Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

17.06.2016, 20.19 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Ende 2016? Sudberger Kult-Gaststätte „Odenwaldhaus“ schließt

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Ob früher oder später: „Odenwaldhaus“-Inhaberin Gabriele Ehrhardt (re.), hier mit Annette Kaatz, ihrer jahrzehntelangen „rechten Hand“, mit der sie auch freundschaftlich verbunden ist, macht bald Schluss. -Foto: privat

Es gibt Gaststätten, da geht man hin, um etwas zu trinken und/oder zu essen – wenn’s geschmeckt hat, kommt man vielleicht wieder. Und es gibt Gasthäuser, da geht man nicht nur hin, um den Durst zu löschen und/oder den Magen zu füllen, da fühlt man sich auch ein stückweit wie zu Hause. Letztlich ist das eine Sache des Geschmacks, doch das Sudberger „Odenwaldhaus“ darf sicher zu den Häusern gezählt werden, die auch abseits der Speisekarte anziehen.

Wirtin Gabriele Ehrhardt steht seit 36 Jahren am Oberheidt 63 hinterm Tresen und viele Vereine sind bei ihr zu Hause. Bei ihr dürfen die Kleintierzüchter noch ausstellen, die Fußballer des SSV zum Bingo laden, der Sängerhain-Chor proben und sich die Sudbürger treffen – das „Odenwaldhaus“ ist ein Sudberger Nabel. Mit ihrer lecker-bodenständigen Küche, aber auch ihrer herzlich-ehrlichen Art hat sich Gabi Ehrhardt im Dörper Süden Kult-Status erarbeitet – man ist „bim Gabi“ oder geht zur „Ele“.

Verhandlungen laufen, aber noch nichts unterschrieben

Auch wenn sie eigentlich nie Wirtin werden wollte – es hat sich also gelohnt, dass Gabriele Ehrhardt aus Verbundenheit zu ihren Großeltern ihr Studium abbrach und die Sudberger Gaststätte einst übernahm. Die 62-Jährige ist mit Leib und Seele dabei, aber ihr Leben lang hinterm Tresen stehen, das möchte sie auch wieder nicht: Gabriele Ehrhardt wird ihre Gaststätte aufgeben. Auch wenn die „Dorftrommel“ etwas anderes vermeldet, die Sudbergerin betont, dass noch nichts in trockenen Tüchern sei.

Gabi Ehrhardt bestätigt vielmehr, dass Verhandlungen zum Verkauf von Haus und Grundstück laufen – bis zum Ende des Jahres werde das „Odenwaldhaus“ aber auf jeden Fall geöffnet bleiben. Alle anderslautenden Gerüchte stimmten nicht und seien sogar geschäftsschädigend, betont Gabriele Ehrhardt: „Ich werde doch meine Gäste nicht im Stich lassen und von heute auf morgen zumachen“ – alle Zusagen für Feiern und Ähnliches werde sie einhalten.

Ganz Sudberg dann ohne Gaststätte

Und falls ein Verkauf zuvor über die Bühne gehen sollte, dann werde sie vertraglich fixieren lassen, dass die Gaststätte auf jeden Fall bis Jahresende geöffnet bleibt. Tja, und wenn die Verhandlungen platzen sollten, auch nicht schlimm – „ich habe ja keinen Druck, dann mach‘ ich auch noch ein Vierteljahr weiter“.

Dass die nahende Aufgabe für den Ortsteil Sudberg ein herber Schlag sein wird, weiß die Wirtin: Als sie anfing, habe es im Dörper Süden noch sechs Kneipen gegeben, mit dem „Odenwaldhaus“ schließt nun die letzte. Gabriele Ehrhardt bemühte sich ein Jahr lang um einen Nachfolger – vergeblich. Es gab zwar Interessenten, der Passende war jedoch nicht darunter. „Das ist zwar bitter für den Sudberg, aber das ist die Entwicklung in allen ländlichen Gebieten.“

„Meine Gäste werden mir fehlen…“

Insofern wird sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge die „Odenwaldhaus“-Tür abschließen: Viele Gäste seien zu ihren Freunden geworden („Sie werden mir fehlen“), auch die Vereine, die dann nach einem neuen Domizil suchen müssten, täten ihr leid. „Aber irgendwann muss man mal aufhören“, nach zehn Jahren in einer Fernbeziehung wolle sie nun nicht mehr hin- und herfahren: „Irgendwann geht jeder in Rente.“

Aber bis es so weit ist, verspricht Gabriele Ehrhardt, wird es noch so einige Events im „Odenwaldhaus“ geben: Ob Kneipen-Quiz, Bingo-Abend, Rudelsingen oder Konzert – man darf weiter gespannt sein, was „bim Gabi“ noch so alles passiert. Fest steht schon: Aktuell gibt’s EM-Rudelgucken am Oberheidt, wenn Deutschland weiterkommt, wird dann auch samstags oder sonntags aufgemacht…