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07.12.2015, 19.40 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Für die ganze Familie: Klassiker „A Christmas Carol“ im TiC

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Ebenezer Scrooge (Joachim Rettig, li.) hat mit Weihnachten nichts im Sinn – zunächst, denn am Ende des Dickens-Stücks gibt's natürlich ein weihnachtliches Happy End. -Foto: Martin Mazur

Vor mehr als 170 Jahren schrieb Charles Dickens eine Geistergeschichte zum Fest. Mit seiner Erzählung „A Christmas Carol“ wollte er auf die Nöte armer Menschen hinweisen. Am ersten Advent 2015 feierte der Klassiker nun Premiere im TiC: Passend dazu erlebten die Zuschauer an der Borner Straße eine wunderschöne, amerikanisch-kitschige Inszenierung von Thomas Gimbel.

Ein Heiligabend am Ende des 19. Jahrhunderts: Geschäftsmann Ebenezer Scrooge (Joachim Rettig) findet Weihnachten mit Güte und Mitgefühl Unsinn. Er hat sich ganz der Arbeit und seinem Geld verschrieben. Wie jedes Jahr schlägt Scrooge die Einladung seines Neffen (Robert Pflanze) zum Weihnachtsessen aus, beschimpft seinen treuen Mitarbeiter Bob Cratchit (Alexander Bangen), faul zu sein, weigert sich, den Armen etwas für die Feiertage zu spenden.

In der Nacht erscheint ihm der Geist von Jacob Marley (Ulrich Ratunde), Scrooges ehemaligem Geschäftspartner. Dieser rät ihm, sein Leben zu ändern, wenn er weiterhin so kaltherzig und geizig bliebe, würde er nach dem Tod in alle Ewigkeit dafür büßen. Kurz vor seinem Abschied kündigt Marley drei weitere Geister an, die Ebenezer besuchen würden. Der erste Geist (Max Erdmann) entführt Scrooge auf eine Reise in seine Vergangenheit. Sie besuchen einige Weihnachtsfeste in Ebenezers Kindheit, auch jenes, auf dem er seine große Liebe kennenlernte, die er schließlich aber wieder verließ – des Geldes wegen. Scrooge ist erschüttert.

Der zweite Geist bringt Scrooge zu seinem verarmten Sekretär Bob Cratchit, den er stets schlecht behandelte. Trotz Armut feiert man ein schönes Weihnachten, auch wenn der jüngste Sohn Tim (Max Erdmann) aufgrund einer Behinderung an Krücken geht. Jetzt zeigt Scrooge Mitgefühl und der Geist verrät, dass Tim nicht mehr lange zu leben hat – Scrooge ist fassungslos. Der dritte Geist schließlich bringt den bereits erschöpften alten Mann zum Friedhof und zur zukünftigen Weihnacht: Menschen auf der Straße unterhalten sich über einen alten, geizigen Mann, der vor kurzem verstorben sei – niemand trauert ihm nach.

Scrooge verspricht sich zu ändern und als er am Weihnachtsmorgen erwacht, lässt er zunächst einen großen Truthahn für Bob Cratchit und dessen Familie kaufen – sollte er „über Nacht“ tatsächlich ein anderer geworden sein… Es ist einfach eine Wonne, wie neun TiC-Darsteller die 24 Charaktere des Dickens-Klassikers spielen. Ulrich Rattunde berlinert als witziger Geist, der kleine Max Erdmann stemmt gleich drei Rollen, Giuliana Dziewas, Alexander Klein, Monika Owart und Livia Caruso singen und tanzen zudem unter der Choreografie von Jennifer Pahlke – nicht zuletzt die Musik von Stefan Hüfner trägt zu einem wunderbaren Weihnachtsgefühl bei.

Joachim Rettig in der Hauptrolle beeindruckt ebenso mit Unbeherrschtheit wie er in seiner Kinderliebe zu Tiny Tim anrührt. Die unglaublich verwandelbare Bühne von Jan Bauerdick und authentische Annodazumal-Kostüme von Gela Banerjee runden eine weihnachtliche Geschichte ab, die etwas für Jung und Alt ist und die sich Familien nicht entgehen lassen sollten.

Karten für das weihnachtliche Familienstück im TiC-Theater gibt’s unter Telefon 0202 47 22 11 und im Internet unter der Adresse www.tic-theater.de.