Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

01.06.2015, 19.05 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Hl. Ewalde: Die Kinder kamen und gingen – Edeltraud Thon blieb

Artikelfoto

Prägte über vier Jahrzehnte die Entwicklung der katholischen Kindertagesstätte Hl. Ewalde: Edeltraud Thon.

An der Hauptstraße 100 endete im Mai 2015 eine Ära: Edeltraud Thon ging in den Ruhestand. Als im April 1974 der Kindergarten der Katholischen Gemeinde Hl. Ewalde eröffnete, war sie die Gründungsleiterin – „nach 41 Jahren und ein bisschen“, wie die Küllenhahnerin ihre lange Dienstzeit umschreibt, räumte sie nun ihren Schreibtisch.

Die Wehmut hat sie bei der Überraschungs-Abschiedsfeier, welche für sie „ausgeheckt“ wurde, vielleicht doch noch gepackt. Zu Beginn ihrer letzten Arbeitswoche blickte Edeltraud Thon aber voller Vorfreude auf ihr Ausscheiden: „Irgendwie ist es jetzt gut“, verneinte die 65-Jährige, dass sie traurig sei: „Ich hab’ ja schließlich auch Familie.“ Vor allem soll nun mehr Zeit fürs Enkelkind sein, aber auch für die vielen Hobbys.

Als die Kinder mittags noch nach Hause gingen…

Egal ob sich in die Freude noch ein paar Abschiedstränchen mischten, Edeltraud Thon konnte auf jeden Fall zufrieden ihren Schreibtisch räumen: In den vergangenen mehr als vier Jahrzehnten hat sie einiges an der Hauptstraße 100 bewegt. Als die gebürtige Düsseldorferin 1974 begann, war die katholische Einrichtung der erst zweite Kindergarten in Cronenberg: „Damals wusste kaum jemand, was ein Kindergarten ist.“ Gemeinsam mit drei Erzieherinnen betreute Edeltraud Thon damals 90 Kinder in drei Gruppen. Die tägliche Betreuung, blickt die scheidende Leiterin zurück, erfolgte in zwei Etappen: vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 16 Uhr. Zwischendurch holten die Mütter ihre Kinder nach Hause – zum Mittagessen und für ein Mittagsschläfchen, heute kaum mehr vorstellbar…

Vom Kindergarten zum Familienzentrum

Heute ist der Ewalde-Kindergarten eine Tageseinrichtung für Kinder und hat von 7 bis 16 Uhr geöffnet, Mittagessen inklusive. Zwar werden nur noch 50 Kinder betreut, aber dafür hat Edeltraud Thon 15 Mitarbeiter. Schließlich gibt es an der Hauptstraße 100 eine U3-Betreuung und zwei integrative Gruppen. Seit 2006 ist die Einrichtung zudem eine integrative Tagesstätte – insgesamt zehn „Kinder mit besonderem Förderbedarf“ werden hier betreut.

Edeltraud Thon hat hierzu eine Ausbildung zur Heilpädagogin absolviert – vier Jahre lang neben dem Beruf, das war kein Zuckerschlecken. Damit nicht genug der Veränderungen: Seit 2010 ist die Kindertageseinrichtung zudem Familienzentrum NRW und damit auch in Sachen Bildung, Beratung und Betreuung Anlaufstelle für Kinder und Eltern in der Gemeinde, im Stadtteil und im gesamten Südhöhen-Pfarrverband.

„Alle Veränderungen mit viel Herzblut mitgemacht…“

„Es hat sich vieles verändert“, blickt Edeltraud Thon zurück und betont, dass sie alles mit viel Herzblut (mit-)gemacht habe: „Mir sind die Kinder und ihre Eltern sehr, sehr wichtig – und auch, dass es dem Team gut geht.“ Eines bedauert die Erzieherin und Heilpädagogin aber auch: Dass die Verwaltungsarbeit sie zunehmend in Beschlag nahm. Beispiel: Für die Aufnahme eines Kindes mit besonderem Förderbedarf sei allein für den Landschaftsverband ein elfseitiges Formular zu bewältigen, von der Computer-Pflege bis zur Glühbirne müsse sie sich um viele Dinge kümmern – Konsequenz: In den letzten Jahren war Edeltraud Thon von der erzieherischen Arbeit freigestellt: „Ich hatte kaum mehr die Zeit, die Kinder zu besuchen – dann kamen die Kinder eben zu mir ins Büro.“

An ihrem Abschiedstag haben die Kinder der katholischen Tagesstätte Edeltraud Thon aber sicher mal nicht ins Büro gelassen…