Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

25.08.2014, 19.37 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Von Betrügern abgezockt: Urlaubstraum wurde zum Alptraum

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Ob FAZ, Welt oder Focus und RTL – neben dem Hamburger Abendblatt (Foto) berichteten mittlerweile Medien bundesweit über die Urlaubs-Betrüger, denen auch ein Cronenberger Ehepaar zum Opfer fiel.

Die Schule hat wieder begonnen, für viele von uns sind die schönsten Wochen des Jahres nun vorüber. Die wollte auch ein Cronenberger Ehepaar verleben: 14 Tage auf der Nobel-Insel Sylt lautete das Ferien-Vorhaben. Über ein renommiertes Online-Portal für Feriendomizile waren die Cronenberger kurzfristig fündig geworden: Hier stießen sie auf ein vielversprechendes Wohnungs-Angebot in Westerland: Nicht zu teuer, gute Ausstattung, ein Blick via Google Maps offenbarte zudem auch noch einen großen Garten – was will man mehr, zumal auch die Internet-Adresse des Anbieters verlockend klang: www.traum-wohnung.org.

Susanne und Hans Weber (Name geändert) nahmen Kontakt zu dem Anbieter auf und Ansprechpartner Dennis Meyer antwortete schnell: Die „Robbenhöhle” war noch frei – „ich bin mir sicher, dass Sie einen unvergesslichen Urlaub haben werden”, zeigte sich der freundliche Mitarbeiter in einer E-Mail überzeugt, nachdem die Webers gebucht hatten. Alle weiteren Fragen wurden in Kürze und zuvorkommend beantwortet, es gab eine „ordentliche Rechnung” mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen, unverdächtiger Adresse und Telefonnummer – kein Grund also miss-trauisch zu sein. Die Webers überwiesen die erforderliche Anzahlung in Höhe von 50 Prozent des Mietpreises ohne zu zögern – warum auch nicht?!

Freundlich und schnell: „Das haben die geschickt gemacht!”

Nun, drei Wochen später, sind der 54-Jährige und seine 49-jährige Ehefrau schlauer: Die 700 Euro Anzahlung sind wohl futsch, der Sylt-Urlaub ist geplatzt, die „Traum-Wohnung” „Robbenhöhe” gab’s gar nicht – die Webers waren ­­­­­Internet-Betrügern aufgesessen. „Die haben das ganz geschickt gemacht”, blicken die Cronenberger auf ihren Sommer-Alptraum zurück: Dennis Meyer habe auf alle Nachfragen umgehend und ausführlich geantwortet – „der hatte ja auch sonst wohl nichts zu tun, als Leute abzusahnen”, glaubt Susanne Weber heute.

Gut – dass Makler Dennis Meyer den Webers höflich davon abriet, die angegebene Telefonnummer zu nutzen, weil es „momentan pausenlos klingelt“ und daher häufig ohnehin nur der Anrufbeantworter anspränge, hätte hellhörig machen können – aber hinterher ist man ja immer schlauer. „Das war ein vertrauenserweckender Kontakt“, berichtet das Ehepaar: „Uns wurde sogar der Geldeingang bestätigt – dabei hat der sich bestimmt ins Fäustchen gelacht.“ Dass die Webers den Internet-Betrügern dann nicht erst auf Sylt „drauf“ kamen, lag an einem „Sonder-Wunsch“: Als sie zwei Tage vor Urlaubsbeginn bei Dennis Meyer anklopften, ob sie die Kurkarten vom Verwalter schon ein paar Stunden vor dem Bezug der „Robbenhöhle“ haben könnten, um mit Kind, Kegel und Hund an den Strand zu können, kam ein freundliches „Nein“ .

Wie ein schlechter Traum: „Sowas gibt’s doch nur im Fernsehen!“

Ein Tag später, am Vorabend der Abfahrt dann die Schreckens-Mail: In der Ferienwohnung sei es zu einem kapitalen Wasserschaden gekommen – Dennis Meyer teilte den Webers mit, dass die Wohnung unbewohnbar sei und er daher wegen „höherer Gewalt“ vom Buchungsvertrag zurücktreten müsse. Er werde seine Versicherung umgehend informieren, sodass der Schaden schnellstmöglich reguliert und die Anzahlung zurückerstattet werde, versprach Meyer bedauernd. Die Webers waren konsterniert, einen Betrug witterten sie aber nicht. Als sie dann bei der Tourismuszentrale auf Sylt wegen einer Ersatz-Wohnung anriefen, stutzte die Mitarbeiterin.

