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15.08.2016, 20.00 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Seilbahn: „Man wundert sich, warum es sie noch nicht gibt…“

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Informierten den Bundespolitiker Matthias Gastel (2.v.r.) vor Ort auf Küllenhahn über die Wuppertaler Seilbahn-Idee: Grünen-Ratsfraktionschef Marc Schulz (2.v.l.) sowie Peter Vorsteher (li.) und Axel Sindram von der Initiative „Pro Seilbahn“.

Einen Tag Wuppertal absolvierte Matthias Gastel in der vergangenen Woche: Auf Einladung von Marc Schulz, dem Vorsitzenden der Grünen-Fraktion im Stadtrat, informierte sich der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete 8. August 2016 unter anderem auch über die Idee einer Seilbahn vom Hauptbahnhof nach Küllenhahn.

Während die Seilbahn-Gegner ihre Teilnahme nach Worten von Marc Schulz abgesagt hatten, waren Peter Vorsteher und Axel Sindram von der Initiative „Pro Seilbahn“ an den Jung-Stilling-Weg gekommen, um den Verkehrspolitiker über die Ideen ins Bild zu setzen. Der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion zeigte sich von den Wuppertaler Plänen angetan.

Seilbahn zum Süd: „Eine interessante Option“

Ob der Berg-Tal-Topografie der Stadt und durch die Anbindung an Hauptbahnhof, Universität sowie Schulzentrum und Schwimmsport-Leistungszentrum (SSLZ) sei die Seilbahn eine „interessante Option“ – „das sollte Potenzial haben“, befand Matthias Gastel, unterstrich jedoch, dass die Bahn in den öffentlichen Nahverkehr integriert werden müsse.

Angesichts der Überlastung vieler Straßen, der Feinstaub-Problematik, aber auch horrender Neubaukosten zum Beispiel von U-Bahnen drängten sich Seilbahnen als urbane Verkehrsmittel geradezu auf. Leise, sauber, wenig Flächenverbrauch, relativ energieeffizient, vergleichsweise günstig, wit­terungsunabhängig und Hindernisse überwindend – „es gibt viele überzeugende Argumente für Seilbahnen“, so Matthias Gastel.

Entsprechend wusste der Grünen-Verkehrspolitiker auch zu berichten, dass es bundesweit zahlreiche Seilbahn-Pläne gäbe, allein in seiner Heimat Baden-Württemberg weiß Gastel von zehn Projekten. Die stecken jedoch allesamt im Ideenstadium, soweit fortgeschritten wie in Wuppertal sei man kaum anderswo.

Und zwar auch deshalb, weil Seilbahnen in puncto Rahmenbedingungen noch ziemlich in der Luft hingen. Zwar, so weiß Gastel auch, verfüge NRW über ein Seilbahn-Gesetz. Es gebe allerdings kaum Referenzen – die Folge: „Man malt sich die Szenarien aus und es ist schwer Widerstände zu widerlegen.“ Allerdings: Eine mögliche Störung der Privatspähre hält Gastel auch schon für das einzige spezifische Contra-Kriterium.

Ein Pilotprojekt für ganz Deutschland?

Auf der anderen Seite seien Seilbahnen schnell, ihre Kapazität liege über denen von Bussen, sie seien störungsfrei „und, und, und – man fragt sich eigentlich, warum gibt’s noch nicht mehr“. Matthias Gastel wundert sich jedoch nicht: Neben der rechtlichen Ausgestaltung liege der Grund dafür darin, dass Seilbahnen weder in den Ländern noch im Bund auf dem Schirm der Fördertöpfe für Verkehrsprojekte stünden.

Noch nicht, glaubt Gastel: Eine kleine Anfrage an die Bundesregierung sei schon auf den Weg gebracht, dazu strebt der Verkehrspolitiker einen Antrag der Grünen-Bundestagsfraktion an, um Seilbahnen ab 2019 durch den Bund förderfähig zu machen. Insofern ermunterte Gastel seinen Wuppertaler Parteifreund Schulz am Ball zu bleiben. Denn dann hätte Wuppertal nicht nur eine Attraktion mehr, sondern auch deutschlandweit ein Pilotprojekt vorzuweisen – wie die Schwebebahn, mit welcher der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete am Abend zuvor durchs Tal gefahren war…