03.02.2016, 17.50 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

0 Kommentare

Kabarett-Talfahrt 2015: Wuppertal wie es singt und lacht…

Artikelfoto

Zogen wieder das Wuppertal-Jahr durch den Kakao und hatten dabei auch selbst viel Spaß: Ulrich Rasch, Jens Neutag und Jürgen H. Scheugenpflug (v.l.n.r.).

Aller guten Dinge sind landläufig drei. In der Bergischen Metropole ist das anders: Jens Neutag, Ulrich Rasch und Jürgen H. Scheugenpflug bewiesen auch mit der siebten Auflage ihrer „Talfahrt“, dass Wuppertal mehr als genug Stoff für „verflixte“ Kabarettabende bietet. Und das erwarteten auch die Freunde des Trios: Beide Gastspiele des satirischen Jahresrückblicks 2015 im Knipex-Forum waren ausverkauft – die bodenständigen Cronenberger sind halt auch für satirische Heimatpflege zu haben.

Da mussten „Scheuge“, Neutag und Rasch auch nicht groß bitten, als sie zur Einstimmung traditionell die Bergische Hymne anstimmten: Bereitwillig erhob sich das Publikum zum Bergischen Heimatlied von den Sitzen und legte die Hand aufs Herz! Bei ihrem folgenden „Schwitzgalopp“ durchs vergangene Jahr ging es aber weniger um rauschende Wälder oder klingende Ambosse: Endlos-Staus, Schulden, Döpps-Umbau, Seilbahn, OB-Wahl und, und eine gehörige Portion „Dunkel-Wuppertal“, sprich Barmen – „da ist meine Heimat, mein Bergisches Land“. Oder mit den Worten des Kabarett-Trios: „Siehste, dat is Wuppertal.“

Bei Integrationsverstößen: Abfallkalender abnehmen

Die Bundespolitik spielte diesmal eine Nebenrolle. Ums Thema „Flüchtlinge“ gab’s aber kein Herumkommen: Mit offenen Armen habe man sie im Herbst empfangen, blickte Jens Neutag zurück – jetzt halte man eher eine Armlänge Abstand… Zur CSU-Forderung nach einer Integrationspflicht warf Neutag die Frage auf, wie man diese denn wohl messen wolle? Etwa ob die Mülltonnen pünktlich rausgestellt werden? Falls nicht, na dann würde eben der Abfallkalender eingezogen.

Schüsse auf den Manuelskotten: In Cronenberg ist Schützenfest…

Das war’s mit dem Blick über den Tellerrand – liegt’s daran, dass Jens Neutag neuerdings in Cronenberg zu Hause ist? Das Dorf jedenfalls wurde so oft wie nie zuvor auf der „Talfahrt“ gestreift. So die vom „asozialen Netzwerk, Sektion Kohlfurth“ verübten „Antiterroranschläge“ gegen die Wahl-Plakate des rechten OB-Kandidaten Stranzenbach. Oder die Schüsse auf den Manuelskotten: 30 Schüsse und kein Treffer – „in Cronenberg ist Schützenfest“, schlussfolgerte Jürgen H. Scheugenpflug, um zur Überalterung Cronenbergs einen Vorschlag zu unterbreiten: ein Seniorenstift im Manuelskotten…

Dass in Cronenberg kein Augenarzt mehr ansässig ist, erklärt für Jens Neutag „den Bekleidungsstil der Ortsansässigen“: die Älteren trügen beige, die Jüngeren bevorzugten neon-beige – Neutag selbst übrigens erschien in „dunkel-beige“. Zum „Leuchtturm-Projekt Seilbahn“ schlugen Neutag/ „Scheuge“ „Stadt der Hängepartien und Seilschaften“ als neuen Wuppertal-Slogan vor. Verständnis zeigten sie für die Seilbahn-Gegner – wer lebt schon gerne in der Angst, dass Tuffi in den Garten plumpst…

