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28.12.2016, 17.59 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Flugzeug-Absturz im Fokus: Es hätte auch das Dorf treffen können

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Die Gastgeber Gerd und Olaf Hensel (re.) mit Autorin Veronika Wolf.

Zum Abschluss 2016 der Reihe „Literatur auf dem CronenBerg“ wurde es mit Autorin Veronika Wolf dramatisch: Die Remscheiderin trug bei der 20. Lesung in den Räumen von Foto-Media-Hensel aus ihrem Tatsachenroman „Schweigende Stadt“ vor. Dieser befasst sich mit dem Absturz eines US-Kampfflugzeuges, bei dem am 8. Dezember 1988 in Remscheid-Hasten ein ganzer Straßenzug verwüstet wurde. Sieben Menschen starben, 56 Personen wurden teils schwer verletzt.

Außergewöhnlich viele Zuhörer waren zur „Literatur auf dem Cronenberg“ gekommen, als Autor Jürgen Kasten, damals als Kripo-Beamter vor Ort, Veronika Wolfs Buch als „Harte Kost“ ankündigte. Auch 28 Jahre danach, so befindet Veronika Wolf, ist der Absturz ein brisantes Thema. Wolf lebte damals unterhalb der betroffenen Stockder Straße. In ihrem Tatsachenroman, an dem sie zwei Jahre arbeitete und in dem sich Fakten und Fiktion vermischen, schildert sie aus persönlicher Sicht den Flugzeugabsturz und vor allem seine Folgen. Die Katastrophe stellte das Leben der Autorin, damals Mutter von vier kleinen Jungen, auf den Kopf.

„U.S. Air Force hat Ermittlungen nicht endgültig offen gelegt…“

„Es begann damit, dass ein Mann vor der Tür stand. Er forderte mich auf, eine Woche nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Es sei ein amerikanischer Kampfbomber abgestürzt mit chemischen Waffen an Bord.“ Zuvor hatte sie in ihrer damaligen Wohnung an der David-Dominicus-Straße einen ohrenbetäubenden Knall gehört – nun wusste sie, was dahinter steckte. Bis heute, so findet Veronika Wolf, ist vieles im Zusammenhang mit dem Absturz nicht aufgeklärt: Die U.S. Air Force habe ihre Ermittlungen nicht wirklich offen gelegt, es gebe keine Erklärung für den Absturz.

Die Autorin, die mittlerweile in Wuppertal wohnt, schrieb das Buch 2015. Sehr deutlich und eindringlich, teils mit zitternder Stimme, schilderte Veronika Wolf die Katastrophe. Im Mittelpunkt des Tatsachenromans (244 Seiten), der wie ein Tagebuch auch über viele Jahre nach dem Absturz erzählt, steht Laura, eine Anwohnerin an der Absturzstelle – ebenso wie die Autorin ist auch sie Mutter von vier Söhnen, voller Sorge um die Gesundheit ihrer Familie.

Infos zum Buch & nächste „Literatur auf dem CronenBerg“

Anhand von Laura schildert Veronika Wolf die Geschehnisse des 8. Dezember 1988, aber auch wie sehr Menschen heute noch leiden und nicht vergessen können. Viele seien krank geworden, einige sogar infolge von Krebserkrankungen verstorben. Und auch wie es überhaupt zu der Katastrophe kommen konnte, sei auch fast 30 Jahre „danach“ ungeklärt…

Wer „Schweigende Stadt“ lesen möchte, kann das Buch unter der ISBN Nr. 978-3-00-047485-9 für 14,95 Euro erwerben. Ein Euro geht als Spende an den BUND Remscheid zur Durchführung weiterer Untersuchungen im Absturzgebiet. Die nächste Lesung „auf dem CronenBerg“ ist am 18. Februar 2017. Dann kommt Lehrer und Autor Arne Ulbricht an die Hauptstraße 1.

Bei der 21. Buchvorstellung geht es dann wie immer ab 17 Uhr bei Foto-Media-Hensel um „Nicht von dieser Welt“, einen Roman über einen Lehrer, der keinen Ausweg mehr weiß. Der Eintritt ist frei.