Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

13.09.2017, 21.03 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Denkmal Manuelskotten: Jetzt auch mit Schleifer-Ausstellung

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Sind stolz auf die neue Ausstellung im Manuelskotten: Reinhard Grätz, Wolfgang Molkenthin und Michael Clauberg (v.l.) vom Förderverein des Industrie-Denkmals. -Foto: Meinhard Koke

Der Manuelskotten ist ein industriehistorisches Kleinod. Das etwa 170 Jahre alte Denkmal im Kaltenbachtal, seit 1993 eine Außenstelle des Historischen Zentrums der Stadt, ist der letzte noch per Wasserrad betriebene Schleifkotten Wuppertals. Der Kotten ist aber nicht nur ein Relikt der Industriegeschichte, er ist auch ein lebendiges Denkmal: Nassschleifer Dirk Fromm verleiht hier noch immer Spezialmessern für die fleischverarbeitenden Industrie den rechten Schliff – präziser schaffen das offensichtlich auch moderne Maschinen nicht…

Dirk Fromm über die Schulter zu schauen, durch die urige Schleifstube zu gehen, das imposante, rund sechs Meter hohe Wasserrad sich drehen oder auch die ehrwürdigen Dampf- und Dieselmaschinen schnaufen zu sehen, sind genug Gründe, dem Manuelskotten einen Besuch abzustatten. Seit vergangener Woche aber gibt es einen weiteren: Im Kotten-Obergeschoss lädt nun eine Ausstellung ein, sich zur Geschichte der Nass-Schleiferei zu informieren.

Nachdem der Förderverein, der sich bereits seit rund 30 Jahren um das Wohlergehen des Manuelskottens bemüht, mit Hilfe vieler Sponsoren das Obergeschoss liebevoll sanieren ließ, steuerte der Verein nun 5.000 Euro zu der Dauerschau bei. 22.000 Euro investierte der Landschaftsverband Rheinland (LVR), für den Museumspädagogin Anka Dawid hunderte „Histörchen“ sichtete, erfasste und die 500 Exponate zählende Schau wissenschaftlich konzipierte.

„Die Geschichte der Nass-Schleifer ist damit für die Nachwelt erhalten“

Fördervereinsvorsitzender Reinhard Grätz vergaß aber in seinen Dankesworten auch nicht den reichen Foto-Fundus von Hartmut Schmahl sowie das Ehepaar Bärbel und Wolfgang Molkenthin: Letztere retteten so manches Relikt vor der Versenkung – „ohne ihre langjährige Sammelleidenschaft stünden wir nicht da, wo wir sind“, lobte Reinhard Grätz. Ob Informationen zur Geschichte des Erzabbaus im Kaltenbachtal und zur Historie des Manuelskottens; ob alte Auftragsbücher und Produkthefte oder auch zahlreiche Erzeugnisse bergischer Werkzeug-Hersteller in den Schubladen der Schauvitrinen; ob Erläuterungen zur Produktion von Schleifsteinen, ihrem Transport und Einsatz in den Schleifkotten – „die Geschichte der Nass-Schleifer und ihrem Leben ist damit für die Nachwelt erhalten“, freute sich Reinhard Grätz.

Und dazu zählen auch Informationen zu ihrem schweren, arbeitsreichen Alltag wie zu den typischen Berufskrankheiten eines NassSchleifers – ob der hochinteressierte Lehrer oder das Kind, „man kann sich hier bestimmt ein Stündchen vertiefen“, zeigte sich Grätz überzeugt. Nur schade, dass Ruth und Helmut Morsbach den Freudentag nicht mehr erleben konnten: Die jahrzehntelangen Betreiber des Kottens und Nachfahren des „Urvaters“ und Namensgebers Emmanuel Morsbach (die CW berichtete) verstarben in hohem Alter nur wenige Monate nacheinander – tragisch.

Original Cronenberger Sense gesucht

Allerdings konnte Reinhard Grätz noch im vergangenen Jahr ein Interview mit Helmut Morsbach führen – aus dem Gespräch mit der „beeindruckenden Schleifer-Persönlichkeit“ ist ein zweistündiger Film entstanden, der in Ausschnitten auch in der Kotten-Ausstellung zu sehen sein wird. Nur eines haben die Macher der Schau nicht geschafft: Eine original Cronenberger Sense, für deren Herstellung das Dorf einst das exklusive Privileg besaß, konnte bei allem Bemühen nicht ausfindig gemacht werden. Wer eine Sense „Made in Cronenberg“ besitzt, kann dem Förderverein also eine große Freude bereiten…

Der Manuelskotten ist an den Fahr-Sonntagen der Bergischen Museumsbahnen jeweils von 10.30 bis 17 Uhr zu besichtigen, der Eintritt ist frei. Mehr Infos im Internet unter www.manuelskotten.de.