Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

25.01.2019, 13.05 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Schüler-Umfrage: Bürgervereine auf der Suche nach Nachwuchs

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Die Nachwuchs-Demoskopen der Schüler-Firma OIDR bei der Übergabe der Umfrage-Ergebnisse an die Vertreter der vier Cronenberger Bürgervereine im CHBV-Haus an der Hütte. Dritter von rechts ist übrigens Norbert Peikert, der die Schüler-Firma betreut und „Lehrer des Jahres 2018“ ist. -Foto: Meinhard Koke

Sie veranstalten Feste wie das Hoffest und den Hüttenzauber oder auch die Sponsoren-Wanderung fürs Kinderhospiz und den Dörper Martinszug; sie engagieren sich, so gegen die seinerzeitige Schließung der Hauptschule Cronenberg, für den Wiederaufbau des Schwimmsport-Leistungszentrums, die Reaktivierung der Bürgerbüros, die Sanierung des verseuchten Hösterey-Geländes oder auch – ganz aktuell – für eine Umgestaltung der Ortsmitte; sie unterstützen nicht zuletzt aus ihren Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Einnahmen Schulen, Kindergärten oder auch das Kinderhospiz, kaufen neue Spielgeräte für Spielplätze, laden bedürftige Kinder zur Nikolaus-Fahrt mit der Straßenbahn ein und schaffen Weihnachtsbeleuchtung an – kurzum: Die vier Cronenberger Bürgervereine machen einiges, wenn sie nicht wären, das Leben im Stadtteil wäre um einiges ärmer.

Und dennoch: Wenn man auf den Festen, bei Aktionen und Veranstaltungen genauer hinschaut, dann sind es immer die gleichen Engagierten, die mit anpacken – neue Mitglieder zu gewinnen, noch dazu solche, die sich aktiv mit einbringen, das bereitet den Bürgervereinen SudbürgerKüllenhahn, Hahnerberg und Cronenberg Probleme. Grund genug für das Dörper Bürgervereinsquartett, neue Wege auszuprobieren: „Sind Bürgervereine noch sinnvoll?“, so lautet die Überschrift der Umfrage, welche die AG „Die Cronenberger!“, zu der sich die vier Bürgervereine zusammengeschlossen haben, in Auftrag gab.

WDG-Schüler-Firma befragt 1.100 Schüler

Die Ausführenden der Erhebung waren zugleich auch eine der Zielgruppen der Bürgervereine: Schüler. Konkret führte die Schüler-Firma „OIDR“ die Umfrage durch. Die Schüler-Firma des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums (WDG) hat sich inzwischen auf Meinungsforschung spezialisiert. Nachdem die zurzeit sechs Schüler im Alter von 16 bis 18 Jahren bereits eine Umfrage für den Grünen Zoo Wuppertal durchführten, war die Cronenberger-Umfrage der bisher zweite größere Auftrag für die OIDR-Demoskopen.

Wie sich im CHBV-Haus an der Hütte zeigte, besitzen die Gymnasiasten durchaus eine gewisse Professionalität: Per Laptop erläuterten sie anhand einer PowerPoint-Präsentation die Ergebnisse ihrer Erhebung. Geradezu beeindruckend souverän stellte dabei Marina Wereschaev für ihre fünf Mitstreiter fest: „Wir sind ja selbst Schüler, wir wissen, was wir fragen müssen.“

Ergebnis: Jugend-Interesse für Ortsteil ist durchaus da

Die entscheidende Frage aus Sicht der Bürgervereine indes formulierte Ralf Kiepe: Nur „stockend“ könne man Neu-Mitglieder gewinnen – „warum ist das so?“ Die 21-seitige Präsentation, in der die OIDR-Demoskopen ihre Umfrage-Ergebnisse zusammengefasst hatten, machte klar: Die Jugend ist „an sich“ gar nicht abgeneigt, sich für und im Ortsteil zu engagieren: Immerhin rund 40 Prozent der befragten rund 1.100 Schüler an den Gymnasien Carl Fuhlrott und Wilhelm Dörpfeld sowie der Friedrich-Bayer-Realschule kreuzten jedenfalls an, zum Engagement im Ortsteil bereit zu sein.

Allerdings: Der Draht zur Nachwuchsgeneration ist offensichtlich nicht da – immerhin rund 20 Prozent der Schüler hatten noch nie etwas von Bürgervereins-Projekten gehört, zudem wollen gerade einmal nur rund fünf Prozent gerne bei ihrem Engagement mit Senioren zusammenarbeiten. Das Fazit der Schüler-Demoskopen daher: Bürgervereine sind auch heute noch sinnvoll, aber Jugendliche bräuchten eine verstärkte altersgerechte Ansprache.

Facebook & Co.: Bürgervereine wollen näher ran an die Jugend

Das möchten die Bürgervereine nun angehen: So wollen sie in die Schulen gehen, um im Unterricht über ihre Aktivitäten zu berichten. Auch sollen Jugend-Projekte aufgelegt werden und nicht zuletzt will man auch medial näher an die Jugend heranrücken – wie zum Beispiel mit verstärkter Präsenz in den Sozialen Netzwerken. Übrigens: Von den sechs OIDR-Demoskopen ist noch keiner Mitglied in einem Bürgerverein – aber das Interesse sei geweckt, versicherten die Schüler. Und: Betreut werden sie mit Norbert Peikert vom früheren stellvertretenden WDG-Leiter – Schüler und, mit Verlaub, Senioren können also durchaus gut miteinander…

Mehr Infos zu den vier Cronenberger Bürgervereinen sowie allen weiteren Bürgervereinen Wuppertals gibt es unter www.stadtverband-wuppertal.de.