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11.11.2014, 11.47 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Johanneskirche: Hinter den Kulissen des Von-der-Heydt-Museums

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„Offene-Abende“-Organisatorin Birgit Schaffer und Pfarrer Gerson Monhof mit Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh (mi.).

Die evangelische Johanneskirchengemeinde begrüßte im Rahmen der Reihe „Offene Abende“ eine prominente Persönlichkeit: Birgit Schaffer hatte den Leiter des Von-der-Heydt-Museums, Dr. Gerhard Finckh, eingeladen. „So voll mit interessierten Gästen war unser Saal noch nie“, freute sich Pastor Gerson Monhof über die vielen Kunstliebhaber, denen Gerhard Finckh tiefe Einblicke hinter die Kulissen des international berühmten Wuppertaler Kunstmuseums gewährte.

Eigentlich ist das Museum eine Erfindung des 19. Jahrhunderts, erklärte Gerhard Finckh. Dabei gehe es um Sammeln, Bewahren, die Wissenschaft und um das Zeigen von Kunst: „Unser Museum ist das ästhetische Gedächtnis unserer Stadt.“ Das Von-der-Heydt-Museum besitzt 3.000 Gemälde, 30.000 Arbeiten auf Papier, 500 Skulpturen und sogar eine umfangreiche Briefmarkensammlung. Nur rund 100 eigene Gemälde sind ständig ausgestellt und weitere 200 zu Leihzwecken in der Welt verstreut.

Zudem erklärte Gerhard Finckh, dass es gar nicht so einfach sei, ein Museum zu erhalten. Man benötige sowohl Stifter, viele Ideen, aber auch immer wieder neue Anlässe, damit sich die Menschen mit Kunstschätzen auseinandersetzten. Sonderausstellungen um die Maler Rubens, Sisley, Monet und aktuell Pissaro, den Vater des Impressionismus, zogen beziehungsweise ziehen unzählige Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland nach Wuppertal.

Drei bis vier Jahre Vorlaufzeit braucht es, um eine solche Sonderausstellung zu organisieren. Zunächst, so erklärte Museumsleiter Finckh, wird ermittelt, welche Werke eines bestimmten Malers in welchem Museum der Welt zu finden sind. Dann wird über die Leihgabe verhandelt – zum Tausch werden dazu oft auch Werke aus dem Von der Heydt-Museum angeboten. Alsdann werden ausgesuchte Säle für die Sonderschau hergerichtet. Steht irgendwann fest, welche Bilder verfügbar sind, werden diese in Spezialkisten verpackt und auf die Reise geschickt.

Dabei müssen Temperaturunterschiede genauso beachtet werden, wie kleine Schäden, die vor dem Aufhängen eines Bildes genau dokumentiert werden. Nicht zuletzt auch die oft bundesweite Werbung ist wichtig – es sind also unendlich viele große und kleine Details sowie viel Organisation und (ehrenamtliche) Helfer nötig, um eine Kunstschau auf die Beine zu stellen. Dazu gehören auch die Versicherungsprämien: Ein mittelgroßes Bild aus den USA zu leihen kann bis zu 20.000 Euro kosten.

Am Ende kann eine Sonderschau in Wuppertal schon mit rund 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, die vor allem durch Eintrittspreise und mit Hilfe von Sponsoren und Stiftungen gedeckt werden müssen. Obgleich dieses „Geschäft“ nicht leicht ist, Gerhard Finckh liebt seinen Beruf und er hat viele weitere Ideen für „sein“ Museum. So ist für 2016 eine Ausstellung mit Bildern von Degas und Rodin geplant. Die Aura eines Bildes persönlich zu erleben, das möchte er den vielen Besuchern des Von-der-Heydt-Museums vermitteln. Das ist Finckhs eigener Anspruch und sein ständiger Antrieb.

Zur Person: Museumsdirektor Gerhard Finckh

Dr. Gerhard Finckh wurde 1952 in Bruckmühl bei München geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Kunstgeschichte, bayerische Geschichte und geschichtliche Hilfswissenschaften. Er promovierte 1987 an der Technischen Universität München zum kunstgeschichtlichen Thema: „Die Münchener Bildhauerei der 1920er Jahre“. Von 1987 bis 1990 war Finckh dann in Emden Direktor der Kunsthalle. Anschließend wechselte er nach Essen, wo er bis 2000 Ausstellungsleiter des Museum Folkwang war, um dann als Direktor das Leverkusener Museum Morsbroich zu leiten. Seit 2006 führt Dr. Gerhard Finckh das Von der Heydt-Museum.