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19.07.2016, 20.09 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

CFG-Abschied von „Direx“ Schröder: „Hut ab vorm Lebenswerk!“

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„Volles Haus“ herrschte im Pausenzentrum des Schulzentrums Süd, als die Schüler des Carl-Fuhlrtott-Gymnasiums ihren „Direx“ Karl W. Schröder verabschiedeten.

In der fünften Stunde machten alle Schüler und Lehrer des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) am 1. Juli 2016 „blau“: Sie gingen jedoch nicht ins Wochenende, eine Woche vor Beginn der Sommerferien verabschiedete das Küllenhahner Gymnasium vielmehr seinen Leiter.

Karl W. Schröder war bereits seit 1979 an der Schule im Schulzentrum Süd tätig. Nach 21 Jahren davon als „Direx“ ging Schröder zum Schuljahresende in den Ruhestand. Das „Adieu“ der Schulgemeinde geriet zum emotionalen Spektakel: Das Pausenzentrum war so voll wie sonst selbst in den Pausen nicht, als die Schüler für ihren scheidenden Schulleiter sangen, tanzten und Schülersprecherin Hanne Schacht eine bewegende Abschiedsrede hielt. Das war’s aber noch nicht – Höhepunkt der Verabschiedung war ein „Flashmob“ auf dem Osthof.

Auf uns“: Das CFG tanzt für seinen Schulleiter

Alle rund 1.700 Schüler und Lehrer tanzten zu den Klängen der Bourani-Hymne „Auf uns“ – wobei das „Bourani–Hoch“ natürlich auf Karl W. Schröder gemünzt war.  Als alle zum Finale des größten Tanz-Ereignisses, welches das CW-Land wohl je gesehen hatte, mit weißen Taschentüchern dem CFG-Leiter im zweiten Stock des Schulzentrums zuwinkten, hatte Karl W. Schröder Tränen in den Augen. Damit war der „blaue“ Freitag für Schröder aber keineswegs gelaufen, am Abend folgte der zweite Teil seiner Verabschiedung vor rund 350 geladenen Gästen im Pausenzentrum.

Umrahmt von Musik und Tanz der Ensembles des Fuhlrott-Gymnasiums, einer Gesangseinlage der ehemaligen CFG-Schülerin Evelin Werner oder auch der Fuhlrott-Gymnasiastin und Extraklasse-Harfinistin Hannah Hablitzel erhielt Karl W. Schröder bei der abendlichen Verabschiedung aber nicht einfach nur seine Pensionierungsurkunde. Wie schon am Mittag ließ man den Schulleiter ein zweites Mal kräftig hochleben.

OB Andreas Mucke: „Was für ein Abschied…“

Die Schar der Festredner und ihre Worte wie der gesamte Tag am Fuhlrott-Gymnasium machten deutlich: Hier wurde nicht jemand formal verabschiedet, Karl W. Schröder wurde regelrecht gefeiert. Dass an diesem Abend ein Mann und sein „Werk“ gewürdigt werden sollten, das zeigte nicht nur die illustre Gästeschar auf. Auch dass fast das gesamte CFG-Kollegium, viele ehemalige Lehrer oder auch Schröders seinerzeitiger Sowi-Leistungskurs ins PZ gekommen waren, setzte Ausrufezeichen.

Sabine Drübert und Eva Linnartz, die charmant durch den Abend begleiteten, führten ein Weiteres an: Am Mittag sei es mucksmäuschen still gewesen als Schröder seine Abschiedsworte an die Schülerschaft hielt, berichteten die CFG-Lehrerinnen – „das kriegen wir kaum mit 30 Schülern hin“, skizzierten Drübert und Linnartz das Kompliment der Schülerschaft an ihren „Direx“. „Was für ein Abschied“, zeigte sich auch Oberbürgermeister Andreas Mucke beeindruckt. Das zeige, dass Schröder wohl alles richtig gemacht habe. Er wisse nicht, ob OBs so verabschiedet würden – „eher nicht“, klang es da aus der ersten Reihe. Mucke-Vorgänger Peter Jung hatte reingerufen, ohne sich zuvor gemeldet zu haben – da lachte das Pausenzentrum…

Ex-OB Jung: „Es gibt ein Leben nach dem Amt…“

Europaschule und zugleich MINT-EC-Schule („Das gibt’s in ganz NRW nur drei Mal“), Einrichtung der Schülersternwarte, Schulpreis und erst jüngst der einzige NRW-Bundessieg im Wettbewerb „Jugend forscht“ – „die Schule hat sich unheimlich entwickelt“, würdigte OB Mucke. Detlef Appenzeller, der Sprecher der Wuppertaler Gymnasien, stellte auch heraus, dass sein Vorgänger Schröder die Gymnasien im Tal acht Jahre lang kollegial und vertrauensvoll vertreten habe: „Hut ab vor deinem Lebenswerk, Applaus für deine großen Leistungen“, schloss der Gymnasien-Sprecher.

Peter Jung sprach in Doppelfunktion – als ehemaliger Schülervater sowie als Ex-OB, der gern mit Schröder zusammengearbeitet habe: Schröder habe das CFG zu einem der besten Gymnasien in NRW geformt – „heute geht ein ganz toller Mensch, der nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen gearbeitet hat“, sagte Jung, um Schröder aus eigener Erfahrung mit auf den Weg zu geben: „Es gibt ein Leben nach dem Amt…“.

