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05.04.2017, 16.28 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Slam-Gottesdienst“: Martin Luther „etwas anders“ im Mittelpunkt

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Die Poetry Slammer des „Etwas anderen Gottesdienstes“ in der Nikodemuskirche.

Der erste „Etwas andere Gottesdienst“ 2017 der Evangelischen Gemeinde Cronenberg in der Nikodemuskirche stand unter dem Motto: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Der Satz, den der Reformator Martin Luther der Legende nach 1521 vor dem Reichstag zu Worms gesagt haben soll, klingt bis heute nach und in diesem Jahr ganz besonders. Schließlich wird im Reformationsjahr 2017 der 500. Jahrestag des Anschlags der 95 Luther-Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg begangen, der als Beginn der Reformation gilt.

Zu diesem großen Jubiläum hatte sich das „Nikodemus-Team“ um Pfarrer Thomas Hoppe etwas Besonders ausgedacht: einen „Poetry Slam“, also einen modernen Dichter-Wettstreit um Martin Luther anstatt einer Predigt. Bevor die fünf Slammer in der vollen Sudberger Kirche loslegten, hatten sie sich eine Woche zuvor in einem Work-shop von Katrin Rahel Weiß sowie David Grashoff coachen lassen. Letzterer hat auch schon mit TV-Slammer Torsten Sträter zusammengearbeitet.

Auch die Pfarrerin slammte mit…

120 Luther-Zitate standen zur Auswahl, fünf Minuten Zeit für jeden, Katrin Rahel Weiß trat dabei außer Konkurrenz auf. Anne Riedel berichtete in ihrem Beitrag, dass ihre Mutter einst gesagt habe: „Sie fing an zu reden und hörte nie wieder auf.“ Nun studiert Riedel Theologie und slammte zu dem Luther-Zitat: „Es ist die größte Torheit, mit vielen Worten nichts zu sagen.“ Pfarrerin Jutta Weigler hatte sich die Luther-Worte: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“, ausgesucht – die Dörper Pfarrerin hielt sich daran…

„Wenn Gott keinen Spaß versteht, möchte ich auch nicht in den Himmel“, sagte Jürgen Borchardt mit Martin Luther, um sich lustige Gedanken zu der Frage zu machen: „Sind die Menschen ernst und humorlos?“ Am Ende befand er dazu: „Gott hat Humor.“ Presbyteriumsvorsitzende Anke Borchardt zitierte Luther mit dem Satz: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn. Der hat einen breiteren Hals und kann’s wohl tragen.“ Am Ende ihres Vortrages stellte sie fest: „Das schwierigste am Werfen ist das Loslassen!“ Als letzte in der Runde dachte Natascha Butz über den Luther-Satz nach: „Die Beleidigung wird nie vergessen, die Wohltat schon“. Ihr Fazit dazu: „Liebe deinen Nächsten und bleibe dir selbst treu.“

Zwischendurch sorgte die Gruppe „Sound of Joy“ für Live-Musik, die Lust auf die jeweils folgenden Beiträge machte. Zum Abschluss wurde per Applaus-Stärke der Favorit gewählt: Anne Riedel gewann – kein Wunder, wenn man nicht nur reden kann, sondern auch noch die richtigen Worte findet… Nach dem „Luther Wettstreit“ stellten sich Katrin Rahel Weiß sowie David Grashoff vielen Fragen und beantworteten alle geduldig. Auch von daher brachte der erste „Etwas andere Gottesdienst“ im Luther-Jahr den Cronenbergern neue Ansichten und Einsichten.