12.07.2019, 13.40 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Schwaffert: Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Wohnbaupläne

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Sprecher Michael Bergenthal (li.) und weitere Mitglieder der Bürgerinitiative, welche sich gegen eine Ausweisung der Schwaffert als Wohnbaufläche zur Wehr setzt. | Foto: Meinhard Koke

Sie leben am Rande eines Idylls, sie haben ihre Häuser in einem Bereich, der ein gutes Stück des Cronenberg-Reizes ausmacht, nämlich ländliches Grün und schöne Ausblicke ein paar Meter abseits der Hauptstraßen. Doch sie fürchten, dass in dieses Idyll irgendwann die Bagger anrollen könnten, um es platt zu machen und Wohnhäuser hochzuziehen.

Gemeint sind die Bewohner des Bereiches Rather Straße/Kohlfurther Straße: Das grüne Kerbtal zwischen ihren Straßen, Schwaffert genannt, ist eine der vier Flächen in Cronenberg, welche die Stadt zum neuen Regionalplan Düsseldorf als Wohnbau-Siedlungsflächen anmelden will – bis zu 81 Wohneinheiten könnten auf dem 1,8 Hektar großen Areal entstehen. Dazu hat nicht nur die Bezirksvertretung einstimmig „Nein“ gesagt (die CW berichtete). Dagegen macht nun auch eine Bürgerinitiative mobil: In einem Schreiben an den Rats-Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen hat sie Widerspruch gegen die betreffende Stadt-Vorlage zur Regionalplan-Anmeldung eingelegt.

In ihrer Ablehnung bezeichnen die Anwohner das Grün-Tal zwischen den beiden Straße als „extrem wichtiges Bindeglied zwischen dem Burgholz, dem Sudberger Wald und dem Waldgebiet in Richtung Müngstener Brücke“, welches von Wildtieren als Passage genutzt werde. Auch sei die Fläche wichtig für die zahlreichen Greifvögel in dem Bereich, die auf der nicht bewirtschafteten Fläche auf Nahrungssuche gingen – insofern sei die mögliche Ausweisung als Wohnbaufläche ein massiver Eingriff in ein wertvolles Biotop. Aber Sprecher Michael Bergenthal und seine Mitstreiter sehen nicht nur die Natur und ein Stück Cronenberger Idyll bedroht.

Nicht nur wertvolles Biotop, auch Überlastung der Infrastruktur

Die Anwohner fürchten eine mögliche Bebauung auch, weil sie glauben, dass die Infrastruktur in ihrem Quartier ebenso wie im gesamten Süden Cronenbergs damit überfordert wäre. Etwa 160 Fahrzeuge mehr könnte eine Bebauung bedeuten – wie der Bürgerverein Sudbürger finden sie auch, dass das die ohnehin „komplett überlastete“ Verkehrsinfrastruktur von und nach Cronenberg nicht mehr verkraften könne. Und schon gar nicht das Gebiet Rather Straße/Kohlfurther Straße – schon jetzt seien beide Straßen zugeparkt und nur per Slalomfahrt zu befahren.

Aber auch die Frage der Abwasser-Entsorgung sieht die Initiative kritisch: Könnte die Pump-Anlage in der Kohlfurther Straße, welche die Abwasser aktuell nach oben in die Berghauser Straße pumpt, die Abwässer von 81 Wohneinheiten mehr bewältigen? Und was wäre mit der Entwässerung, fragt die Bürgerinitiative überdies. Schließlich sei die Kanalisation ohnehin überlastet, während die Oberflächenwasser der versiegelten Industrieflächen oberhalb zur Versickerung in das Gebiet Schwaffert abgeleitet würden. Wohin dann damit, besonders bei zunehmendem Starkregen-Risiko?

Rat nimmt städtische Wohnbau-Vorschlagsliste von der Tagesordnung

Oder auch was mit der erhöhten Lärmemission bei einer Bebauung? Infolge der Trichterlage wäre der Pegel für Menschen und Tierwelt eine Beeinträchtigung, kritisiert die Initiative. Viele kritische Fragen, welche die Initiative mit den Ratsparteien vor Ort erörtern möchte. FDP, Grüne und SPD haben auf die Einladung schon ihr Kommen zugesagt – man darf gespannt sein, wie die Politik im Tal das „Nein“ der Bürgerinitiative und der Bezirksvertretung sieht.

Von den Themenlisten der Juni-Sitzungen des Hauptausschusses und des Rates wurde die betreffende Verwaltungsvorlage übrigens abgesetzt: „Vorberatung nicht abgeschlossen“, so heißt es dazu…

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