Schülersprecherin Hanne Schacht hatte nicht nur einen Dank („Sie haben das gewuppt“) im Gepäck, sondern auch ein Video von der Verabschiedung am Mittag – insbesondere bei den Sequenzen vom Tanz-Flashmob kam da Gänsehaut auf. Viel Zeit der Rührung war jedoch nicht, denn Hartmut Eulner „wuppte“ den Abschiedsabend dann: Der Leiter der „Hausgenossen“ von der Friedrich-Bayer-Realschule riss die Zuhörer, aber auch Karl W. Schröder und seine Ehefrau Dorothee zu Lachsalven hin.

FBR-Leiter Eulner: „Wie lebe ich weiter ohne dich…?“

In seiner mit vielen Anekdoten aus 23 gemeinsamen Leiter-Jahren im Schulzentrum gepickten Rede bezeichnete Eulner seinen Kollegen als grandiosen Schulentwickler. Eulner unterstrich das kollegiale Miteinander. Dieses hat dazu geführt, dass der Übergang von der FBR aufs CFG problemlos funktioniert und heute etwa ein Drittel der Abiturienten ehemalige Realschüler sind. Die vielleicht sogar freundschaftliche Zusammenarbeit bereite ihm jedoch in letzter Zeit auch Sorgen, gab Hartmut Eulner zu. Denn: „Wie lebe ich weiter ohne dich?“

Eulner hob auch auf die fußballerischen Qualitäten von Schröder ab, der Ex-Weltmeister Julio Cesar bei einem Besuch im Süd im Elfmeterschießen schlug. Er erinnerte ebenso an die gemeinsamen Treffen beim Eintopf – zum Abschied gab’s da vom FBR-Leiter eine „Eintopf-Flatrate“ für seinen „kongenialen“ Partner. Zum Abschluss zeigte sich auch Juliane Krüger von der Bezirksregierung beeindruckt von dem Abend: Das „unglaubliche Programm“ zeige, warum Karl W. Schröders guter Ruf über Wuppertal hinaus bis nach Düsseldorf gereicht habe. Es freue sie, so Krüger bevor sie dem CFG-Leiter die Urkunde überreichte, dass der „Jugend-forscht“-Bundessieg noch in Schröders Amtszeit gefallen sei.

„Er hat die Schule groß gemacht…“

Mit Ernst-Andreas Ziegler trat ein weiterer ehemaliger Schülervater sowie der Initiator der Junior-Uni ans Rednerpult. Ziegler benannte Schröder, der dem Beirat der Junior-Uni angehört, als einen der wichtigsten pädagogischen Mutmacher des Projekts („Ohne ihn wäre die Junior-Uni niemals so weit gekommen“), das CFG stelle heute die meisten Schüler-Dozenten am Loh. Ziegler berichtete aber auch, dass er seinen mittlerweile erwachsenen Kinder vom Schröder-Abschied erzählte habe. Sie hätten gesagt, sie seien gerne zur Schule gegangen, zudem hätten sie gemeint: „Er hat unsere Schule groß gemacht.“

Im Chor der Lobredner wartete Schulpflegschaftsvorsitzender Martin Auerbach indes mit einem „Flecken“ auf der blütenweißen Schröder-Weste auf: Dass er die Anschaffung einer Friteuse zu verhindern gewusst habe, sei ein Makel der Schröder-Ära – mit dem Nachfolger sei die Friteuse bereits eingestielt: „Es gibt bald Pommes“, kündigte Auerbach an und hatte damit die Lacher auf seiner Seite – auch den von Karl W. Schröder…

Dank an CFG-Stellvertreterin: „Wir haben uns gut ergänzt…“

Bevor der beeindruckende Abschiedsabend dann bei Kölsch und Currywurst bodenständig ausklang, trat Karl W. Schröder selbst ans Mikrofon: Er bezeichnete sich als sprachlos und spielte den Ball weiter. Der Erfolg der Schule habe viele Mütter und Väter, wie die Lehrer- und Elternschaft, das freundliche und kompetente Sekretariat, aber auch die Vereine des CFG – „solche Menschen machen die Schule aus“, dankte Schröder für ihr Engagement.

Ein besonderer Dank ging an Dr. Cornelia Wissemann-Hartmann: „Ich denke, wir haben uns gut ergänzt“, so Schröder an seine Stellvertreterin. „Die Leiter kommen und gehen, am traditionsreichen CFG geht es weiter“, schloss Karl W. Schröder und appellierte, seinem Nachfolger Vertrauen entgegenzubringen – als er dann vom Rednerpult trat, erhoben sich alle Gäste im Pausenzentrum, um ihre Anerkennung mit stehendem Applaus zum Ausdruck zu bringen.

Ob am Mittag oder am Abend, ob Schüler, Lehrer oder Ehrengäste und wie unsere nachfolgende Foto-Galerie beweist – der Abschied vom Schulzentrum wurde Karl W. Schröder so richtig schwer gemacht. Aber auch ziemlich schön…

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