03.11.2015, 19.55 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Flüchtlinge: In Bussen zur Registrierung – und ins Ungewisse…

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Einige Ehrenamtliche von „Willkommen in Cronenberg“ waren kurzfristig zur Verabschiedung der Flüchtlinge ans Belzer-Gelände gekommen.

Da kullerte am heutigen Dienstagvormittag, 3. November 2015, auf dem Belzer-Gelände auch das eine oder andere Tränchen: Nach knapp acht Wochen Aufenthalt in Cronenberg wurden die rund 300 Flüchtlinge aus der Notunterkunft an der Hastener Straße in Bussen nach Herford gebracht. In der dortigen Registrierungsstelle auf dem Gelände der Harewood-Kaserne werden die Flüchtlinge registriert und dann auf Städte und Gemeinden verteilt.

Bei den Ehrenamtlichen von „Willkommen in Cronenberg“, allen voran Co-Sprecherin Ursula Abé, die zu der Abreise an die Hahnerberger Notunterkunft gekommen waren, wogten die Gefühle hin und her. Abseits des Abschiednehmens herrschte vor allem Verständnislosigkeit, und zwar im Hinblick auf das Prozedere der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg: Kaum jemand der Flüchtlinge schien informiert, wo die Reise hingehen würde und ob man wieder nach Wuppertal zurückkehren könne – die Fahrt nach Herford war also eine Reise ins Ungewisse.

Gleiches galt für die Helfer von „Willkommen in Cronenberg“: Nachdem sie in den vergangenen acht Wochen Kontakte geknüpft, Patenschaften übernommen oder Sprachkurse und Sportangebote auf die Beine gestellt hatten, könnte die Praxis der Bezirksregierung die bereits geleisteten Anstrengungen zur Integration der 300 Dörper Flüchtlinge mit einem Schlag kappen. Thomas Orth, der Sprecher von „Willkommen in Cronenberg“, informierte die Ehrenamtlichen des Dörper Bündnisses bereits, dass die Angebote vorerst ausgesetzt werden.

Registrierungspraxis ist „ohne Sinn und Verstand…“

Zwar spricht Stadt-Sprecher Thomas Eiting davon, dass etwa 80 Prozent der Flüchtlinge an die Hastener Straße zurückkehren könnten. Dabei, so unterstreicht Eiting, handele es sich aber um einen „Erfahrungswert“ – definitiv weiß auch bei der Stadt niemand so recht, was mit den Cronenberger Asylsuchenden weiter geschieht. „Es sollte darüber nachgedacht werden, ob eine mobile Registrierung nicht sinnvoller wäre“, kritisierte Bündnis-Co-Sprecherin und Bezirksbürgermeisterin Ulla Abé, dass die Flüchtlinge „ohne Sinn und Verstand durchs Land“ gebracht würden.

„Viele wissen gar nicht, wohin es geht, wo sie heute Abend sein werden“, schloss sich Susanne Weinberg, Mitorganisatorin der Kleiderhalle von „Willkommen in Cronenberg“, der Kritik an der Bezirksregierung an: „Was muss das für ein Gefühl sein, besonders für die Kinder.“ Zwar sei den Ehrenamtlichen klar gewesen, dass die Flüchtlinge eines Tages aus der Dörper Notunterkunft eventuell auf andere Städte verteilt würden. „Das ändert jedoch nichts an der Unsinnigkeit der Registrierung“, spricht sich Co-Sprecherin Ulla Abé für eine dezentrale und mobile Form in den jeweiligen Städten beziehungsweise den Notunterkünften aus.

Hierfür hatte sich auch Wuppertals Sozialdezenernt Dr. Stefan Kühn stark gemacht – allerdings vergeblich. Damit steht fest: Die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen, ohne die vieles in Wuppertal und ganz Deutschland im Zuge der Flüchtlingswelle überhaupt nicht möglich wäre, wird durch die zentrale Registrierung und Verteilung konterkariert – und die vielbeschworene Integration der Flüchtlinge damit auch.

Zudem steht fest: Freiwerdende Plätze von Flüchtlingen, die nicht nach Cronenberg zurückkehren, werden durch Neuankömmlinge besetzt.

 

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