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18.03.2019, 20.28 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Sturm, Regen, Hitze: 2018 für Feuerwehr Hahnerberg ein Rekord

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Die Jubilare und Geehrten der FFH mit Feuerwehrchef Ulrich Zander (4.v.r.), FFH-Chef Daniel Rupp (2.v.r.) und FFH-Vize Lutz Münch (re.): Andreas Sommer (40 FFH-Jahre), Horst-Egon Goeres (2.v.l.) und Carsten Klaussner (je 30), Christoph Plum (10) sowie Stefan Reifenberg (Goldene Ehrennadel der JF Wuppertal, 3.v.r.), Lisa Jekewitz (Silberne Ehrennadel), Benjamin Severitt und Torben Bertram (jeweils Lehrgangsbeste). – Foto: Meinhard Koke

Während der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Hahnerberg (FFH) schrillten plötzlich die Alarmgeber und einige Einsatzkräfte stürmten hinaus – ein Sturmeinsatz stand an. Symptomatisch für das Einsatzjahr 2018, das der Hahnerberger Löschzugführer Daniel Rupp und FFH-Chronistin Tanja Liefle Revue passieren ließen.

Auch Sturm, aber überdies Starkregen, Schnee und nicht zuletzt Hitze und Trockenheit – ähnlich wie beim Jahrestreffen der Cronenberger Nachbar-Wehr zeigte sich auch das Einsatzjahr 2018 der FFH von Wetter-Kapriolen bestimmt. Ebenso wie die Dörper Kollegen vermeldeten auch die Hahnerberger einen Einsatzrekord: Die FFH musste im letzten Jahr 361-mal ausrücken – gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2016 (262 Alarme) ein stolzes Plus von fast 40 Prozent.

Etwa 40 Prozent Fehlalarme und Abbrüche
Gerade einmal 18 Feueralarme waren darunter – die Hahnerberger sind längst nicht nur Feuerwehrmänner und -frauen, sondern Helfer in vielen Notlagen. Allerdings: Immerhin rückte die FFH 157-mal umsonst aus – blinde Alarme und Alarmabbrüche machten etwa 40 Prozent der Gesamteinsätze aus.

FFH-Chef Daniel Rupp wusste die Zahlen einzuorden: Noch im Jahr 2003 habe man mit 112 Einsätzen nur rund ein Drittel des Rekordjahres 2018 absolvieren müssen. Das letztjährige Rekordjahr sei dabei vielleicht ein „Ausreißer“ gewesen, eine Zunahme der Alarme sei indes Trend: Seit 2003 stiegen die Einsatzzahlen immerhin acht Mal an. „Ihr habt Großartiges geleistet“, dankte Löschzugführer Rupp seinen Aktiven: „Das ist nur als Mannschaftsleistung machbar.“

FFH: Stärkste Wehr Wuppertals, zweitmeiste Einsätze
In diesen Chor stimmten Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé („Vor diesem Einsatz kann man sich nur verneigen“) ebenso ein, wie Guido Blass, der als Sprecher aller freiwilligen Wehren der Stadt würdigte, dass die stärkste Freiwillige Feuerwehr Wuppertals die zweitmeisten Einsätze gefahren habe: „Ihr seid gut aufgestellt.“ Wuppertals Feuerwehrchef Ulrich Zander befand: „Man kann gar nicht genug Danke sagen!“.

Ebenso wie bei der Cronenberger Wehr zuvor, wurde auch bei den Hahnerbergern viel Kritik an Berufsfeuerwehr und Politik laut. FFH-Chef Rupp fragte sich zum Beispiel, wann der bereits seit 2016 avisierte Ersatz für den über 30 Jahre alte Unwetter-Geländewagen wohl endlich eintreffe?

Die Beförderten der FFH: Gerald Borchert (Brandinspektor), Jens Freund und Benjamin Kreiskott (Oberbrandmeister), Tim Kaminsky (Brandmeister), Katja Felzner, Florian Hafner und Kevin Scharrmann (Unterbrandmeister), Philipp Kalinko, Leonhard Sailer und David Winkelius (Oberfeuerwehrmann) sowie Torben Bertram und Florian Schmidt (Feuerwehrmann). – Foto: Meinhard Koke

Die Beförderten der FFH: Gerald Borchert (Brandinspektor, li.), Jens Freund und Benjamin Kreiskott (Oberbrandmeister), Tim Kaminsky (Brandmeister), Katja Felzner, Florian Hafner und Kevin Scharrmann (Unterbrandmeister/in, mi.), Philipp Kalinko, Leonhard Sailer und David Winkelius (Oberfeuerwehrmann, re) sowie Torben Bertram und Florian Schmidt (Feuerwehrmann). – Foto: Meinhard Koke

Anhand der Werkstatt-Fahrten zeigte Daniel Rupp auf, dass es Freiwilligen in Wuppertal schwer gemacht werde: 30 Mal habe ein FFH-Fahrzeug im letzten Jahr in die Werkstatt gemusst – 60 Fahrten hin und zurück für je zwei Freiwillige. Ein Fahrdienst der Berufsfeuerwehr zur Entlastung wäre prima – gibt’s aber nicht. Tanja Liefke berichtete, dass die FFH seit fast sechs Jahren schon auf ein Notstromaggregat warte und Gerätewart Inan Coban ergänzte, dass man kein Ausrüstungs-„Backup“ habe: Sei das Erstangriff-Fahrzeug in der Werkstatt, müsse man eben ohne Türöffner auskommen…

Lob für Berufsfeuerwehrchef, Forderungen an den Rat
Als Michael-Georg von Wenczowsky, ehemaliger Chef der Hahnerberger Wehr, das Wort ergriff, dachte mancher Zuhörer: Nun geht die Kritik an Feuerwehr-Chef Ulrich Zander und der Stadt erst richtig los. Und „VW“ unterstrich auch den großen Nachholbedarf. Allerdings: Mit Ulrich Zander habe man auch einen Feuerwehr-Leiter, der sich kümmert, attestierte von Wenczowsky: „Mit ihm sind wir auf einem guten Weg.“

Sicher auch den dringend notwendigen Neubau einer Cronenberger Feuerwache im Hinterkopf, appellierte der Vizebürgermeister, politisch Druck zu machen, damit der Rat mehr Gelder für die Feuerwehr bereitstelle. Feuerwehr-Chef Ulrich Zander bekannte sich zur Verantwortung für den Nachholbedarf der Feuerwehren. Auch hielt er nicht damit hinterm Berg, dass im Zuge des Abbaus von immerhin 58.000 Überstunden bei der Berufswehr auch mehr Arbeit auf die freiwilligen Feuerwehren zukomme. Gleichwohl gab Zander zu, dass er von Weichenstellungen im Rat abhängig sei: „Ich fühle mich wie ein zahnloser Tiger.“

„Überall passiert was, nur nicht in Wuppertal…“

Die Anmeldungen für den kommenden Haushalt 2020/21 benannte der Feuerwehrchef als Nagelprobe: „Die entscheidende Frage ist, was im Rat beschlossen wird“, zeigte sich Zander gespannt darauf, ob die Wuppertaler Politik den Nachholbedarf der Feuerwehren angeht. Dass das dringend notwendig ist, hatte zuvor Freiwilligen-Sprecher Blass deutlich gemacht: Lärmschutz und Baumschutz ja, „aber der Brandschutz scheint in Wuppertal kein Thema zu sein“, forderte Guido Blass den Rat auf, mehr Geld für die Wehren bereitzustellen: Ob Köln, Sprockhövel oder Remscheid, überall passiere was – nur in Wuppertal nicht…