Sowas habe sie doch schon einmal gehört, da gehe etwas nicht mit rechten Dingen zu, riet die Frau den Webers, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Tatsächlich: Als sich die Dörper bei der Sylter Polizei meldeten, erfuhren sie: Mehrere Geschädigte hatten bereits Anzeige erstattet, zum Teil waren sie sogar auf Sylt gestrandet. Susanne Weber war am Boden zerstört: „Sowas gibt’s doch nur im Fernsehen“, ist die 49-Jährige noch immer fassungslos: „Da freut man sich das ganze Jahr darauf und dann sowas – ich kam mir vor wie einem schlechten Traum.“

Ehemann Hans steckte den Schock schnell weg: „Davon lasse ich mir doch nicht die Ferien vermiesen“, sagte sich der 54-Jährige: „Und wir fahren trotzdem in Urlaub.“ Knapp zwei Tage lang suchte der Cronenberger dann zwischen Bodensee und Flensburg ein neues Urlaubsdomizil und wurde fündig: in der Howachter Bucht an der Ostsee. Zwischen den Örtchen Kalifornien und Brasilien erlebten die Webers zwei unbeschwerte Wochen – eben wie ursprünglich auf Sylt vorgestellt. Ihr Urlaubs-Alptraum holte sie aber auch hier ein: Als Hans Weber an einem Morgen Brötchen holte, erblickte er im Zeitungsständer die Titelseite des Hamburger Abendblatts: „Die windige Masche der Sylt-Betrüger“, lautete die Überschrift des Aufmachers – diesen waren auch er und seine Frau aufgesessen.

Polizei: Sylt-Urlauber um mindestens 40.000 Euro geprellt

Wie Pressesprecher Markus Langenkämper von der ermittelnden Polizei Flensburg gegenüber der CW berichtete, sind mittlerweile 30 Anzeigen von geprellten Urlaubern aus ganz Deutschland eingegangen: „Es steht zu befürchten, dass es noch mehr werden“, so der Oberkommissar zur CW. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwa 40.000 Euro – bis jetzt. Dass die Geschädigten ihre Anzahlungen wiedersehen, ist zweifelhaft: Zwar wurden die betreffenden Konten beschlagnahmt, sie waren aber leer. Keine Überraschung: Alle Identitäten der Betrüger sind falsch, berichtete Markus Langenkämper, und auch über die Internet-Seite traum-wohnung.org, die von Anfang Juli an etwa einen Monat lang aktiv war, ergaben sich keine Ermittlungsansätze: Diese ist in Malaysia registriert. Laut des Polizei-Sprechers ist diese Form der Online-Abzocke von Urlaubern bislang in dieser Dimension einzigartig in Schleswig-Holstein. Derzeit prüft die Polizei allerdings, ob es auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern Betrügereien gab.

Online-Forum und Tipps zur Vorbeugung

Übrigens: Die Ferien an der Howachter Bucht waren für die geprellten Cronenberger letztlich ein Volltreffer. Während auf Sylt das Wetter in der zweiten Urlaubswoche umschlug, blieben die Webers an ihrem Ersatz-Urlaubsdomizil an der Ostsee auf der Sonnenseite. „Und auf einen Schlag auch noch in Kalifornien und Brasilien gewesen zu sein, hat ja auch was“, schmunzelt Hans Weber. Auf der Internet-Seite www.kuestenforum.de hat sich zwischenzeitlich ein Forum zu den Ferien-Betrügern gebildet. Um solchen Online-Kriminellen nicht auf den Leim zu gehen, raten Experten, die Kundenbewertungen zu Hotels, Ferienhäusern oder -wohnungen möglichst auf verschiedenen Portalen zu vergleichen. Um sich vor Betrug zu schützen, sollte man zudem via Google oder Yahoo prüfen, ob das Urlaubsdomizil überhaupt existiert und mit dem Anbieter auch telefonisch in Kontakt treten beziehungsweise herausfinden, ob angegebene Telefonnummern echt sind.