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29.01.2019, 19.47 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Leondine Seute: Sehnsucht nach Knof-Gartenland am „100sten“

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Jubilarin Leondine Seute (mi.) mit ihren Enkelinnen Daniela Wehrend und Anja Schacht, den Ur-Enkeln Diego und Melanie sowie Bürgermeisterin Bettina Brücher (re.). -Foto: Meinhard Koke

Als sie geboren wurde, da hatte der Kaiser gerade abgedankt, durften Frauen erstmals an die Wahlurnen und war Cronenberg noch selbstständige Stadt – als Leondine Seute am 6. Januar 1919 das Licht der Welt erblickte, war die Welt noch eine ganz andere. Bürgermeisterin Bettina Brücher (Grüne) schaute nicht ohne Grund erst rund drei Wochen nach dem stolzen runden Geburtstag zum Gratulieren vorbei.

Am Dreikönigstag hatte Leondine Seute so viel Familie zu Gast, dass das altbergische Häuschen am Berghang aus allen Nähten platzte. Schließlich hatte die frisch gebackene Hundertjährige zehn Geschwister, von denen zwar keines mehr lebt, wohl aber viele Groß-Nichten und -Neffen. Zudem darf sich Leondine Seute auch über vier Enkelinnen, acht Ur-Enkel sowie über ein Ur-Ur-Enkelchen freuen. Und mit „viel Familie“ lebt die Seniorin auch seit elf Jahren zusammen – vier Generationen sind am Berghang unter einem Dach zu Hause.

Geboren im heutigen Duisburger Stadtteil Homberg zog es die Familie in den 1920er Jahren zunächst nach Holland – weil in den schwierigen Zeiten der Inflation der Gulden „fest“ war, erinnert sich die geistig noch sehr fitte Jubilarin. Nach 14 Jahren in den Niederlanden ging die Familie in den 1930er Jahren zurück nach Deutschland, zunächst in den Raum Aachen, später nach Wuppertal. Die Textil-Stadt an der Wupper lockte die ausgebildete Schneiderin – im damaligen Textilwerk Kaiser & Dicke bekam die 17-Jährige eine Anstellung.

Neu-Heimat Cronenberg: „So schön wie in Holland…“

Mit 21 Jahren heiratete sie mit ihrem Gustav dann einen stolzen Barmer. Dass sie nach dessen Tod dem Wuppertaler Osten nach fast 70 Jahren schließlich den Rücken kehrte und nun seit 2008 in Berghausen daheim ist, bereut Leondine Seute keineswegs: „Ich liebe Cronenberg“, versichert die Hundertjährige, die noch die Fenster putzt, gerne im Garten arbeitet oder auch den Urenkelchen auf Wunsch Pfannekuchen backt. In Cronenberg erinnere sie vieles an ihr geliebtes Holland – „so schön wie hier habe ich es noch nie gehabt…“

Autofahrten mag Leondine Seute übrigens nicht mehr gerne. Zum Gartenland Knof am Schöppenberg in Sudberg, so berichtet Enkelin Daniela Wehrend, steigt sie aber noch gerne ein – wenn es neue Pflanzen für die Blumenkästen zu kaufen gilt, da ist Leondine Seute dabei. Insofern ist ihr größter Wunsch, dass es mit dem Geburtstagstrubel nun vorüber sein möge und bald Frühling wird – damit sie wieder zum Knof Gartenland fahren und dann im geliebten Garten arbeiten kann…