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11.06.2015, 17.30 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wege-Streit Rather Straße: Anwohner fordern Taten von der Stadt

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Bernhard Hagena (li.), Dirk Pelkmann und Udo Görts (mi.) fordern, dass die Stadt an der Rather Straße Alternativen aufzeigt.

„Hier muss eine Lösung gefunden werden“, stellte Vize-Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) in der Januar-Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg fest: „Ich erwarte von der Verwaltung, dass sie die Gespräche mit dem Eigentümer führt“, forderte der stellvertretende Bezirksbürgermeister eine „Lösung für die Allgemeinheit“ ein. Fast fünf Monate ist das her, getan hat sich an der Rather Straße indes nichts.

Rückblick:  Auf einer Wiese an der nördlichen Seite der Rather Straße entstehen schmucke Einfamilienhäuser. Mit dem Bauvorhaben ist es auch mit der Ruhe in der beschaulichen Straße vorbei: Sorgten zunächst Fragen der Energieversorgung und der Abwasserbeseitigung für Ärger, so erregt ein Wege-Streit seit gut einem Dreivierteljahr die Gemüter (die CW berichtete): Durch einen der Neubauten ist ein Weg, der bereits in über 100 Jahre alten Karten als Verbindung ins Kaltenbachtal eingezeichnet ist, gesperrt.

Trotz Anwohner-Drucks: „Der Weg bleibt zu!”

Am Waldrand zu wohnen, aber nur noch über Schleichwege beziehungsweise einen gehörigen Umweg ins Kaltenbachtal hinein zu kommen, das ärgert die Alt-Anwohner, vor allem die älteren und die mit Hunden. Entsprechend sauer sind sie: Mit einer Unterschriften-Aktion sammelten sie bislang rund 1.900 Unterschriften für die Wieder-Freigabe des Weges ins Kaltenbachtal. Der Druck ist also groß, doch der Neu-Eigentümer zeigte sich auch auf CW-Nachfrage standhaft: Der Weg bleibt zu.

Das ist sein gutes Recht: Auch wenn es letztlich um gerade einmal sieben Meter geht, durch die der Weg nun unterbrochen ist – diese sieben Meter gehören dem Unternehmer aus der Südstadt. Und nicht zuletzt, so berichtet der Familienvater, weil in den vergangenen Monaten wenig fein mit ihm umgegangen worden sei, beharrt der Häuslebauer auf seinem Recht. So seien Zucker in den Tank eines Baufahrzeuges geschüttet und Reifen zerstochen worden, erzählt der Mann, seine Kinder seien sogar auf der Straße und in der Schule angesprochen worden, zudem hätten Anwohner die Baustelle betreten und angekündigt: „Wir gehen hier weiter durch.“

Kritik an Stadt: „Wie man mit uns umgeht, ist ein Witz.“

Von derartigen „Übergriffen“ distanzieren sich Bernhard Hagena, Dirk Pelkmann und Udo Görts ausdrücklich und deutlich. Von ihrer Forderung, eine Wege-Verbindung ins Kaltenbachtal zurückzubekommen, rücken die Organisatoren der Unterschriftenliste indes keinen Zentimeter ab. Im Gespräch mit der CW zeigen sich die drei Anwohner-Aktivisten enttäuscht von der Politik: Nachdem nicht zuletzt Oberbürgermeister Peter Jung zugesagt habe, dass eine Lösung gefunden werden müsse, herrsche nun Funkstille – „wir haben das Gefühl, dass man uns beruhigen wollte“, fühlen sich die Anwohner „veräppelt“: „Wie man mit uns umgeht, ist ein Witz.“

Zum Scherzen ist Bernhard Hagena, Dirk Pelkmann und Udo Görts jedoch überhaupt nicht zumute: „Das ist ein Riesenstück Lebensqualität, das für uns verlorengeht“, fordern sie von der Stadt Lösungen. Schließlich habe die Verwaltung den Anwohnern die Suppe eingebrockt: Dadurch, dass der Verkauf eines Wiesengrundstückes genehmigt worden sei, sei der historische Weg nun unterbrochen: „Die Verwaltung hat Mist gebaut“, betonen Bernhard Hagena, Dirk Pelkmann und Udo Görts, „nun muss sie Alternativen aufzeigen“.

Forderung: „Stadt soll Bahn für Alternativ-Wege frei machen“

Und die gibt es auch: Etwa 50 Meter unterhalb des historischen Weges verläuft ein Trampelpfad entlang der sogenannten „Fliegerwiese“ in den Wald. Das Problem: Dieser Pfad ist ebenso in Privatbesitz wie der Weg, der am Kopf der Straße über einen Garagenhof führt. Diese Wege gelte es entweder zu sichern, fordern die Anwohner-Aktivisten, zeigen zugleich aber noch eine dritte Alternative auf: Am Beginn der Neubau-Zeile verlief entlang eines dortigen Hanges ein Wanderweg, der im Zuge der Bauarbeiten nun aber zum Teil verschüttet wurde.

Diesen Weg könne man doch wieder begehbar machen, lautet der Lösungsvorschlag von Bernhard Hagena, Dirk Pelkmann und Udo Görts – die Anwohner, versichern die Aktivisten, wären auch bereit, zu Hacke und Schaufel zu greifen, um den Weg buchstäblich wieder freizumachen. Auf CW-Nachfrage bei der Stadt war nicht viel zu dem Wege-Streit in der Rather Straße zu erfahren. Nur so viel wollte Stadt-Sprecherin Ulrike Schmidt-Keßler verraten, dass die Stadt derzeit dabei sei, Alternativen für den gesperrten Weg zu prüfen.