20.09.2015, 14.25 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Botschafter Thomas Strieder: Flüchtlinge als Deutschland-Kapital

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Auch mal wieder schön, in der Heimat zu sein: Die CW traf Botschafter Thomas Strieder in der „Hütte“, der Cronenberger Altstadt.

Das ist Thomas Strieder: Der gebürtige Sudberger hat es im wahrsten Sinne weit gebracht – seit 2014 ist der 57-Jährige der deutsche Botschafter in der Republik Kongo. Als sich Strieder kürzlich mal wieder beruflich von Brazzaville nach Berlin aufmachte, legte er privat eine Zwischenstation bei den Eltern in Sudberg ein.

Die CW nutzte die Gelegenheit, um sich mit Thomas Strieder zu einem Gespräch zu treffen, denn Gesprächsstoff bietet der Deutschland-Vertreter mehr als genug: Seit fast 30 Jahren ist er im diplomatischen Dienst, war ebenso in Ägypten, Polen und Tunesien tätig wie in Indonesien, Mali und Afghanistan oder auch in Tschechien – Thomas Strieder ist rumgekommen in der Welt…

„Wir können aus den Flüchtlingen einen großen Nutzen ziehen“

„Es gibt viel zu erzählen“, sagt der Diplomat, aber im CW-Gespräch stand natürlich ein Thema im Mittelpunkt: die aktuelle Flüchtlingswanderung und die Diskussionen um die deutsche Aufnahmebereitschaft. Thomas Strieder hat nicht zuletzt aufgrund seiner rund 30-jährigen diplomatischen Erfahrung eine feste Meinung dazu: „Wir können aus den Flüchtlingen einen großen Nutzen ziehen.“

Die Flüchtlinge würden eines Tages ganz überwiegend zurück in ihre Heimat gehen, aber dann in großer Verbundenheit zu Deutschland. Das fand Thomas Strieder zum Beispiel in Afghanistan: In der dortigen Regierung hatte er es mit einer Vielzahl hochrangiger Vertreter bis hin zu Ministern zu tun, die fließend Deutsch sprachen und extrem deutschfreundlich waren, weil sie zuvor Aufnahme in Deutschland gefunden hatten: „Das ist ein großes Kapital“, appelliert Thomas Strieder daher, die derzeitigen Flüchtlinge nicht als Belastung, sondern als Bereicherung zu sehen.

„Angst ist irrational und basiert auf Unkenntnis…“

An die Adresse alljener, die Angst vor den Asylsuchenden haben, die das Boot Deutschland für voll halten, sagt Thomas Strieder: „Ängste sind verständlich, aber Angst ist irrational und basiert vor allem auf Unkenntnis – die Menschen sind überall gleich“, unterstreicht der Diplomat sein Credo.“ Der Botschafter ist sich sicher, dass Deutschland eine „riesige Integrationskraft“ habe und die Flüchtlingswelle bewältigen könne.

Schließlich, so Thomas Strieder, habe es ja Völkerwanderungen immer schon gegeben – „warum also nicht auch heute – wir alle kommen aus Afrika…“.

Den kompletten Bericht über den Sudberger Thomas Strieder, den deutschen Botschafter in der Republik Kongo, lesen Sie in der nächsten Print-Ausgabe der CW.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Klaus vom Kuchhausen
    20.09.2015, 14:38 Uhr   |   Direktlink

    Schön zu lesen, dass auch das politische Establishment positive Worte für die Integrationskraft der deutschen Gesellschaft findet. Vergessen wird häufig, dass dies insbesondere wegen der bereits bestehenden Vielfalt unserer Gesellschaft die Integrationskraft verstärkt hat. Wirklich anstrengend und auch unerträglich ist das politische Gerede. Der Diplomat aus der Republik Kongo ist mitverantwortlich für Handelsabkommen zwischen der EU und zentralafrikanischen Staaten, die wirtschaftlich langsam ausbluten und die Bevölkerung die Flucht suchen muss. Wann werden Fluchtursachen endlich beleuchtet und die Mitverantwortlichen kritisch befragt und das diplomatische Gehäuchel journalistisch gestoppt. Wir werden die Integrationskraft haben, aber nicht wegen der PolitikerInnen und DiplomatInnen.

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