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08.10.2015, 16.14 Uhr   |   Andreas Schmidt   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Sportzentrum: Flüchtlinge ziehen in der zweiten Ferienwoche um

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Wuppertals Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn macht keinen Hehl daraus: Die Unterbringung der Flüchtlinge stellt alle Beteiligte vor hohe Herausforderung. Der Umstand, dass Asylsuchende derzeit noch in den Sporthallen am Schulzentrum Süd auf Küllenhahn und an der Erich-Fried-Gesamtschule an der Blutfinke in Ronsdorf untergebracht sind, sei lediglich ein Provisorium, erklärt Kühn.

Die Bemühungen der Stadt bei der Suche nach neuen, geeigneten Objekten laufen nach wie vor ungehindert weiter. Ziel ist es, zwischen 160 bis 200 Flüchtlingen monatlich zu einer eigenen Wohnung zu verhelfen. „Die Besichtigungen von geeigneten Objekten laufen auf Hochtouren“, berichtet Michael Neumann, Produktmanager der Stadt für soziale Einrichtungen. Angebote von Eigentümern nimmt die Stadtverwaltung per E-Mail an die Adresse wohnungsangebote @ stadt.wuppertal.de an – die Rückmeldung kann aufgrund der vielen Anfragen allerdings einige Tage beanspruchen.

80 Prozent bereits in der eigenen Wohnung

Derzeit leben bereits 80 Prozent der Wuppertaler Flüchtlinge in den eigenen vier Wänden. „Sie sollen so in Nachbarschaften leben, die Regeln und Anforderungen eines deutschen Alltags kennenlernen“, umschreibt Stefan Kühn. Für den Fall, dass es zu Missverständnissen zwischen den alten und den neuen Nachbarn kommt, hat das Service-Center der Stadt Wuppertal eine Hotline eingerichtet. Unter der Rufnummer 563-90 08 können sich Anwohner melden, die sich beispielsweise durch Lärm oder Abfall belästigt fühlen. Aber: „Auch auf positive Rückmeldungen und Anregungen der Wuppertaler freuen wir uns“, berichtet Sozialdezernent Stefan Kühn.

Augenblicklich werden auch weitere Alternativen zu den beiden Turnhallen gesucht – die ehemalige Werkzeugfabrik Belzer an der Hastener Straße macht dabei den Anfang: Die Umbauarbeiten stehen unmittelbar vor der Fertigstellung. „Hier haben wir die Möglichkeit, die Schlaf- und Wohnbereiche sowie Koch- und Haushaltsräume auf zwei Etagen zu verteilen“, berichtet Michael Neumann. Durch Aufstellung von Sichtschutzwänden im Schlafbereich soll ein „Mindestmaß an Privatsphäre“ für Gruppen von 15 bis 20 Personen geschaffen werden. Diese werden von Sozialarbeitern zusammengestellt. Im oberen Stockwerk stehen etwa 2.000 Quadratmeter zur Verfügung, im Erdgeschoss noch einmal 1.000 Quadratmeter. „Zuvor mussten Böden verlegt und die vorhandene Heizungsanlage ertüchtigt werden“, erläutert Neumann. „Die Umbauzeit ist rekordverdächtig“, freut er sich über das zügige Voranschreiten der Arbeiten, die am 9. September in Auftrag gegeben wurden.

Sporthallen nach den Ferien wieder frei

In rund drei Wochen haben alle Beteiligten in Tag- und Nachtarbeit das schier Unmögliche möglich gemacht. Der Umzug soll in der zweiten Herbstferien-Woche erfolgen – nachdem Betten und Habseligkeiten von der Sporthalle Küllenhahn an die Hastener Straße transportiert sind, werden die Flüchtlinge in Bussen zur neuen Unterkunft gebracht. Die Kosten für diese Aktion in Höhe von rund 500.000 Euro trägt das Land. Auch die Küllenhahner Kleiderkammer wird nach den Herbstferien umziehen.

Bis zum letzten Sonntag der Herbstferien sollen die Sporthallen auf Küllenhahn dann zurückgebaut sein, sodass zum Schulbeginn am 19. Oktober 2015 dort wieder ganz regulär Sportunterricht stattfinden kann. „Nach den Ferien wird wieder Normalbetrieb herrschen“, ist sich Michael Neumann sicher. An der Hastener Straße wird ebenfalls weiter gebaut: Während die Flüchtlinge vorerst in eine Halle im hinteren Teil des Belzer-Geländes ziehen, wird auch der Büro-Trakt zur Straße hergerichtet. Hier sollen Anfang Dezember dann bis zu 150 Flüchtlinge unterkommen, die der Stadt Wuppertal zugewiesen wurden. Und für kostenloses Internet ist ebenfalls gesorgt: Der Verein Freifunk Wuppertal stellt für die Flüchtlinge an der Hastener Straße WLAN-Router auf.

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