22.10.2014, 19.26 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Rolf Löckmann: Zwei Cronenberger Kleinode sind gerettet

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Rolf Löckmann vor dem altbergischen Haus an der Küllenhahner Straße, welches er nun auch unter seine „Fittiche“ nahm.

„Und vielleicht macht Rolf Löckmann auch das Wohnzimmer fertig, das Ehefrau Friedel seit langem versprochen ist“, hieß es im November 2012 in einem CW-Artikel zum 70. Geburtstag des Küllenhahner Künstlers. „Noch beherbergt es die Werkstatt ihres Mannes – es gibt halt immer was zu tun…“, stand weiter in dem CW-Bericht über den Fotografen, Bildhauer, Maler und Autor zu lesen, der Träger des Von der Heydt-Förderpreises der Stadt Wuppertal sowie des Michael-Metschies-Preises für engagierten Denkmalschutz ist.

Zwei Jahre später hat Friedel Löckmann noch immer nicht ihr „richtiges“ Wohnzimmer – ihr Ehemann hatte auch in den vergangenen zwei Jahren „anderes“ zu tun. Auch wieder als „Häuser-Retter“: Nachdem er zwischenzeitlich ein Fachwerkhäuschen im Garten seines Hauses – übrigens selbst auch ein „gerettetes Haus“ – fertig gestellt hat, biegt ein weiteres Projekt derzeit auf die Zielgerade ein: ein Fachwerkhaus in der Barmer Irmgardstraße.

Ist der Wuppertaler Osten für viele Cronenberger noch immer fast soetwas wie „Ausland“, so hat ein Stück Cronenberg in der Straße in Barmen eine neue Heimat gefunden: ein altbergisches Fachwerkhaus. Bereits 1982 war es, als das circa 150 Jahre alte Haus unterhalb der Friedenskirche an der Hahnerberger Straße zum Abriss anstand. Rolf Löckmann kaufte dem Eigentümer das Holz-Fachwerk des altbergischen Hauses zum Preis der Entsorgungs-Container ab, kartierte es, nummerierte die Eichenbalken feinsäuberlich und lagerte sie ein.

Rolf Löckmann: „Muss nur noch kurz ein Haus retten…“

1989 dann erwarb Löckmann in der Irmgardstraße ein Grundstück, auf dem im Zuge des Baus einer Senioren-Wohnanlage auch ein denkmalgeschütztes Haus abgerissen werden sollte. Eine Anwohner-Initiative protestierte und Rolf Löckmann wurde auch hier zum Retter. Der Küllenhahner sanierte allerdings nicht nur das bedrohte Denkmal – wie er sagt eines der letzten bescheidenen Weber-Häuser der Stadt. Direkt daneben kaufte er ein zweites Grundstück, um darauf das Hahnerberger Haus wieder aufbauen zu können.

Mit dabei: die Söhne Jens und Manuel Löckmann. Sie halfen ihrem Vater ab 1990 zunächst bei der Sanierung des Weber-Hauses, 1998 ging es dann an den zukünftigen „Nachbarn“ vom „Neuenhauser Knapp“. Mehr als das Kellergeschoss aus Natursteinen winterfest zu machen, gelang jedoch zunächst nicht – es kam „etwas“ dazwischen: In Wichlinghausen galt es vier andere Häuser vor der Abrissbirne zu retten – „sie wären heute alle nicht mehr da”, sagt Rolf Löckmann über sechs der sieben Gebäude, derer er sich in den letzten Jahrzehnten annahm: „Da war ich der letzte Interessent.“

Im Jahre 2008 kam dann wieder die Irmgardstraße an die Reihe: Während Sohn Jens nach Ostdeutschland umzog, kehrte Manuel Löckmann aus Berlin ins Tal zurück. „Immer wieder, wenn es ging“, so blicken Rolf und Manuel Löckmann zurück, bauten sie an dem „Cronenberg-Export“ in Barmen weiter – begleitet von viel Anwohner-Zuspruch („Die Leute freuen sich“), von denen Nachbar Gerhard Stahl sogar in all den ersten Jahren den Strom „spendierte“.

Wer heute, sechs Jahre später, die Irmgardstraße hinauffährt, erblickt ein Kleinod (siehe Foto „Galerie“): Zwar kann Manuel Löckmann erst nächstes Jahr mit seiner Familie in das vom Hahnerberg translozierte Haus einziehen, äußerlich ist es gemeinsam mit dem benachbarten Weber-Haus aber schon jetzt ein altbergisches „Schmuckstück-Ensemble“ – eines, das es nicht mehr gäbe, so erst recht nicht!

Ehefrau wartet gerne weiter auf ihr Wohnzimmer

Eigentlich sollte die Irmgardstraße der letzte Rettungseinsatz von Rolf Löckmann sein. Besagtes Wohnzimmer im heimischen Spessartweg muss sich allerdings weiter gedulden. Einmal mehr wurde Rolf Löckmann nun zum „letzten Interessenten“ für ein Kleinod: An der Küllenhahner Straße erwarb der Denkmalschützer ein Haus, das ebenfalls niemand mehr wollte: Obwohl mit großem (Bau-) Grundstück steht es seit drei Jahren leer – das etwa 150 Jahre alte Schieferhaus wollte sich niemand ans Bein binden – angeblich heruntergekommen, zu hoher Sanierungsaufwand.

Zumal im Garten daneben eine massive Bebauung drohte, die das Idyll zerstört hätte („Das fanden wir furchtbar“), erwarb Rolf Löckmann das Küllenhahner Kleinod – mit dem ausdrücklichen Einverständnis seiner Ehefrau Friedel übrigens. Sie wartet gerne noch etwas auf ihr Wohnzimmer, damit das historische Schmuckstück erhalten bleibt. „Dieses Haus gehört zum Küllenhahner Ortsteil“, sagt Rolf Löckmann: „Ich möchte es erhalten wie es ist.“

Und dazu gehört nicht nur die „Kölner Decke“, die er zwischenzeitlich unter einer für die 1970er Jahre so typischen Plastik-„Vertäfelung“ freilegte und in 60 Stunden Arbeit restaurierte. Dazu zählen auch die Original-Fenster oder auch das Stallgebäude hinter dem übrigens der Länge nach geteilten Haus: Wie die Ställe darin noch zeigen, waren hier früher Schweine und Hühner zu Hause – in Zukunft könnte hier und in dem großzügigen Dachraum darüber vielleicht ein Atelier sein, schwebt Rolf Löckmann vor.

Wie auch immer: Nach seinem eigenen Haus im Spessartweg, längst ein Postkartenmotiv, hat der „Häuser-Retter“ seinem Ortsteil ein weiteres Stück „Gesicht“ erhalten. Es soll nunmehr aber wirklich das letzte Haus-Projekt sein – schließlich hat Rolf Löckmann ja noch das Wohnzimmer von Ehefrau Friedel „vor der Brust“…

 

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