Marijke Amado: „Das ist ja wie in Amsterdam hier“

Ihr Fett bekamen auch die Südhöhen-Nachbarn weg: Dass Marijke Amado befand, Ronsdorf sei wie Amsterdam, machte für die Kabarettisten klar: „Die muss zuvor im Coffee-Shop gewesen sein.“ Weiteres Beispiel dafür, dass Ronsdorf die besten Schlagzeilen 2015 lieferte: das „Drama“ um Otto Monhof. Als Baby wurde er vertauscht – mit einem Mädchen! Zum Glück bemerkte eine Krankenschwester das Missgeschick… Apropos Glück: Das wünschten die Talfahrer Karl-Heinz Kleine: Wenn er endlich das Bernsteinzimmer fände, wäre Kämmerer Slawig seine Überschuldungssorgen los…

Keine glückliche Hand bescheinigten die „Heimatpfleger“ indes beim Granatenfund am Döppersberg: „Ich hätte das Ding gezündet, dann wär‘ der Abriss schneller gegangen.“ Dass die Bahn viele Millionen mehr in den Hagener Hauptbahnhof als in den Wuppertaler steckt, ist für Jürgen H. Scheugenpflug nachvollziehbar: Der größte Teil gehe schließlich in einen Sichtschutzzaun, damit von Hagen nichts aus dem Zug zu sehen sei – da darf der Wuppertaler mal über andere lachen! Dass der Bahnhof Oberbarmen für zu dunkel gehalten wird, leuchtet Jens Neutag nicht ein: „Ich hätte richtig Angst, wenn es dort heller wäre.“

Jung-„Comeback“: Vom Schuldenberg auf den Kahlen Asten

Aber die Barmer Seele wurde auch gestreichelt: Hier sei der Mittelpunkt der Stadt – zumindest aus Navi-Sicht, denn diese verorten die Mitte dort, wo das Rathaus steht. Apropos Rathaus: Zum OB-Wahl-Sieger Andreas Mucke machten Neutag/Scheugenpflug keine „Mucke für Mucke“, sondern sangen „Forever young“ auf Peter Jung: „Du warst fleißig, nur das sah keine Sau – die standen im Stau…“ Das Comeback des Ex-OB als Neu-Vorsitzender des Sauerländischen Gebirgsvereins quittierte „Scheuge“ mit dem Kommentar: „Vom Schuldenberg auf den Kahlen Asten.“

Neben dem „Abgesang“ auf Peter Jung sorgten weitere musikalische „Einstreuer“ auch diesmal für eine abwechslungsreiche „Talfahrt“: Ein weihnachtliches Wuppertal-Potpourri („Vom Eckbusch hoch, da komm‘ ich her…“), der Reiser-Hit „Wenn ich König von Wuppertal wär’“ oder auch ein Udo-Jürgens-Mix („Merci, merci, für die Stunden im Stau…“, „Griechischer Wein gibt’s nur in Oberbarmen“, „In 12 bis 14 Jahren, dann ist der Mist vorbei, dann ist die B7 wieder frei…“) rundeten den spaßigen Heimatabend ab. Ohne das übliche „Liebeslied“ auf Wuppertal als Zugabe ließ das begeisterte Publikum Ulrich Rasch, Jürgen H. Scheugenpflug und Jens Neutag aber nicht von der Bühne.

Fazit: Wuppertal mag das Tal des Wahnsinns sein – Humor ist aber, wenn man trotzdem lacht. Und die „Talfahrt“ 2015 machte lachen!

Fotogalerie zu diesem Artikel

Den Artikel teilen:

Lesermeinungen zu diesem Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Veröffentlichte Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bitte achten Sie bei Ihrer Meinungsäußerung unbedingt auf einen respektvollen Umgang anderen gegenüber. Beleidigungen, werbliche Einträge sowie Kommentare ohne Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht.