Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

06.03.2015, 09.55 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Peter Hennicke: Skepsis gegen die Energiewende ausräumen

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Prof. Dr. Peter Hennicke (2.v.re.) wurde im Zentrum Emmaus von Stephan Schaller, Ulrich Weidner (Evang. Gemeinde Cronenberg) und Monika Wadepohl-Rigoni (Hl. Ewalde, v.l.n.r) empfangen.

“Die Situation hat sich bedrohlich verschärft” – hoffnungsvoll war das nicht, was am vergangenen Freitagabend Prof. Dr. Peter Hennicke im Zentrum Emmaus erläuterte. Zum Start eines ökumenischen Themenjahres der evangelischen Kirchengemeinde Cronenberg und der katholischen Gemeinde Hl. Ewalde zum Thema “Nachhaltigkeit” war der ehemalige Leiter des Wuppertal-Institutes ins Zentrum Emmaus gekommen, um über die derzeitige Situation in der Welt zu referieren. “Das ist eine Premiere für mich”, freute sich Hennicke: “Direkt neben einer Kanzel zu reden und vor meiner Haustüre.”

“Alle Indikatoren deuten auf eine Katastrophe hin”

“Eigentlich will ich Ihnen Mut machen mit diesem Vortrag”, erklärte der Cronenberger. Auch wenn die Entmachtung der Politik voranschreite, der Klimawandel ungebremst sei und die Finanzkrise weiter schwele – die Menschheit stehe nun vor der Frage der Selbstvernichtung oder der Langzeitverantwortung. “Hin zu mehr Gerechtigkeit geht es nur über eine nachhaltige Strategie”, mahnte Prof. Dr. Peter Hennicke im vollbesetzten Gemeindezentrum – weit über 100 Zuhörer waren an die Hauptstraße gekommen.

“Alle Indikatoren deuten auf eine Katastrophe hin”, ist sich der ehemalige Chef des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie sicher. 2014 sei das wärmste Jahr gewesen, Meldungen darüber habe es kaum gegeben. Lediglich Tschernobyl und Fukushima hätten endlich wichtige Signale ausgesandt, der “Peak of Oil” sei bereits 2008 erreicht worden. “New York verbraucht so viel Strom wie fast gesamt Afrika”, betonte Hennicke. Wenn jetzt noch China die Lebensweise des Nordens der Welt kopiere, dann werde man nicht mehr lange durchhalten können.

“Stromkonzerne haben sich massiv verschätzt – mit Folgen”

Allerdings: “Die Energiewende ist unumkehrbar – Gott sei Dank”, machte Hennicke doch noch ein wenig Mut. “Alle haben den Aufschwung der erneuerbaren Energien unterschätzt, auch das Wuppertal-Institut”, gab er offen zu. “Wer sich jedoch massiv verschätzt hat, sind unsere Stromkonzerne – und das hat Folgen.” Während die Schweiz bereits an der 2.000-Watt-Gesellschaft arbeite, brauche man in Deutschland dringend den Netzausbau. Auch im Kleinen könne man helfen: “Neue Häuser sind kleine Kraftwerke”, berichtete Hennicke, energieeffiziente Haushaltsgeräte würden sich zudem oft schon nach zwei Jahren rechnen. “Wir brauchen eine unterstützende Energiepolitik”, forderte der Cronenberger – die Energiewende sei historisch beispiellos und als Generationenvertrag angelegt: “Es liegt an uns, diese Skepsis auszuräumen.”