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18.05.2015, 19.42 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Premiere von „Anything goes“: Alles geht im TiC-Theater

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Dieses Szenenfoto beweist: Im neuen TiC-Musical „Anything goes“ ist jede Menge Schwung drin. -Foto: Martin Mazur

„Anything goes“ lässt sich mit „alles geht“ übersetzen. Dass im TiC-Theater alles geht, das zeigte sich am Samstag, 9. Mai 2015: Nach einem Krimi und einem Klassiker als ersten Premieren 2015 brachten Ralf Budde (Regie) und Stefan Hüfner (Musik) nun ein neues Musical als dritte Erstaufführung des Spieljahres auf die Bühne des TiC-Ateliers – jedes Genre geht eben im TiC.

Auch deswegen geht beim neuesten TiC-Musical alles, weil es eben „Anything goes“ heißt. Vielmehr bewies die Musical-Sparte des Cronenberger Theaters aber auch mit einer mitreißenden Inszenierung des Stückes von Cole Porter einmal mehr eindrucksvoll, dass für sie alles geht! Gesang, Bühnenbild und Kostüme (Kerstin Faber), Choreografie (Dana Großmann) und Spielwitz – all das haben Ralf Budde, Stefan Hüfner und ihre Mannschaft auf der Transatlantik-Passage der MS America voll im Griff – da fühlt sich der Zuschauer wie ein Erste-Klasse-Passagier!

„Da schlagen die Wogen über Deck“: Haarsträubende, schräg-witzige Geschichte

Die Story des Musicals, das 1934 seine Uraufführung erlebte, ist ebenso schräg wie komisch: Billy (Christopher Geiß) will die Heirat seiner Liebe Hope (Charlotte Reinke) mit Lord Evelyn Oakleigh (Florian Sigmund) verhindern und schmuggelt sich als Top-Verbrecher Nr. 2 „Schlangenauge“ aufs Schiff. Ex-Freundin Reno Sweeney (Jennifer Pahlke) wiederum will zunächst Billy an Land ziehen, hilft ihm dann aber dabei, den Lord zu kompromittieren.

Der Käpt’n (Tobias Unverzagt) derweil lässt nach den Staatsfeinden Nr. 2 und 13, Moonface Martin (Wolfgang Sprotte), fahnden, feiert sie dann in Ermangelung anderer Promis als VIPs, um sie nach Billys Enttarnung wieder verhaften zu lassen.  Als Chinesen verkleidet brechen Billy und Möchtegern-Staatsfeind Moonface aus, um Lord Oakleigh erneut von Hope abzubringen: Gemeinsam mit der als schwangeren Lotusblume verkleideten Reno jubeln sie dem Lord eine Vaterschaft unter.

Nicht zuletzt hat Börsenmakler Elisha Whitney (Torsten Kress) ein Auge auf Hopes Mutter Evangeline Harcourt (Dorina Joch) geworfen – allerdings durchs Opernglas, weil Moonface ihm die Brille geklaut hat, damit er Billy nicht entdecken kann. Das bunte Gemisch an Bord, das die Wellen gehörig über die Reling schlagen lässt, komplettieren ein echter Reverend (Dennis Gottschalk), die männermordende Blondine Erma (Anastasiia Jungk), die auch dem Publikum kräftig einheizt, und schließlich ein FBI-Agent (Philip Flanze).

„Oberdeck-Qualität“: Wunderbare Porter-Evergreens,
tolle Stimmenund mitreißender Tanz

Die von Ralf Budde gekonnt abgespeckte Geschichte ist haarsträubend, aber turbulent-witzig und eingepackt in Evergreens von Cole Porter wie  „I Get a Kick Out of You“, dem Titelsong „Anything Goes“ oder auch dem schwungvollen „Blow, Gabriel, Blow“, die Stefan Hüfner professionell arrangiert und eingespielt hat – zum Duett von Hope und Billy sogar mit Hintergrundchor und im Big-Band-Sound. Da weht eine steife Brise Broadway übers TiC-Deck und da gibt’s schon zwischendurch satten Szenenapplaus – mitunter so anhaltend, als wäre gerade der Schlussvorhang gefallen.

Zurecht: Was Charlotte Reinke, Anastasiia Jungk, Torsten Kress oder auch Käpt’n Tobias „Obse“ Unverzagt gesanglich abliefern, hat Oberdeck-Qualität mit Panorama-Balkon und beweist einmal mehr: Das TiC hat eine feine Nase für Gesangstalente. Kompliment an Florian Sigmund, der nicht nur den überkandidelten Brit-Akzent des Lords voll drauf hat, sondern auch toll singt, sogar mit Rose im Mund – Hut ab.

„Aye, aye, Käpt‘n“:  Jennifer Pahlke avanciert zur „Reling-Sau“

Selbiger kann bei Christopher Geiß gleich abgesetzt bleiben – mit wunderbarer Stimme bezauberte er das Publikum und avancierte zu einem Star des Premierenabends. Apropos: Eine Sternstunde erlebt Jennifer Pahlke: Wie sie die frech-frivole Reno spielt, mit welcher Qualität sie singt und mit welcher Klasse und Körpersprache sie tanzt – Jennifer Pahlke ist ein Luxusliner auf dem TiC-Deck, sie ist eine echte Rampensau, pardon: Reling-Sau!

Das alles in einem perfekten Bühnenbild, das mit schnaubenden Schornsteinen im Hintergrund die Atelier-Bühne in ein Doppeldeck verwandelt; mit einer Choreografie, die das i-Tüpfelchen ist, verbindet sich im TiC zu einer begeisternden Boots-Partie; um im Bild zu bleiben: Die MS America ist ein Top-Schiff – Buchung dringend empfohlen! Bordkarten für „Anything goes“ gibt es unter Telefon 0202 – 47 22 11 oder im Internet unter www.tic-theater.de.