Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

19.05.2016, 13.23 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Seniorentanztheater: Alter schützt vor Ausdruckstanz nicht

Artikelfoto

Opernhaus statt Kreuzung Ortsmitte: Sabine Zeller und Klaus-Dieter Westhoff treten mit dem Seniorentanztheater Claudio li Mura im ausverkauften Opernhaus auf.

„Wir können vielleicht nicht mehr so hoch hüpfen, aber wir können authentisch sein“, betont Klaus-Dieter Westhoff. Der Journalist aus Cronenberg ist seit etwa zwei Jahren Ensemble-Mitglied des Wuppertaler Seniorentanztheaters Claudio li Mura.

Als die Kompanie rief „Wir brauchen Männer“, stieß der damals 65-Jährige hinzu, schließlich schützt reiferes Alter auch vor Tanzen nicht: „Es gibt einen Haufen Leute, die sich strafverschärfend bewegen wollen“, schmunzelt der tanzende Journalist. Kompanie-Kollegin Sabine Zeller ist mit ihren gerade erst 56 Jahren ein „Nesthäkchen“ des Tanztheaters. Mit Hans-Dieter Westhoff verbindet sie die Bewunderung von Pina Bauschs Tanztheater und die Freude am Tanzen.

Bei Westhoff war es der Tango, bei Sabine Zeller der Standard-Tanz: „Dabei ist man aber sehr eingeengt“, erklärt die Cronenbergerin, warum Claudio li Mura ihre Leidenschaft fürs Tanztheater entfachte: „Er fordert uns auf, uns selbst einzubringen; er sagt uns, wir sollen authentisch sein, er kitzelt unser Innerstes nach außen.“ Damit steht die Kompanie des Cronenbergers in der Tradition von Pina Bausch, der li Mura stets seine Stücke widmet: „Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt“, lautet ein bekannter Bausch-Satz, Claudio li Muras choreografische Arbeit wird von demselben Interesse geleitet.

„Bei Claudio li Mura darf man einfach machen…“

„Er gibt uns den Impuls“, beschreibt Sabine Zeller. „Drückt aus wie es ist, wenn man sich auf einer Party unwohl fühlt“ oder „Denkt an das Schlimmste, was euch passiert ist“, lauten solche Impulse – dann startet das Experiment: „Da wird nicht gedrillt, bei Claudio li Mura kann man machen“, beschreibt Klaus-Dieter Westhoff den „spannenden Prozess“: „Man traut sich auch an Sachen, die man sonst nie machen würde.“ Für Sabine Zeller ist die Entwicklung hin zu einer Choreografie („Man muss sich teilweise auch überwinden“) „etwas Subversives“: „Es passiert einfach…“

Am stärksten sei der Effekt bei den männlichen Mitgliedern des Tanztheaters: Sie fremdelten zunächst, merkten erst allmählich, dass Bewegung erwünscht sei, weiß Klaus-Dieter Westhoff auch aus eigener Erfahrung: „Dann kommen sie aus sich raus – das ist ein großes Abenteuer.“ Sich mit 65 Jahren in das Abenteuer Tanztheater gestürzt zu haben, bereut der Dörper Journalist auch abseits der Bühne nicht: Die Chemie in der Kompanie stimme, um so viele neue Kontakte knüpfen zu können, hätte er sonst einen Schrebergarten mieten müssen, lacht Westhoff: „Ich fühle mich im Seniorentanztheater ziemlich gut aufgehoben.“

Seniorentanztheater: Mittänzer stets herzlich willkommen

Wer den Geist der li-Mura-Kompanie und ihr neuestes Stück „Gazhebo“ kennenlernen möchte, muss sich noch etwas gedulden: Die Aufführung am 19. Mai 2016 im Opernhaus ist rstlos ausverkauft. Aufgrund der großen Nachfrage im Vorverkauf sind weitere Aufführungen für den Herbst angepeilt. Willkommen sind auch stets neue Mitglieder von 55 bis 80 Jahren – „wir möchten Mut machen, dass man auch im Alter noch was machen kann“, appellieren Sabine Zeller und Klaus-Dieter Westhoff an ihre Altersgenossen, sich auf die Tanztheater-Bühne zu trauen.

Mehr Infos im Internet unter www.seniorentanztheater.com.