Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

05.08.2016, 16.55 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Was soll das? Bunte Rohrstummel beflügeln die Fantasien

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So sehen sie aus, die mysteriösen Rohrstummel, die auf Küllenhahn aus dem Boden ragen und für Rätselraten sorgen.

Etwa 15 Zentimeter ragen Rohre an einem Hang unterhalb des Sportzentrums Süd oder auch entlang des Jung-Stilling-Wegs Rohre aus dem Boden. Die Enden sind blau, rot oder auch pink markiert – was mag es damit wohl auf sich haben? Diese Frage beflügelt die Fantasien von Passanten: „Jeden Tag muss ich da vorbei. Ich frag mich jedes mal, wofür die sind“, wird auch im sozialen Netzwerk „facebook“ gerätselt.

„Das sind Raketenstationen für Silvester“, lautet eine Vermutung; „Belüftungen für Maulwürfe, weil die mit dem Regen nicht klarkommen“, lautet eine andere. An eine „Basis für eine Chemtrail-Sprühanlage“, denkt ein anderer fb-Nutzer und meint damit zugleich die Wetter-Schuldfrage gelöst zu haben: „Daher auch das Sauwetter zur Zeit. Die arbeitet schon ziemlich gut…“. Auch in Richtung „Nass“, allerdings von „Wildpinklern“, denkt ein weiterer „Ratefuchs“: „Sitzpoller zum Pullern“ seien die bunten Rohre auf Küllenhahn, vermutet er.

Des Rätsels Lösung ist nichts von alledem und die Rohre haben auch nichts mit „ersten Fundamenten für die Seilbahn“ zu tun – sie hängen vielmehr mit der in Bau befindlichen Fernwärmetrasse von der Korzert zum Viehhof zusammen. Wie berichtet, bauen die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) für rund 40 Millionen Euro eine 3,2 Kilometer lange Leitung, über die das Netz entlang der Talachse ab 2018 aus dem Müllheizkraftwerk Korzert mit Fernwärme gespeist werden soll.

Um die Behinderungen für das Schulzentrum Süd in Grenzen zu halten, nutzen die Baufirmen die Sommerferien, um die Fernwärmeleitung über den West-Schulhof zu verlegen. Da der Boden für die recht stattlichen Fernwärmerohre mehrere Meter tief ausgeschachtet werden muss, wird der Trassenverlauf in Verdachtsflächen zuvor nach Kampfmitteln aus dem Krieg untersucht. Und hier kommen nun die aus dem Boden ragenden bunten Rohrstummel ins Spiel.

Zur Suche nach Kampfmitteln werden vor der Verlegung von tiefliegenden Leitungen Rohre in den Boden gebohrt. Um mögliche Blindgänger aufzuspüren, werden dann in jedem einzelnen Bohrloch magnetische Tiefensondierung durchgeführt. Bislang, so ein Vertreter der ausführenden Baufirma, fand sich bei den Sondierungen nichts – auch auf Maulwürfe sei man nicht gestoßen und mit dem Schmuddel-Sommer hätten die Bohrungen sowieso keinen Einfluss, versichert der Mann der CW.