Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

07.12.2017, 15.54 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Ärger an der Rottsieper Höhe: „Unsere Lebensqualität ist dahin…“

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An der Tischtennisplatte auf dem Rottsieper Spielplatz finden die Jugend-Treffs statt. Im Hintergrund die Turnhallen-Baustelle, auf der kürzlich mehrfach randaliert wurde (die CW berichtete).

„Wenn ich abends im Dunkeln nach Hause komme, dann habe ich Angst und lasse mich immer bis vor die Haustür bringen“, sagt eine 67-Jährige: Sie wohnt in einem Mehrfamilienhaus, das direkt an dem dortigen Kinderspielplatz und unterhalb der Turnhalle Rottsieper Höhe gelegen ist, wo es erst kürzlich zu Vandalismus-Schäden kam. Wie einige Bewohner des Hauses berichten, wird die Nachbarschaft zu dem Spielplatz mehr und mehr zu einer Belastungsprobe. Der Grund sind nicht spielende Kinder, sondern ein Treff von Jugendlichen.

„Wir wohnen schon seit 20 Jahren hier und der Spielplatz war immer ein Treffpunkt“, berichtet eine andere Bewohnerin: „Zuerst war das aber nur vereinzelt im Sommer“, klagt die 48-Jährige ihr Anwohner-Leid. Seit vier/fünf Jahren nähmen die Treffs indes zu, selbst in der kalten Jahreszeit versammelten sich nun immer häufiger bis zu 20 Jugendliche, hörten laut Musik, tränken Alkohol, grölten und rauchten – auch leere Cannabis-Tütchen seien schon gefunden worden. Manchmal ende das „Spektakel“ schon um 20 Uhr, manchmal sei bis in die Nacht „volle Pulle Disko“.

Keine Antwort vom Ordnungsamt: „Wir haben das Gefühl, lästig zu sein…“

Natürlich, so berichten die Anwohner weiter, habe man die Jugendlichen „im Guten“ anzusprechen versucht: Das sei aber schnell verpufft, ein Wortführer der Jugendlichen habe den Gesprächsversuch abgeblockt – „die Worte waren nicht die freundlichsten“, erinnert sich ein 48-jähriger Bewohner, übrigens ein Lehrer, an seinen Versuch, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen. Nach dem Scheitern schalteten die verzweifelten Anwohner Polizei und Ordnungsamt ein: Die Ordnungshüter seien zwar mehrere Male gekommen und das habe auch kurzfristig gewirkt.

Letztlich sei aber auch diese Wirkung verpufft: Die Polizei brauche eine halbe Stunde bis Rottsiepen („Dann sind die ja längst wieder weg“), das Ordnungsamt sei am Wochenende überhaupt nicht zu erreichen („Da geht gar keiner dran“). Vor einem Jahr bereits, so berichtet einer der Anwohner, habe man eine Mail an das Ordnungsamt geschrieben – „bis heute haben wir keine Antwort darauf“: „Wir haben manchmal das Gefühl, lästig zu sein – die schieben sich die Bälle gegenseitig zu.“

Mit Stahl-Zwille auf Fensterscheibe geschossen

Vor etwa fünf Wochen erreichte der Ärger am Rottsiepen seinen bisherigen Höhepunkt: Auf eine Fensterscheibe in der ersten Etage des Hauses wurde geschossen – mit einer Stahl-Zwille, so vermutet die Polizei: „Als wir gegen 23.30 Uhr nach Hause kamen, hörten wir es klirren“, berichtet das betroffene Ehepaar. Zu sehen war von dem oder den Tätern nichts: „Da muss sich jemand versteckt haben“, glauben die Betroffenen, dass sie vielleicht sogar abgepasst wurden. Ob des Vorfalls und weil sie sich von Polizei und Ordnungsamt allein gelassen fühlen, haben die Anwohner die Bezirksvertretung (BV) Cronenberg angeschrieben.

Sie bitten die BV unter anderem um die Aufstellung von Schildern an dem Spielplatz, die das Rauchen und Trinken oder auch den Aufenthalt in den späten Abend- und Nachtstunden untersagen – wie eigentlich nicht unüblich an Spielplätzen. „Damit hätte man dann eine Handhabe“, hoffen die Anwohner auf ein Einschreiten der Ordnungshüter oder auch den Einsatz von Streetworkern: „Polizei und Ordnungsamt müssen uns in ihre regelmäßigen Runden einplanen“, fordert ein 60-jähriger Bewohner des Hauses: „Auch nach den üblichen Dienstzeiten.“

Auf jeden Fall müsse etwas geschehen: „Die Lebensqualität hier ist dahin“, sagt eine Anwohnerin, „auf dem Balkon sitzen kann man gar nicht mehr“.