSC-Reserve sauber zu halten. Mit gerade mal 15 Jahren hatte Harald Hahn bereits den Schiedsrichter-Schein gemacht, um dann Altherren-Partien zu pfeifen, in denen die CSC-Größen, welche 1952 die Deutsche Amateurvizemeisterschaft gewannen, aufliefen.

„Der Harald drückte jedem Spieler, der vom Platz musste, einen Groschen in die Hand“, erinnert sich Harry Kurtz: „Die 10 Pfennigmünzen zückte Harald Hahn beim Platzverweis aus seiner Hosentasche damit die Spieler warm duschen konnten.“ Damals floss erst warmes Wasser nach Münzeinwurf: „Im Höfen ist er bei einem Spiel gleich 40 Pfennig losgeworden“, lacht Kurtz. Nebenbei angemerkt: Für 60 Pfennig gab es zu der Zeit ein Fischbrötchen auf der Cronenberger Kirmes…

Tormann Harry Kurtz wechselte die Sportart und betrieb eine Tennisschule am Weinberg, als der weiße Sport in den 1980er Jahren boomte. Sein 16-jähriger Sohn David kickt heute im Dress des DJK VfL Willich gegen das Leder. Auch Dirk Heinrichs – der Mann, der die heutige 6er-Position besetzte – beendete 1971 nach seinem ersten Seniorenjahr seine Fußball-Ambitionen und entschied sich, seine Ehefrau Karin (geborene Lemken) zu unterstützen. Sie machte Karriere in der Handball-Abteilung des CSC.

Der kleine Rechtsaußen Hassan Sidki war vor rund 50 Jahren einer der wenigen „Ausländer“ bei den Grün-Weißen. „Und ausgerechnet Hassan ist Beamter geworden“, schmunzelt Udo Hinsche. Aber nicht nur das: Sidki wurde auch zum Kampfsportler und trägt den vierten schwarzen Gürtel im Teakwando. Das Treffen der CSC-„Oldies“ im Cronenberger Bahnhof wird eine Fortsetzung sicherlich finden – an einem Abend waren die Fußball-Erinnerungen kaum aufzuarbeiten…