15.09.2015, 19.30 Uhr   |   Andreas Schmidt   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Seilbahn zum „Süd“: Kritiker-Verein stellt die Frage nach dem Sinn

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Dort würde die Seilbahn im 16-Sekunden-Takt vorbeischweben: Martin Gülich (re.) und Kai Koslowski.

Sie sind keine Seilbahn-Gegner – sie sind Seilbahn-Kritiker, das stellen Martin Gülich und Kai Koslowski gleich zu Beginn unseres Treffens auf Küllenhahn klar. Gleichwohl gehören sie dem Verein „Seilbahnfreies Wuppertal“ an, der sich als Bürgerinitiative für ein Seilbahnfreies Wuppertal einsetzt.

Im noch frühen Stadium setzt der Verein auf die Aufklärung – insbesondere derer, die von dem Bau einer Seilbahn direkt betroffen wären. Und dies ist im Fall von Martin Gülich nicht der Fall – obgleich er den Verlauf der Bahn von seinem Grundstück aus sehen könnte. Schon als Student hat Gülich sich mit der Idee einer städtischen Seilbahn auseinandergesetzt und nach eigenen Angaben dabei gelernt, dass einige Parameter auch schon in einem recht frühen Planungsstadium feststehen sollten.

„Wie würden Sie reagieren, wenn alle 16 Sekunden ‘ne Gondel vorbeikommt?“

Dies ist im Fall der Seilbahn auf die Südhöhen aber nicht der Fall, mokieren Gülich und seine Mitstreiter. Planungen für Seilbahnen habe es auch schon in Hamburg, Ulm, Ingolstadt und anderen Städten gegeben. Alle seien am Widerstand der Bürger gescheitert. „Wie würden Sie reagieren, wenn alle 16 Sekunden eine Gondel an Ihrer Wohnung oder Ihrem Balkon in geringer Höhe vorbei fliegt“, stellt der Verein „Seilbahnfreies Wuppertal“ in seinem Flyer die Frage, an der sich die Gemüter erhitzen.

Glaubt man der Meinung des Vereins, sind alle Politiker „wild entschlossen, den Bau durchzudrücken“. Demnach handele es sich bei der Bahn um ein Prestigeobjekt für die Regionale 2025, das sich nicht an den Gegenargumenten der Bürger störe. Nach Ansicht von Kai Koslowski sei es „rechtswidrig“, die Bahn nach den vorliegenden Entwürfen zu bauen. Er nennt Stichworte wie Privatsphäre und Enteignung.

Platzprobleme an der Bergstation: „Wie soll das alles darauf passen?“

Fakt ist, dass es an der Bergstation auf Küllenhahn eng werden könnte – auf dem Freigelände neben der Feuerwehr sollen die Halle für 45 Gondeln, die Technik mitsamt der nötigen Infrastruktur und ein Großraumparkplatz angelegt werden. „Wie soll das alles auf das Areal passen“, fragt sich nicht nur Koslowski. Die Platzprobleme ließen sich nicht wegdiskutieren.

Zudem ist den beiden Seilbahn-Kritikern aufgefallen, dass keiner der Politiker im bevorstehenden OB-Wahlkampf eine verbindliche Aussage machen könne. „Wir vermissen Stellungnahmen zum Projekt und schulden dies der Wahl“, kritisiert Koslowski. Er und Martin Gülich verlangen konkrete Zahlen, denn auch über das zu erwartende Fahrgastaufkommen und über die „Ausdünnung“ des bestehenden Busliniennetzes habe man bisher zu wenig Angaben gemacht. Mehr Infos zum Verein „Seilbahnfreies Wuppertal“ gibt’s hier.

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