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07.08.2015, 13.47 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Katzen-Leid im Unterdahl: Helferkreis hui, Stadt pfui

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Sandra Schlienkamp koordiniert die privat organisierte Hilfsaktion zugunsten der Unterdahler Katzen.

Blick zurück: Mitte Februar 2013 war es, als die CW über ein „Katzen-Drama“ in der Hahnerberger Hofschaft Unterdahl berichtete: Etwa 25 halbwilde Katzen drohten angesichts der winterlichen Witterung zu verhungern, nachdem eine Familie die Fütterung eingestellt hatte.

Das befürchteten Anwohner, die das Tier-Leid nicht länger tatenlos hinnehmen wollten. Die in der Nachbarschaft wohnhafte Tierärztin Dr. Inge Aretz ergriff die Initiative: Gemeinsam mit einigen Mitstreitern übernahm sie die Versorgung der Tiere und ging über die CW an die Öffentlichkeit. Die Resonanz war riesig: Quer durch die Republik, ja sogar aus Österreich, gingen Futter- und Geldspenden bei den Dörper Tierfreunden ein – die Rettung der Katzen war damit geschafft.

Inge Aretz hatte aber auch ein grundsätzliches Ziel: Damit sich ein Katzen-Leid wie das im Unterdahl nicht anderswo in Wuppertal wiederholen könnte, versuchte sie, die Stadt, sprich Ordnungs- beziehungsweise Veterinäramt, für die Rettung  der „Miezen” ins Boot zu holen. Unterstützt vom Wuppertaler Katzenschutzbund und sogar der Tierrechtsorganisation Peta forderte sie eine Kastrationspflicht für „Freigänger-Katzen“ in Wuppertal.

Von 10 bis über 80: Zwölf Helfer kümmern sich

Zweieinhalb Jahre ist das nun her und die gute Nachricht lautet: 14 Katzen, längst allesamt kastriert, haben eine Art Großfamilie im Unterdahl gebildet: Im Rudel, so zeigt eine Handy-Aufnahme von Sandra Schlienkamp, trotten sie gemächlich zur Fütterung heran, schmusen sich unterwegs immer wieder aneinander – den Streunern geht’s ganz offensichtlich gut. Ordnungs- oder Veterinäramt haben dazu nichts beigetragen, das Unterdahler „Katzen-Happy-End“ ist nur der Privatinitiative zu verdanken.

Allen voran Sandra Schlienkamp: Die Tierarzthelferin hat mittlerweile den Staffelstab von Inge Aretz übernommen und koordiniert die Hilfe. Eine zwölfköpfige Helfergruppe kümmert sich um die Streuner. Vom zehnjährigen Kind bis zur über 80-jährigen Anwohnerin ist jede Altersgruppe vertreten – „wir sind wirklich eine richtige Einheit“, freut sich Sandra Schlienkamp.

„Dann würde ich halt nicht mehr in Urlaub fahren…“

Überdies hat eine Familie einen ehemaligen Ziegenstall auf ihrem Grundstück zur Verfügung gestellt – ob im Winter oder auch bei Krankheit, hier können die Miezen Unterschlupf finden, denn Sandra Schlienkamp und ihre Mitstreiter haben es den Katzen dort schön kuschelig gemacht. Jeden Morgen gegen acht Uhr schaut die 41-Jährige bei der Katzen-WG vorbei: Dann gibt’s Futter, frisches Wasser – im Winter auch angewärmt –, sonntags verwöhnt Sandra Schlienkamp die „Müter“ auch einmal mit Hühnerflügeln – das ist gut für die Zahnreinigung, weiß die Tierarzthelferin.

Nachmittags hat Sandra Schlienkamp frei, nach einem festen Plan übernehmen dann die Mitstreiter die Versorgung. Auch um das Futter mussten sich die Katzen-Retter bislang keine Sorgen machen: Es hat sich ein fester Spender-Kreis gefunden, sogar aus anderen Teilen der Stadt kommt Unterstützung. Zudem steht im Geschäft von Tierwelt Vollmer eine Spendendose für den Futterkauf – „es läuft“, freut sich Sandra Schlienkamp über die dauerhafte Unterstützung: „Und wenn nicht, dann würde ich halt nicht mehr in Urlaub fahren.“

„Ich bin nicht der Typ, der weggucken kann“, erklärt die 41-Jährige, warum sie sieben Tage in der Woche für die Unterdahler Katzen da ist: „Damals war das aus der Not geboren, mit der Zeit sind mir die Tiere ans Herz gewachsen.“ Und umgekehrt: Während Dicke, Dschingis Khan, Dreibein & Co. bei Fremden das Weite suchen und daher als unvermittelbar gelten, zeigen sie bei Sandra Schlienkamp kaum Scheu: „Sieben lassen sich streicheln“, lacht Sandra Schlienkamp, „die restlichen dulden mich“.

Dank für Unterstützung & Bitte um Spenden

Ob die hilfsbereiten Unterdahler Grundstücksbesitzer, der nette Nachbar, der stets rund um das „Katzenhaus“ senst, die aktive Helfer-Truppe, die treuen Futterspender oder auch Martin Vollmer, der in seinem Geschäft (Futter-)Spenden sammelt – Sandra Schlienkamp nutzt den CW-Bericht, um ihnen allen ausdrücklich Danke zu sagen: „So macht das alles Spaß.“

Gerade mit Blick auf den nächsten Winter sind weitere Futterspenden willkommen. Wer die Katzen-Helfer aus dem Unterdahl unterstützen möchte, kann Geld- oder auch Sachspenden gerne bei der Tierwelt Vollmer in Unterkirchen 23 abgeben.