13.05.2019, 20.19 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Bürgerbus: Freude über Firmen, Frust über Ämter-Funkstille

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Der Vorstand des Trägervereins „Dörper Bus“ (vorne) gemeinsam mit den ehrenamtlichen Bürgerbus-Fahrern, aber auch passiven Mitgliedern des Vereins. -Foto: Meinhard Koke

Schneller als der Bürgerbus unterwegs ist verlief die Jahreshauptversammlung des Trägervereins „Dörper Bus“: 44 beziehungsweise 47 Minuten dauern die beiden „Dörpi“-Runden durchs Dorf, Vereinsvorsitzender Andreas Holstein konnte die Mitgliederversammlung bereits nach 36 Minuten für beendet erklären.

Kein Wunder: Nachdem Gabi Dedanwala das Protokoll der letztjährigen Hauptversammlung verlesen hatte, schmunzelte „Dörpi“-Chef Holstein, die könnte man direkt ja für dieses Jahr übernehmen. Der Hauptgrund war kaum zum Schmunzeln: In Sachen Gemeinnützigkeit hat sich nichts getan. Wie mehrfach berichtet, hatte das Finanzamt angekündigt, dem Bürgerbus-Verein den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dabei beruft sich das Amt auf einen Beschluss der Finanzminister-Konferenz der Länder.

Politik-Funkstille zur Finanzamt-Posse: „Ich habe nichts anderes erwartet…“

Die Ankündigung sorgte für allgemeines Kopfschütteln. Der Bürgerbus-Verein legte Widerspruch ein – gehört hat er nichts mehr vom Finanzamt, die Zitterpartie hält an. „Kein Politiker hat sich mehr bei uns gemeldet“, zeigte sich „Dörpi“-Vorsitzender Holstein frustriert. Aber: „Ich hab‘ auch nichts anderes erwartet…“ Und: Solange es beim Status quo bleibe, sei es ja okay: „Wir sind ja noch gemeinnützig…“

Abseits dieses Status-Scharmützels verlief das Bürgerbus-Jahr unaufgeregt: Keine großen Unfälle, keine großen Reparaturen, noch dazu ein Plus in der Kasse und nicht zuletzt gute Stimmung im Verein – keine Überraschung also, dass Andreas Holstein und seine Vorstandskollegen einmütig wiedergewählt wurden. Der oberste „Dörpi“-Fahrer gab den Dank an die 20 Fahrer zurück: „Wir brauchen euch alle – ohne euch läuft gar nichts!“

„Zum Glück haben wir solche Firmen in Cronenberg…“

Allerdings waren nicht alle Zahlen im Plus: Überraschend, dass die Zahl der Vereinsmitglieder auf gerade nur 80 gesunken ist – wo doch im vergangenen Jahr rund 7.300 Fahrgäste befördert wurden und ein Jahresbeitrag gerade einmal 20 Euro (ermäßigt 5 Euro) beziehungsweise für Firmen 50 Euro kostet. Aber auch eine schöne Zahl hatte Finanzchefin Bianca Holstein zu verkünden: Rund 800 Euro landeten im Trinkgeld-Becher der Bürgerbus-Fahrer – „Dörpi“-Nutzer scheinen dankbare Fahrgäste zu sein!

Dankbar und zugleich auch großzügig zeigt sich auch die Cronenberger Wirtschaft: Dank der Unterstützung der Firmen Knipex, Stahlwille, WKW und vom Cleff sowie der Stadtsparkasse konnte 2017 der neueste Bürgerbus finanziert werden. Und dank „Policks Heimat“ können sich die Fahrer täglich mit einem Becher Kaffee und einem belegten Brötchen stärken – eine leckere Unterstützung in Höhe von 1.100 Euro jährlich, wie Andreas Holstein betonte: „Wir können glücklich sein, solche Firmen zu haben, die uns unterstützen – andere Vereine beneiden uns darum.“ Auch ein Grund, am 5. Oktober das zehnjährige Bürgerbus-Jubiläum im „Haus Mees“ zu feiern – wegzudenken ist „Dörpi“ aus dem demografisch ältesten Stadtteil Wuppertals wohl nicht mehr…

Einsteigen, bitte! Neue Bürgerbus-Fahrer gesucht

Der Bürgerbus-Verein sucht händeringend neue Fahrer: Wer sich vorstellen kann, für ein paar Stunden wöchentlich den „Dörpi“ durchs Dorf zu lenken, kann mit dem Bürgerbus-Verein unter Telefon (02 02) 408 663 76 oder per E-Mail an info@doerper-bus.de Kontakt aufnehmen. Mehr Infos auch unter www.doerper-bus.de.

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