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15.02.2017, 20.19 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

AfD-Kandidatur: Presbyter von Südstadt-Gemeinde zurückgetreten

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Superintendentin Ilka Federschmidt (mi.) während der Versammlung im Gemeindesaal der Christuskirche. Links im CW-Bild Pfarrerin Angelika van der List. -Foto: Matthias Müller

Am 5. Februar 2017 lud der Kirchenkreis Wuppertal nach dem Gottesdienst zu einer Gemeindeversammlung in die Christuskirche ein. Zuvor waren 16 der 17 Presbyter der Evangelischen Kirchengemeinde Elberfeld-Südstadt zurückgetreten. Der Grund: Die Kandidatur des Mit-Presbyters Dr. Hartmut Beucker für die Alternative für Deutschland (AfD) bei der kommenden Landtagswahl am 14. Mai.

Das politische Engagement Beuckers sorgt bereits seit November 2016 für ein Zerwürfnis in dem Leitungsorgan der Südstadt-Gemeinde.
Während der 54-Jährige darin keinen Interessenskonflikt sieht, sondern seine AfD-Kandidatur als Privatsache betrachtet, beurteilen die übrigen Presbyter das anders: Sie sehen in AfD-Positionen Unvereinbarkeiten mit der evangelischen Kirche und zum Beispiel dem Engagement der Südstadt-Gemeinde für Flüchtlinge. Das Presbyterium forderte Beucker daher zum Rücktritt aus dem Leitungsgremium auf.

„Kunstgriff“: Durch Komplett-Rücktritt auch AfD-Kandidat kein Presbyter mehr

Beucker trat daraufhin im Dezember zwar als stellvertretender Vorsitzender der rund 7.500 Mitglieder zählenden Gemeinde zurück. Aus dem Presbyterium wollte er sich aber nicht zurückziehen. Eine verhärtete Patt-Situation, der das „Rest“-Presbyterium nun ein Ende bereitete: Durch den gemeinschaftlichen Rücktritt Ende Januar löste sich das Gremium de facto selbst auf: Der Kreissynodalvorstand muss aufgrund der Beschlussunfähigkeit des Presbyteriums nun einen Bevollmächtigtenausschuss zur Leitung der Gemeinde einsetzen – auch Hartmut Beucker ist mit dem „Kunstgriff“ sein Amt los.

Am 23. Februar, so erläutert die ehemalige Vorsitzende des Presbyteriums, Elke Schwarzlos, soll die Zusammensetzung des Ausschusses geklärt werden. Bis zur Neuwahl des Presbyteriums führt Superintendentin Ilka Federschmidt geschäftsführend die Geschicke der Gemeinde. „Es ist eine schwierige Situation und ein tiefer Schaden entstanden“, stellte Ilka Federschmidt auf der Gemeindeversammlung fest: Das habe auch Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Gemeinde wie der Kirche insgesamt.

Hilfe für Flüchtlinge und Rumänien der Gemeinde – wie passt das mit AfD-Mitgliedschaft zusammen?

„Wie passt die AfD mit der Flüchtlings- oder der Rumänien-Hilfe zusammen?“, wollte das ehemalige Presbyteriumsmitglied Christoph Voigt wissen, um zu betonen: Man wolle nicht in die Nähe der AfD gerückt werden. Der Kollektiv-Rücktritt stieß bei den Teilnehmern im vollen Gemeindesaal auf breite Zustimmung. Einige fanden, dass Hartmut Beucker bei einer neuen Presbyteriumsneuwahl nicht wieder antreten solle.

Bis zur Neuwahl können bis zu neun Monate vergehen. Selbst wenn Hartmut Beucker wieder antreten sollte, wenn er keine Stimmen erhielte, könne er auch nicht erneut Presbyter werden, stellte Ilka Federschmidt klar. Zugleich unterstrich die Superintendentin, dass der Kreissynodalvorstand über das weitere Verfahren mit den Gemeindegliedern im Gespräch bleiben wollen.