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31.08.2016, 19.26 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

60 Jahre „Rigi“-Turm: Zeitzeuge Horst Strohmeier erinnert sich

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Lebt seit 60 Jahren gerne am Fuße des Küllenhahner Fernmeldeturmes: Horst Strohmeier ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, die den Bau des „Rigi“-Turmes miterlebt haben.

Er zählt mit seinen 98,5 Metern Höhe zu den höchsten Gebäuden Wuppertals und zumal er auf 330 Metern Höhe am Jung-Stilling-Weg steht, ist er von weithin zu sehen: der Fernmeldeturm Küllenhahn.

Der Betonturm ist – nüchtern betrachtet – ein schmuckloses Technikbauwerk, seine vier Antennenplattformen geben ihm jedoch so etwas wie ein unverwechselbares Gesicht – vielleicht auch deshalb verkörpert der „Rigi Kulm“, wie der Turm im Volksmund genannt wird, für viele aus dem CW-Land ein Stück Heimatgefühl. Steuert man aus der Ferne kommend die Südhöhe an, dann zeigt die rot-weiße Spitze an: Bald ist man wieder zu Hause – der „Rigi“ ist ein bisschen wie ein Heimat-Leuchtturm.

Rasend schnell wuchs der Turm in die Höhe

Das Dörper Wahrzeichen feiert in diesem Jahr runden Geburtstag: 60 Jahre ist der Fernmeldeturm alt; als er 1956 neben einem 35 Meter hohen provisorischen Gittermastturm errichtet wurde, war er einer der ersten Fernmeldetürme aus Stahlbeton Deutschlands. Horst Strohmeier hat den Bau des „Rigi Kulm“ miterlebt: Rasend schnell sei es gegangen, ein Lkw nach dem anderen sei mit Beton angerückt, das Baugerüst sei mit dem Stahlbetonturm in die Höhe gewachsen, erinnert sich der 89-jährige Küllenhahner – im April 1956 war Baubeginn, noch im selben Jahr ging der Turm in Betrieb.

Die Welt rund um die Straße Am Theishahn, in der Horst Strohmeier sein Leben lang zu Hause ist, war damals noch eine andere: Wo heute das Schulzentrum Süd und das Schwimmsport-Leistungszentrum stehen, war 1956 nichts – der „Rigi“-Turm wurde buchstäblich auf die grüne Wiese gesetzt. Ebenso schauten die Menschen ganz überwiegend noch in die Röhre: Zwar ging das Deutsche Fernsehen bereits 1952 an den Start, aber wer konnte sich damals schon den Luxus eines Empfangsgerätes leisten? Horst Strohmeiers Eltern jedenfalls nicht.

„Holländer“ geguckt: Fernseh-Hersteller testeten am „Rigi“

Abgesehen davon: Auf Küllenhahn war das Erste wohl auch nicht zu empfangen. Wie Horst Strohmeier noch weiß, testeten die deutschen Hersteller von Fernsehgeräten nach Fertigstellung des Küllenhahner Fernmeldeturmes nämlich nicht mit dem deutschen Programm. Nein, auf den „Mattscheiben“, welche Grundig, Nordmende oder Metz zu Testzwecken in der damaligen Gaststätte „Rigi Kulm“ aufgestellt hatten, lief ein holländischer Sender.

„Wir haben unser Bier getrunken und holländisches Programm geguckt“, schmunzelt Horst Strohmeier über die kleinen, bescheidenen Schwarz-Weiß-Bilder, die ständig von fünf, sechs Monteuren überwacht wurden: „Der Wirt freute sich und für uns war das ein Erlebnis – Hauptsache Fernsehen.“

Vielleicht auch wegen der Vorfreude regte sich auf Küllenhahn keinerlei Protest, als der 100-Meter-Turm in die Höhe gezogen wurde: Man sei in der Nachkriegszeit froh über jeden Neubau gewesen, erzählt Horst Strohmeier: „Wir haben sogar noch Beifall geklatscht.“ Bei aller Begeisterung: Die Heimatgefühle für den Turm, in dessen Schatten er seit 60 Jahren lebt, halten sich bei dem früheren Einkaufsleiter der Wicküler-Brauerei in Grenzen.

Seilbahn: „Die sollen schnell machen – ich will noch damit fahren“

Vielleicht habe er sich im Laufe der Jahrzehnte daran gewöhnt, aber so dolle sei der „Rigi“ ja nun auch nicht, meint Horst Strohmeier nüchtern: „Mit dem Kölner Dom würde ich den Turm nicht vergleichen.“ Als Störfaktor empfindet der Küllenhahner seinen Wohnzimmerblick aber auch nicht und: Vielleicht sei der Turm ja ein guter Blitzableiter – eingeschlagen habe es in sein Haus jedenfalls noch nie.

Trotzdem: Seinem „Nachbarn“ aufs Dach steigen, das würde der Küllenhahner gerne einmal – oben drauf auf dem Fernmeldeturm war Horst Strohmeier nämlich noch nie. Und noch einen Wunsch hat der Küllenhahner – dass die Seilbahn gebaut wird: „Die sollen sofort anfangen – ich bin 89 Jahre alt und möchte noch damit fahren…“