Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

27.07.2017, 14.15 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Alles Gute, Herr Stratmann!“: „Rotties“-Schulleiter verabschiedet

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Im Rahmen des bewegenden Abschiedsfests bekam Gerd Stratmann unter anderem von den bisherigen Erstklässlern der grundschule Rottsieper Höhe auch eine kleine Schultüte geschenkt. -Foto: Meinhard Koke

Die einen gingen nicht mehr zur Schule, andere blieben (leider) sitzen, wieder andere wechseln nun in eine höhere Klasse oder auf eine andere „Penne“ – das Schuljahr ging 14. Juli 2017 am in NRW zu Ende, hurra, die Sommerferien waren da! Während die Freude darüber allerorts groß war, begann der Tag für Gerd Stratmann mit „Tränchen“ in den Augen: Der Schulleiter der Grundschule Rottsieper Höhe erlebte nicht nur seinen letzten Schultag vor den „großen Ferien“, er absolvierte seinen letzten Schultag überhaupt – Gerd Stratmann ging in den Ruhestand.

Mit einem großen Abschiedsfest sagten alle „Rotties“ und ihre Lehrer zu Schulbeginn „Adieu“ zu ihrem Rektor, der seit 15 Jahren an der Grundschule im Cronenberger Süden unterrichtete und die letzten acht Jahren davon an deren Spitze stand. Über einen roten Tepppich und durch ein Spalier aller Schüler wurde Gerd Stratmann zum Hit „Plan B“ von Altrocker Udo Lindenberg zunächst auf den Pausenhof geleitet. Im Anschluss verabschiedeten alle Klassen ihren „Herrn Stratmann“ mit einem kunterbunten Programm. Dabei wurde Gerd Stratmann auch mit einem besonderen Geschenk überrascht. Die „Rotties“ gaben ihrem Schulleiter auch eine kleine Schultüte mit auf den Weg in die Zeit jenseits der Rottsieper Klassenräume – klar, dass jede Menge bester Wünsche dafür darin steckten…

Seine Lehrer-Laufbahn startete der gebürtige Sauerländer an einer Hauptschule in Köln – übrigens in der Wuppertaler Straße, lacht Gerd Stratmann. Die Dom-Stadt liegt ihm bis heute am Herzen, eine Herzensangelegenheit lotste ihn aber ins Tal: seine Ehefrau. Ihr folgte der Pädagoge an die Wupper – „eine gute Entscheidung“, resümiert Gerd Stratmann.

„Grundschul-Lehrer ist das Größte für mich“

Zunächst schlug er an der Gesamtschule Vohwinkel und privat in Nächstebreck die Zelte auf, dann wurde die stellvertetende Schulleiter-Stelle auf Rottsiepen frei: Er habe sich zunächst in der Nachbarschaft umgeschaut und an der Schule hospitiert – „das ist was“, dachte sich Gerd Stratmann, bewarb sich und bekam den Zuschlag. Tolle Schüler, nette Eltern, ein Kollegium, das engagiert bei allen Projekten mitgezogen sei: „Das war die Königsentscheidung“, bilanziert Gerd Stratmann.

Zwar habe man ihn an seiner vorherigen Schule gefragt, was er an einer Grundschule wolle; zwar habe man ihn auf Rottsiepen zunächst etwas misstrauisch beäugt und zwar habe auch er sich früher nicht vorstellen können, an einer Grundschule zu unterrichten. Letzteres löste sich allerdings in Wohlgefallen auf: Grundschullehrer ist heute „das Größte“ für Gerd Stratmann.

Es sei natürlich nicht alles schön, auch nicht an der dörflichen Rottsieper Grundschule. Aber: „Die Arbeit mit Grundschülern ist sehr bereichernd.“ Beispielhaft fällt Stratmann seine Rückkehr von einer Klassenfahrt ein: „Herr Stratmann, du bist wieder da“, erzählt er, wären ihm die Schüler auf dem Pausenhof freudig entgegengekommen. Mit welchem Schwung die Kinder lernten, ihre Fortschritte beim Lesen oder Rechnen zu sehen, die Vielfalt der Arbeit an der Grundschule, aber auch die Sympathie der Kinder, „das ist das Schönste“, findet Gerd Stratmann.

Zum Abschied: Für alle „Rotties“ ein Salva-Eis

Er sei eigentlich nicht überschwänglich, die Rottsieper Grundschule aber sei eine „schöne Schule mit vielen tollen Leuten“. Und erst das Gelpetal, in dessen Nähe er zu Hause ist: Eine grandiose Natur, ideal zum Joggen und eine tolle Nachbarschaft – „es ist auch schön, hier zu leben“, sagt Gerd Stratmann. Wenn er mal keine Lust auf „Elternsprechtag in der Freizeit“ gehabt habe, „dann bin ich eben nicht ins Dorf, sondern am Hahnerberg zum Einkaufen gegangen“, lacht Stratmann – auch jenseits der Schule war Cronenberg „die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit“.

Ebenso wie es nun Zeit zum Aufhören war. Zumal auch die Ehefrau mittlerweile in Ruhestand ist, legt Gerd Stratmann erst einmal ein „Sabbatjahr“ ein, der „echte“ Ruhestand wird sich anschließen: „Ich wollte gesund in Rente gehen – wir freuen uns jetzt auf eine ruhigere Zeit mit Unternehmungen in der Umgebung und Reisen auch einmal außerhalb der Ferien“. Zum Abschied hatte Gerd Stratmann das rote Mobil von Kult-Eismann „Salva“ an die Rottsieper Höhe bestellt und gab allen 190 „Rotties“ ein Eis aus – Gerd Stratmann sagte nicht mit einem weinenden Auge „Tschüss“: „Ich gehe mit einem guten Gefühl – ich bin mir sicher, dass sich die Schule positiv weiterentwickeln wird.