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25.09.2017, 20.28 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

CTG-Vorsitzende Bärbel Vitt: Von Berghausen ins Schloss Bellevue

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In Schale geworfen: Bärbel Vitt beim diesjährigen Sommerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue. -Foto: privat

Regen, Regen, Regen – nein, damit ist ausnahmsweise mal nicht Wuppertal gemeint – auch beim Bürgerfest des Bundespräsidenten in Berlin herrschten „typisch Wuppertaler Wetter-Verhältnisse“. Unter den 4.300 Ehrenamtlichen, die dazu am 8. September 2017 ins Schloss Bellevue geladen waren, zählte auch Bärbel Vitt. Die Vorsitzende der Cronenberger Turngemeinde (CTG) wurde mit der Einladung für ihr jahrzehntelanges Engagement geehrt.

Seit 1958 gehört sie der CTG an und leitet bis heute Turn-Angebote, von 1970 bis 1978 zählte Vitt zum Präsidium des Deutschen Turnerbundes (DTB), von 1978 bis 1988 war sie im Vorstand der Deutschen Sportjugend und von 1990 bis 1998 im DTB-Vorstand aktiv. Nicht zuletzt nahm die vielfach geehrte frühere Lehrerin als Turnsport-Funktionärin an fünf Olympischen Spielen teil und leitete das Jugendlager der Olympischen Winterspiele in Lake Placid (1980), mit der ZDF-Sendung „Turn mit – mit Bärbel Vitt“ avancierte die Cronenbergerin zur „Turnmutter der Nation“.

Bundespräsidialamt ließ die Besucher nicht im Regen stehen…

Rustikales Outfit wäre passender gewesen, entsprechend der „Etikette“ in Kleid („Ich habe seit zehn Jahren keins mehr angehabt“) und in Stöckelschuhen folgte die 79-Jährige der Einladung von Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender. Zum Glück ließ das Bundespräsidialamt Bärbel Vitt nicht im Berliner Dauerregen stehen – alle Gäste erhielten am Eingang Regenschirme mit dem goldenen Adler des Bundespräsidenten darauf („Sehr schick und schön“) an die Hand.

Auch ansonsten zeigte sich der Gastgeber überaus fürsorglich, berichtet Bärbel Vitt: Nachdem die Sicherheitsschleusen („Wie am Flughafen“) passiert waren, erwartete die über 4.000 Ehrengäste ein Rund-um-Wohlfühl-Fest: Zelte gegen den Regen, eine Schar von Bedienungen, Porzellan und Glas statt Pappbecher und -teller und ein kulinarisches Angebot, das von Fisch über ein Smoothie-Fahrrad bis hin zur echt Berliner Currywurst keine Wünsche offen ließ – „man konnte alles haben“, schwärmt Bärbel Vitt, „das war alles super organisiert“.

Bärbel Vitt (li.) vor 25 Jahren bei einem der Jugendempfänge mit dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (3.v.l.). -Foto: privat

Bärbel Vitt (li.) vor 25 Jahren bei einem der Jugendempfänge mit dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (3.v.l.). -Foto: privat

Allerdings: Bodenständig – sprich auf der Turnmatte geblieben – wie es die Cronenbergerin nun einmal ist, hätte Bärbel Vitt das „alles“ nicht unbedingt haben müssen. Zumal sie als Mitorganisatorin der damaligen Jugendempfänge schon bei den seinerzeitigen Bundespräsidenten Scheel, Carstens und von Weizsäcker in der Villa Hammerschmidt über viele Erfahrungen im Umgang mit ersten Bürgern des Staates verfügt. Aber: „Ich wollte nicht unhöflich sein“, betrachtet die CTG-Vorsitzende die Einladung als ein „Dankeschön“ für das Engagement: „Ich finde es sehr schön, dass dadurch deutlich wird, dass man durch ein Ehrenamt auch selbst etwas gewinnt.“

Currywurst und Lang Lang – das war „klasse“…

Und: Neben dem ersten Ehepaar Deutschlands lockte ein Programmpunkt Bärbel Vitt besonders an die Spree – der chinesische Star-Pianist Lang Lang. Max Mutzke, Peter Maffay oder auch die Bundeswehr Big Band waren ihr relativ egal, allein für Lang Lang hielt es die Cronenbergerin im Dauerregen bis in den Abend hinein aus. Es lohnte sich auch abseits seines erstklassigen Spiels: Ganz locker in Jeans und Jacke, sehr sympathisch im Auftreten und im Interview – „das ist ein Netter“, attestiert Bärbel Vitt dem Star.

Nachdem die letzten Lang-Lang-Klänge verklungen waren, fiel dann auch für Bärbel Vitt schnell der Vorhang – es war einfach zu nass und zu kühl: „Bei Sonne läuft das alles, bei Regen ist das sch…“ Dennoch: Neben Lang Lang hatte sie Opernsänger Thomas Quasthoff erlebt („Wann kann man mit dem schon mal ein paar Worte wechseln“), dem Bundespräsidenten und seiner Frau beim Vorlesen zugehört („Frau Büdenbender ist sehr, sehr sympathisch, überhaupt nicht abgehoben – wie Veronika Carstens“) und überdies eine leckere Currywurst mit selbstgemachter Soße gegessen – Bellevue im Dauerregen hatte sich gelohnt, erst recht für ihre Nichte, die sie als Begleitung mitnehmen durfte: „Das war sicher ein Erlebnis…“