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17.09.2014, 10.27 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Weg-Benennung nach NS-Opfer: Bezirksvertretung einhellig dafür

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Derzeit erinnert am ehemaligen Schießstand im Burgholz lediglich ein verblichenes Schild an das grausame Massaker, das hier in den letzten Kriegstagen 1945 verübt wurde. -Foto: Archiv

Einstimmig hat die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch, 10. September 2014, dafür votiert, dass ein Weg im Staatsforst Burgholz nach Helena Matrosowa benannt werden soll. Die junge Lehrerin aus Kiew in der heutigen Ukraine ist das einzige namentlich bekannte Opfer eines NS-Massakers, bei welchem durch Gestapo und Wuppertaler Polizei im Februar/März 1945 30 sowjetische Zwangsarbeiter auf dem damaligen Schießplatz Burgholz erschossen wurden (die CW berichtete mehrfach).

Der Verein „Spurensuche – NS-Geschichte in Wuppertal“ hatte den Antrag zu der September-Sitzung der BV eingebracht: Demnach sollte der Weg, der von der Straße „Kaisereiche“ auf Küllenhahn in den Staatsforst abzweigt und über den Zimmerplatz zu dem damaligen Schießstand führt, in Helena-Matrosowa-Weg benannt werden. Stellvertretend, so der Verein in seinem Bürgerantrag, würden damit auch die weiteren 29 Opfer des NS-Massakers im öffentlichen Raum gewürdigt. „Die ermordeten Zwangsarbeiter sind sonst anonym“, sagte „Spurensuche“-Vorsitzende Lieselotte Bhatia vor der Bezirksvertretung – ihr Vater zählte als Kriminalbeamter zu den Tätern der Gräuel-Tat, welche die Nazis wenige Wochen vor dem Kriegsende in Wuppertal verübten.

Michael-Georg von Wenczowsky, stellvertretender Bezirksbürgermeister (CDU), gab jedoch zu bedenken, dass die Umbenennung für Anwohner Adress-Änderungen zur Folge hätten. Daher schlug von Wenczowsky den Weg-Abschnitt vom Zimmerplatz zum früheren Schießplatz für die Benennung vor – hier wären keine Anwohner betroffen. Allerdings, so merkte der Dörper CDU-Politiker an, könne die BV ohnehin nicht über die Benennung entscheiden – da der Weg im Staatsforst liege, sei der Landesbetrieb Wald und Holz beziehungsweise das Land Nordrhein-Westfalen eigentlich der richtige Adressat für den „Spurensuche“-Antrag.

Das Cronenberger Stadtteilparlament schloss sich dennoch einstimmig der Anregung des CDU-Vertreters an und wird nun einen entsprechenden Antrag an das Land unterstützen. Wenn sich das NS-Massaker im kommenden Frühjahr 2015 zum 70. Mal jährt, wird so womöglich der Helena-Matrosowa-Weg eingeweiht werden können – man wird sehen…