Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

20.02.2019, 10.07 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

SPD-Neujahrsempfang: „In der Stadt bewegt sich etwas…“

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Zahlreiche namhafte Gäste aus Bund, Land und Stadt waren der Einladung zum SPD-Neujahrsempfang wieder gefolgt. -Foto: Marcus Müller

Musikalisch, interessant und „bissig“ – so lässt sich der Neujahrsempfang 2019 der SPD Cronenberg/Hahnerberg zusammenfassen. Besonders angenehm hatten es dabei die Gäste, die auch heuer wieder von Nah und Fern angereist waren: „Wir haben auf die Grußwörter verzichtet, damit alle bis zum Grünkohl-Essen da bleiben“, erklärte SPD-Chefin Miriam Scherff eine grundlegende Änderung des Programms.

Darüber hinaus war mit Guido Gallenkamp der Breitbandkoordinator der Wuppertaler Wirtschaftsförderung eingeladen, der über den aktuellen Stand beim Internet-Ausbau im Tal berichtete (mehr dazu in einem separaten CW-Bericht). Für einige musikalische Intermezzi sorgten zudem Leon Mucke und Florian Franke – mit das Beste, was das Tal an Gitarre und Keyboard zu bieten hat, während Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé zum Schluss die hungrigen Gäste mit Grünkohl versorgte.

Zur Begrüßung ließ die im vergangenen Jahr neugewählte SPD-Vorsitzende Miriam Scherff in ihrer Rede aber großen Unmut über die Zusammenarbeit der Fraktionen in der Cronenberger Bezirksvertretung (BV) erkennen: „In den vergangenen Jahren haben die Christdemokraten sämtliche Anträge anderer Parteien abgelehnt – sei es zur Parksituation, einer möglichen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h oder einen Prüfauftrag für einen gemeinsam genutzten Verkehrsraum, dem sogenannten ,Shared Space‘. Sie haben es ausschließlich geschafft, sich nach einem schweren Unfall mit Personenschaden dazu herabzulassen, eine Querungshilfe zu beantragen, der bereitwillig zugestimmt wurde, damit sich überhaupt etwas an der verkehrlichen Situation verbessert.“

SPD-Vorsitzende Miriam Scherff: „Große Aufgaben anpacken“

Lob fand Scherff für das Mitmach-Netzwerk „Cronenberg will mehr!“: „Möglicherweise haben wir Parteien es in den letzten Jahren versäumt, die Bürgerinnen und Bürger in unserem Stadtteil ausreichend mitzunehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln“, gestand Scherff selbstkritisch ein. „Die Initiative ,Cronenberg will mehr‘ hat etwas geschafft, was die Politik in den letzten Jahren trotz aller Bemühungen nicht hinbekommen hat: Man hat das Gefühl, im Rathaus und auch im Stadtrat bewegt sich etwas.“

Cronenbergs SPD-Chefin Miriam Scherff hielt beim Neujahrsempfang eine „bissige“ Rede. -Foto: Marcus Müller

Cronenbergs SPD-Chefin Miriam Scherff hielt beim Neujahrsempfang eine „bissige“ Rede. -Foto: Marcus Müller

Oberbürgermeister Andreas Mucke und Planungsdezernent Frank Meyer hätten sich nämlich im Dorf blicken lassen und mit den Cronenbergern diskutiert. „Statt nun gemeinsam an einem Strang zu ziehen, nutzt die Cronenberger CDU dies ausschließlich für persönliche Zwecke und wirft mit Nebelkerzen um sich“, kritisierte Scherff. Besonders die Posse um die Einbestellung des Gebäudemanagements (GMW) in die Februar-Sitzung der BV (die CW berichtete) stieß der SPD-Chefin dabei übel auf: Die CDU habe gewusst, dass terminliche Gründe eigentlich eine Berichterstattung unmöglich gemacht hätten, lasteten dies aber der Stadtverwaltung und Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé an.

Vor BV-Sitzungen: SPD-Vorbesprechungen für Bürger

„Aber gerade jetzt benötigen wir Cronenberger ein vertrauensvolles Verhältnis in die Stadtverwaltung, wenn wir eine Lösung finden möchten“, appellierte Scherff. „Im üblichen Sprachgebrauch ist das derzeitige Verhalten der Christdemokraten ausschließlich und allein dem Populismus zuzuordnen.“ Die Arbeit überließen sie dann allerdings anderen, kritisierte die SPD-Vorsitzende: „Für mich ist das ein unmissverständliches Zeichen von Hilflosigkeit, mangels eigener Ideen der Verantwortlichen.“Aus diesem Grund wollen die So­zialdemokraten jeweils an den Donnerstagen vor den BV-Sitzungen nun die Bürger zu einer öffentlichen Vorbesprechung einladen. Besonders im Hinblick auf den demografische Wandel müssten der Ärztemangel im Dorf, die Barrierefreiheit und die Digitalisierung thematisiert werden.

Auch ging Scherff im Anschluss auf die Erfolge der SPD in der Bundesregierung sowie die vor ihr liegenden Aufgaben wie Klimawandel und Brexit ein. „Die Welt entwickelt sich in eine Richtung, die keinem von uns gefallen kann“, mahnte die Cronenberger SPD-Vorsitzende. „Deswegen wünsche ich mir, dass wir mit all unserer Leidenschaft die großen Aufgaben anpacken, die vor uns liegen.“ War es da Zufall, dass direkt im Anschluss an diese Rede Leon Mucke eindringlich sang: „Ich will raus aus dieser Welt“?